Welttag des Migranten und Flüchtlings: Minderjährige schützen

  • © Bild: KNA
  • Flucht und Asyl - 12.01.2017

In seiner Botschaft zum Welttag des Migranten und Flüchtlings 2017 lenkt Papst Franziskus unsere Aufmerksamkeit auf das Schicksal von Kindern und Jugendlichen. Unter den Migranten bilden sie die verletzlichste Gruppe, da sie oft ohne Begleitung von Erwachsenen und Papiere unterwegs sind und Opfer von Ausbeutung, Kriminalität und Gewalt werden. Papst Franziskus stellt deshalb für sie und für alle Flüchtlinge eine dreifache Forderung: Schutz, Integration und die Bekämpfung von  Fluchtursachen.

Schützen, Integrieren, Fluchtursachen bekämpfen

Besonders minderjährige Migranten sieht Franziskus in einer physischen wie psychologischen Abhängigkeit : „die Armut und der Mangel an Mitteln zum Überleben – verbunden mit unrealistischen Erwartungen, die von den Kommunikationsmitteln suggeriert  werden –; das niedrige Niveau der Alphabetisierung; die Unkenntnis der Gesetze, der Kultur und häufig auch der Sprache der Gastländer.“ Auf diese Abhängigkeit treffe eine gefährliche „Nachfrage“, durch die Migration kaum noch von Menschenhandel zu unterscheiden sei: „Wenn keine Möglichkeit gefunden wird, mit größerer Strenge und Wirksamkeit gegen die Nutznießer vorzugehen, wird man den vielfältigen Formen der Sklaverei, denen die Minderjährigen zum Opfer fallen, keinen Einhalt gebieten können,“ so Franziskus.

Neben dem Schutz der Flüchtlinge vor Gewalt, Folter und Ausbeutung ist auch die Integration von tragender Bedeutung. Franziskus hebt insbesondere die Lage jener minderjähriger Migranten hervor, die sich in einer Situation der Irregularität befinden oder von der organisierten Kriminalität angeworben werden. „ In diesen Fällen muss das Recht der Staaten, die Migrationsströme unter Kontrolle zu halten und das nationale Gemeinwohl zu schützen, mit der Pflicht verbunden werden, Lösungen für die minderjährigen Migranten zu finden und ihre Position zu legalisieren.“

Langfristig müssten vor allem die Fluchtursachen bekämpft werden, also Kriege, Verletzungen der Menschenrechte, Korruption, Armut sowie die Störung des Gleichgewichts in der Natur und Umweltkatastrophen. „Die Kinder sind die Ersten, die darunter leiden; manchmal erleiden sie Formen physischer Folter und Gewalt, die mit denen moralischer und psychischer Art einhergehen und in ihnen Spuren hinterlassen, die fast immer unauslöschlich sind,“ so Franziskus in seiner Botschaft.

Ausdrücklich lobt er jene, dich sich für die Schutzbedürftigen einsetzen und ermutigt sie, weiterzumachen: „Werdet nicht müde, mit eurem Leben mutig das gute Zeugnis für das Evangelium abzulegen, das euch ruft, Jesus, den Herrn, der in den Kleinsten und Verletzlichsten gegenwärtig ist, zu erkennen und aufzunehmen.“

„Als Christen kann uns dies nicht gleichgültig lassen!“

— Erbischof Stefan Heße, Bischof Georges Colomb

Im Jahr 2015 waren weltweit mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht – über die Hälfte von ihnen Minderjährige.

KNA

„Als Christen kann uns dies nicht gleichgültig lassen!“, betonen auch der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, und  der französische Bischof Georges Colomb, zuständig für die Migrantenpastoral in der Französischen Bischofskonferenz.

Sie nehmen den Welttag des Migranten und Flüchtlings zum Anlass, um in einer gemeinsamen Stellungnahme allen zu danken, die sich in Deutschland und Frankreich für das Wohl minderjähriger Migranten einsetzen: Erziehern, Lehrern, Sozialarbeitern, Therapeuten, pastoralen Mitarbeitern, Beratern, Juristen, und insbesondere allen, die sich ehrenamtlich für eine Kultur der Aufnahme und Solidarität engagieren. „Ihnen allen ist es zu verdanken, dass viele minderjährige Migranten sich in unseren Gesellschaften als Menschen angenommen fühlen und eine Perspektive für ihre Zukunft sehen.“

Die katholische Kirche in Deutschland und in Frankreich verfüge über zahlreiche Ressourcen, um minderjährige Migranten auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten. Angesichts der Größe der Herausforderung gelte es aber auch, bereits bestehende Angebote auszuweiten und weiterzuentwickeln.