Bildung ist Zukunft

  • Bildung

Sie gehört zu den Grundrechten und ist in vielen Ländern Mangelware: Bildung. Die katholische Kirche setzt sich weltweit dafür ein, dass Kinder und Erwachsene Bildungsmöglichkeiten erhalten. Denn der Mensch hat als Ebenbild Gottes eine Verantwortung, der er gerecht werden soll.

„Gib einem Mann einen Fisch, und du nährst ihn für einen Tag. Lehr einen Mann zu fischen, und du nährst ihn ein Leben lang.“ – dieser vielmals zitierte Satz formuliert das Ziel aller Bildungsbemühungen: Wer Bildung unterstützt und fördert, will dem Menschen helfen, seine eigenen Fähigkeiten auszubilden und dadurch dauerhaft unabhängig zu werden.

Dass dies heute in vielen Teilen der Welt immer noch kein Normalzustand ist, zeigt der letzte Weltbildungsbericht der Unesco. Demnach haben im Jahr 2010 61 Millionen Kinder im Grundschulalter keine Schule besucht. Trauriger Spitzenreiter ist das Land Nigeria, in dem jedes sechste Kind ohne Möglichkeit auf einen Schulbesuch lebt.

Laut Angaben der Unesco haben im Jahr 2010 61 Millionen Kinder im Grundschulalter keine Schule besucht. Schwarzbach/Missio

So ist es nicht verwunderlich, dass die weltweite Alphabetisierungsrate immer noch erschreckend niedrig ist: 775 Millionen Erwachsene konnten im Jahr 2010 weltweit weder lesen noch schreiben. Um dies nachhaltig zu beseitigen, beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2000 acht Millenniumsziele , zu denen auch die Erreichung der Grundschulbildung für alle gehört. Damit soll das Menschenrecht auf Bildung, das in Art. 26,1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert ist, endlich umgesetzt werden. Der Einzelne soll die Möglichkeit erhalten, sich selbst im Rahmen seiner Fähigkeiten zu entfalten, um für die Gesellschaft einen Beitrag leisten zu können. Denn eine ausreichende und angemessene Bildung ist die Voraussetzung für eine nachhaltige menschliche Entwicklung und ein friedliches Zusammenleben.

Den Schatz der Talente für die Welt heben

Ein Beispiel dafür, wie der Einsatz für Bildung das Gesicht eines Landes verändern kann, bietet die Demokratische Republik Kongo. Obwohl das Land so reich an Diamanten, Kupfer und Gold ist, zählt es zu den ärmsten der Welt. Immer wieder kam es in jüngster Vergangenheit zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Manche haben erkannt, dass in der Bildung der Jugendlichen die Zukunft des Landes liegt. Die Kirche setzt hierfür besonders auf die Eltern. Eine Kommission für christliche Erziehung unterstützt die Lehrer und Eltern in ihrer Erziehung, unter anderem durch Weiterbildungen, und fördert damit die Gestaltung der Zukunft durch christliche Werte.

Dies ist nur ein Beispiel für das umfangreiche Engagement der Kirche, um Menschen ein selbstständiges und werteorientiertes Leben zu ermöglichen. Heute unterhält die Kirche weltweit knapp 200.000 Bildungseinrichtungen, die von ca. 57 Millionen Menschen besucht werden. Damit ist die katholische Kirche der weltweit größte nicht-staatliche Bildungsträger.

Die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über die christliche Erziehung, Gravissimum educationis , betont, wie wichtig die Förderung der Bildung für Frieden und Gerechtigkeit ist. Die Konzilsväter schreiben: „Alle Menschen, gleich welcher Herkunft, welchen Standes und Alters, haben kraft ihrer Personenwürde das unveräußerliche Recht auf eine Erziehung“ (GE 1). Weil der Mensch ein Ebenbild Gottes ist, wie es im Buch Genesis heißt, hat er eine Verantwortung vor seinem Schöpfer, die Welt zu gestalten. Dafür hat er Talente und Fähigkeiten erhalten, die er nutzen soll und ihm eine Teilnahme am gesellschaftlichen, wie auch wirtschaftlichen und politischen Leben ermöglichen sollen. Bildung will – um es bildlich auszudrücken – genau diesen Schatz der verborgenen Talente für den Menschen selbst, die Welt und die Gesellschaft heben. Es ist die gottesebenbildliche Würde des Menschen, in der das Recht auf Bildung wurzelt.

