„Woche der Brüderlichkeit“ eröffnet - Kritik an AfD

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  • Interreligiöser Dialog - 06.03.2017

Mit einem Appell gegen Antisemitismus ist am Sonntag in Frankfurt die „Woche der Brüderlichkeit“ von Juden und Christen eröffnet worden. Zum Auftakt wurde in der Paulskirche die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Die evangelische Konferenz Landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden (KLAK) wurde dabei für ihr Engagement zur Aufarbeitung kirchlicher Judenfeindschaft geehrt.

Luthers Antisemitismus in den Blick nehmen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, räumte ein, die Kirche sei gegenüber dem Judentum „zutiefst schuldig geworden“ und verstrickt in die Geschichte des Antisemitismus. Die Erinnerung daran erfülle seine Kirche mit großer Trauer und Scham.

Er kündigte an, mit den EKD-Landeskirchen für zehn Jahre eine Stiftungsprofessur zur Erforschung und Förderung des christlich-jüdischen Dialogs einzurichten. Bedford-Strohm bat auch „um Vergebung für das unermessliche Leid, das, auch im Namen Martin Luthers, unseren jüdischen Schwestern und Brüdern angetan worden ist“.

Kritik an Holocaust-Äußerung von Björn Höcke

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ermunterte zum Dialog zwischen den Religionen. Solche Gespräche verhinderten, „dass sich jeder in sein religiöses Schneckenhaus zurückzieht“, so Bouffier. Zu wünschen sei, dass sich die Muslime „noch konsequenter“ auf den Weg des Dialogs einließen. Indirekt kritisierte Bouffier die AfD. Er sagte, der Holocaust dürfe „nie mehr vom Selbstverständnis unserer Nation abgetrennt“ werden. Dies gelte „für all jene, die gegenwärtig sogar aus den Parlamenten heraus die Erinnerungskultur schwächen oder diffamieren“ wollen. Nicht Erinnerung sei eine Schande, „sondern es nicht zu tun“. Bouffier bezog sich dabei offenbar auf die massiv kritisierten Äußerungen des AfD-Abgeordneten Björn Höcke.

Antisemitismus bei Flüchtlingen

Landesrabbiner Henry G. Brandt betonte, angesichts des Erstarkens eines neuen Antisemitismus sei die Arbeit der KLAK noch lange nicht getan. Zudem seien durch den Zuzug von Flüchtlingen Zehntausende „unter uns, die ihr ganzes Leben mit Hass gegen Israel und parallel alles Jüdische geimpft“ worden seien.

Bereits am Samstagabend hatte im Römer eine christlich-jüdische Feier stattgefunden. Dabei sagte Rabbiner Andreas Nachama, Dialog bedeute, sich der Gemeinsamkeiten zu vergewissern und sich im gleichen Augenblick die Unterschiedlichkeit von Juden und Christen bewusst zu machen.

Der Limburger katholische Bischof Georg Bätzing sagte, nicht das Sprechen, sondern die vielen sichtbaren Zeichen des Miteinanders machten die gemeinsamen Anliegen von Juden und Christen deutlich. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, nannte es „völlig richtig“, denen entgegenzutreten, die mit fremdenfeindlicher Agitation vorgäben, das christliche Abendland verteidigen zu wollen.

Die „Woche der Brüderlichkeit“ steht 2017 unter dem Motto „Nun gehe hin und lerne“. Das Programm sieht rund 750 Veranstaltungen in mehr als 100 Städten vor. Veranstalter ist der Koordinierungsrat der bundesweit 85 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

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Weitere Infos zur Woche der Büderlichkeit finden Sie beim Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR).

Meinungsaustausch von Rabbinern und Bischöfen

 

Einen Tag nach der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit in Frankfurt am Main haben sich dort am Montag Vertreter des Judentums, der katholischen und evangelischen Kirche getroffen, um sich wie jedes Jahr zu einem bestimmten Thema auszutauschen. Anlässlich des Reformationsgedenkens dieses Jahr war das Thema „Reformation, Reform und Tradition“. Die Teilnehmer haben die Reformation nicht nur als innerchristliches Ereignis, sondern auch in ihren gesellschaftlichen und kulturellen Folgen gewürdigt. Dabei wurde auch die ambivalente Wirkungsgeschichte der Reformation gerade auch mit Blick auf das christlich-jüdische Verhältnis und auf den christlichen Antijudaismus in den Blick genommen.
 

Seit 2006 treffen sich Vertreter der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland (ARK) und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) mit Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD einmal jährlich zu einem ausführlichen Meinungsaustausch, an dem auch das Präsidium des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit teilnimmt.

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Dossier - 06.03.2017

Die Welt verändert sich: Unterschiedliche Kulturen, Nationen und Religionen leben heute Tür an Tür. Die Kirche sieht dies als Bereicherung, denn die Verständigung mit Gläubigen anderer Religionen ist zentraler Bestandteil Ihrer Sendung.

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