Christlich-islamischer Dialog

  • Reisetagebuch - Indonesien - 22.08.2013

In Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens, hat sich Erzbischof Ludwig Schick mit Vertretern verschiedener muslimischer Organisationen getroffen. Im ostasiatischen Inselreich sind fast 90 Prozent der Bevölkerung muslimisch. Mit ungefähr 200 Millionen Glaubensanhängern stellt Indonesien den Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt dar.

In Indonesien konnte sich eine ganz eigenständige Form des Islam ausbilden, die traditionell als äußerst tolerant gilt. Dieses Erbe versucht auch das Wahid Institute zu bewahren, das auf eine Initiative des ehemaligen indonesischen Staatspräsidenten Abdurrahman Wahid zurückgeht. Als angesehener islamischer Intellektueller setzte er sich zeitlebens für den interreligiösen und interkulturellen Dialog in seiner Heimat ein. Seine Tochter, Yenny Wahid, leitet heute das Institut.

Die Mitarbeiter des Wahid Institute setzen sich für den interreligiösen und interkulturellen Dialog in Indonesien ein. Gregor Buß

Warnung vor wachsender Intoleranz

Im Gespräch mit Yenni Wahid und ihren Mitarbeitern wurde deutlich, wie wichtig der Einsatz für einen moderaten und toleranten Islam in Indonesien ist. Die Gefahr der politischen Instrumentalisierung von Religion sei durchaus gegeben, so die Wissenschaftler. Unter dem derzeitigen Präsidenten Indonesiens, Susilo Bambang Yudhoyono, könne man eine wachsende Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten beobachten.

Vision eines modernen und toleranten Islam

Ganz ähnlich wie das Wahid Institute verfolgt auch das Maarif Institute, das ebenfalls in Jakarta angesiedelt ist, die Vision eines modernen und toleranten Islam. Das Institut versucht mit seinen unterschiedlichen Programmen die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie, Menschenrechten und Pluralismus zu verdeutlichen.

Für den Direktor des Instituts, Fajzar Riza Ul Haq, steht insbesondere die Frage der Religionsfreiheit im Zentrum des Menschenrechtsdiskurses in Indonesien. Auch wenn er die Demokratie in seinem Land als weiter entwickelt als in anderen asiatischen Staaten begreift, zeigt sich doch gerade im Umgang mit religiösen Minderheiten, dass auch in Indonesien die Kompatibilität von Islam und Demokratie noch nicht als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Gerade im Bildungssektor – das Institut hat mehrere Schulbücher erarbeitet – sieht Fajzar Riza Ul Haq daher die Chance, die jüngere Generation für gegenseitiges Verständnis und Toleranz zu sensibilisieren und somit die Demokratie in seinem Land zu stärken.

Von Gregor Buß

© weltkirche.katholisch.de

Erzbischof Schick in Indonesien

In den vergangenen Jahren hat die Gewalt gegen religiöse Minderheiten in einigen Teilen Indonesiens zugenommen. Was das für die Christen vor Ort bedeutet, davon berichtet Gregor Buß. Zusammen mit Erzbischof Ludwig Schick hat er sich auf den Weg nach Indonesien gemacht, um herauszufinden: Ist die Religionsfreiheit in Gefahr?

Alle Berichte von Gregor Buß auf einen Blick finden Sie hier:

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