„Die wahre Erziehung erstrebt die Bildung der menschlichen Person in Hinordnung auf ihr letztes Ziel, zugleich aber auch auf das Wohl der Gemeinschaften, deren Glied der Mensch ist und an deren Aufgaben er als Erwachsener einmal Anteil erhalten soll.“

— Gravissimum educationis, 1
21 erfahrene Mitarbeiter, von denen zehn selbst eine Behinderung haben, führen in Banaripara, im Süden Bangladeschs, ein Rehabilitationsprogramm durch, das vor allem Kinder mit Sehbehinderungen unterstützt. Silke Fock-Kutsch/Kindermissionswerk

Dass diese Würde des Menschen auch im Bildungsbereich keine Grenzen kennt, zeigt ein Projekt in Bangladesch . In dem asiatischen Land ist es noch heute nicht selbstverständlich, dass Menschen mit Behinderungen ein Teil der Gesellschaft sind. Sie werden ausgegrenzt und missachtet. Die Organisation „Blind Education and Rehabilitation Development Organization“ ( BERDO ) hat sich deswegen seit 1991 zum Ziel gemacht, für die Rechte der Menschen mit Behinderung – vor allem Blinder – zu kämpfen und ihnen durch eine angemessene Schulbildung einen Platz in der Gesellschaft zu geben. Deswegen gehen die Kinder auch mit Gleichaltrigen auf eine reguläre Schule. Damit wird Bildung auch zu einem Mittel, damit Ausgegrenzte eine Chance in der Gesellschaft bekommen und die Würde jedes Menschen ein konkretes Gesicht erhält.

Bildungsmöglichkeiten zum Wohl aller Menschen nutzen

Entscheidend ist eine ganzheitliche Bildung, die mehr als nur das Erlangen von Wissen in den Blick nimmt. Gott will, dass die Menschen das Leben in Fülle haben (Joh 10,10). Das heißt, dass ihnen durch Bildung Lebensperspektiven eröffnet werden – unabhängig von Kulturen und Herkunft. Um dies zu erreichen, sollen den Menschen grundlegende Kenntnisse in allen wichtigen Bereichen der heutigen Lebenswirklichkeit vermittelt werden: Verwaltung des Wissens und kritische Auseinandersetzung mit dem Erlernten gehören ebenso dazu wie eine Offenheit für neu aufkommende Fragestellungen. All das gilt es, erst einmal zu lernen. Und auf alle diese verschiedenen Dimensionen zielt Bildung ab - damit von Werten geprägte Haltungen erwachsen können, die eine kritische Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit und ihren Anforderungen ermöglichen. Die Kirche bietet hierfür ihre Hilfe an, damit die Menschen ihre menschliche Persönlichkeit vervollkommnen und zum Wohl der Gesellschaft sowie zum Aufbau einer menschlich gestalteten Welt beitragen. Kurzum: Die Kirche engagiert sich im Bildungsbereich, weil sie Menschen das Fischen lehren will.

Stand: Juli 2013

© Thomas Arnold, Missio Aachen

Weltbildungsbericht der Unesco

Der seit 2002 jährlich erscheinende Unesco-Weltbildungsbericht evaluiert, wie weit sich die Länder den sechs Bildungszielen angenähert haben, die sie nach der Selbstverpflichtung auf dem Weltbildungsforum „Education for All“ (EFA) in Dakar bis 2015 erreichen wollen.

In dem Weltbildungsbericht 2012 fordert die Unesco unter anderem mehr Investitionen in die berufliche Qualifikation von Jugendlichen.

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