Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

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  • Pakistan

Sie gelten als Bürger zweiter Klasse, werden ausgegrenzt, unterdrückt und verfolgt: Als Christ in Pakistan zu leben, ist eine enorme Herausforderung. Zwar herrscht in dem südasiatischen Land offiziell Religionsfreiheit, die Realität sieht aber anders aus. Christen werden im öffentlichen und im privaten Leben benachteiligt und diskriminiert. Doch Emmanuel Asi gibt die Hoffnung auf ein friedliches Leben nicht auf. Der 64 Jahre alte Priester aus Lahore ist seit langen Jahren Partner von Missio.

„Wir pakistanische Christen sind voller Glaube und Hoffnung“, betont Asi im Gespräch mit Missio München. Er glaubt an eine positive Entwicklung – auch wenn die Lage für religiöse Minderheiten in dem südasiatischen Land äußerst angespannt ist. „Wir wissen nie, wann und wo uns etwas passiert“, berichtet der Geistliche, der auch Leiter der Nationalen Bibelkommission in Pakistan ist. Christen und andere „Andersgläubige“ sind ihm zufolge ständigen Diskriminierungen ausgesetzt, egal ob in Schule, Universität, im Büro, beim Einkaufen oder auf der Straße.

„Wir pakistanische Christen sind voller Glaube und Hoffnung.“

Pfarrer Emmanuel Asi Missio

Es gibt Restaurants, in denen Christen nicht essen dürfen, oder Frisörläden in denen sie nicht bedient werden – weil viele Muslime unter keinen Umständen mit ihnen in Berührung kommen wollen und sei es nur indirekt über einen vormals benutzten Teller oder eine Haarschere. Vor Gericht gilt die Zeugenaussage eines muslimischen Mannes so viel wie die Aussage von zwei Andersgläubigen. Und weibliche Christen benötigen vier Zeuginnen, um Anschuldigungen eines Muslims zu widerlegen.

„Doch oft leben Muslime und Christen auch friedlich zusammen“, dies zu erwähnen, darauf legt Asi großen Wert. „Wir sind ja quasi 24 Stunden im Dialog“, betont er. Das Zusammenleben funktioniere vor allem in kleinen Gruppen und Gemeinschaften gut. So findet nach Berichten des Priesters das soziale Leben oft in friedlicher Gemeinschaft statt: „Wenn jemand aus dem Dorf oder dem Stadtviertel krank oder eine Familie von einem Todesfall betroffen ist, dann kommen alle zusammen, um zu helfen und Unterstützung anzubieten – egal welcher Religion man angehört.“

Viele Muslime schicken ihre Kinder auf christliche Schulen

Sein Ziel ist es, dass Christen in Pakistan als „ganz normale Menschen“ wahrgenommen werden. „Wir sind keine ‚Christen in Pakistan‘, sondern ‚pakistanische Christen‘ – das ist ein großer Unterschied“, betont der 64-Jährige. Muslimen und Christen müsse klar werden, dass sie in Pakistan zusammengehörten, dass sie „Menschen mit gleichen Wurzeln“ seien. Einen Schlüssel dazu sieht Asi in der Bildung. Die gebildeten Schichten des Landes seien bereits jetzt aufgeschlossener. Viele von ihnen schickten ihre Kinder auf christliche Schulen. Auch der kirchliche Gesundheitsdienst werde von ihnen gerne in Anspruch genommen.

„Wir sind keine ‚Christen in Pakistan‘, sondern ‚pakistanische Christen‘.“

Besonders heftig trifft die Christen und die anderen Minderheiten in Pakistan allerdings das seit 1986 geltende Blasphemie-Gesetz. Damit ist es unter harten Strafen verboten, den Koran, die Moschee oder den heiligen Propheten zu diskreditieren. Dabei reicht ein beliebiger Muslim schon aus, um einen Christen der Blasphemie zu beschuldigen. Oft ist laut Asi Eifersucht der Grund für eine Denunziation, oder auch Rache und Missgunst. Gefährlich sei dabei vor allem der große Einfluss der Prediger in den Moscheen über die Masse, berichtet der Priester aus Pakistan.

Bildung ist der Schlüssel zu einem friedlichen Miteinander Missio

Ein Imam sei in der Lage, mehrere tausend Menschen auf einmal auf die Straße zu bringen und diesen Mob gegen Andersgläubige aufzuhetzen. „Es kommt vor, dass Häuser von beschuldigten Christen innerhalb kurzer Zeit niedergebrannt werden“, erzählt Asi: Wenn sich dann doch ihre Unschuld herausstellt, ist es zu spät.

Kampf gegen Abschaffung des Blasphemie-Gesetzes

Asi kämpft seit Jahren gegen eine Abschaffung des Gesetzes und appelliert in diesem Zusammenhang an Bundesregierung und EU. Da die pakistanische Regierung nur auf Druck von außen reagiere und Deutschland und Europa großen Einfluss hätten, müsste sich der Westen unbedingt noch klarer positionieren, fordert der Theologe. Pakistan und die Verfolgung der dortigen Minderheiten müsse mehr in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken. Der Geistliche wünscht sich eine größere Medienpräsenz, damit den Menschen bewusst werde, wie brisant die Lage der Christen in seinem Land nach wie vor sei.

Pakistan ist im nächsten Jahr Beispielland für die Missio-Kampagne zum Weltmissionssonntag (WMS) im Oktober 2014. Asi nennt es eine großartige Chance, durch die Kampagne auf Pakistan und die Lage der Christen in dem südasiatischen Land aufmerksam machen zu können.

Von Antje Pöhner

www.missio.com

Hintergrund

Christen sind im muslimisch geprägten Staat Pakistan eine Minderheit. Unter den knapp 173 Millionen Einwohnern leben etwa 2,8 Millionen Christen. Bis 1948 war Pakistan Teil der britischen Kolonie Indien. Im Jahr 1958 entstand die „Islamische Republik Pakistan“. Seitdem ringen mehrere Volks- und Religionsgruppen um die politische und gesellschaftliche Macht. Das Grenzgebiet zu Afghanistan liegt fest in der Hand der radikal-islamischen Taliban.

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