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Konferenz „Die katholische Kirche in Nigeria und die Pfingstkirchen“

Bischöfe und Wissenschaftler/innen aus Afrika, Europa und den USA kamen vom 14. – 17. November 2016 in Abuja (Nigeria) zu einer interdisziplinären und interkonfessionellen Konferenz zusammen, um über das starke Wachstum pfingstkirchlicher Bewegungen in Nigeria und die Bedeutung dieser Entwicklung für die katholische Kirche zu beraten.

Unter den Teilnehmern waren fast dreißig Bischöfe und pastorale Mitarbeiter aus Nigeria, sowie 15 Wissenschaftler aus Afrika, Europa und den USA, von denen einige selbst den Pfingstkirchen angehörten. Sie stellten sich der Frage nach den Gründen für die Attraktivität der pfingstkirchlichen Bewegungen und was sie für die Pastoral der katholischen Kirche bedeute. Die Konferenz entstand in der Folge einer internationalen Pentekostalismus-Konferenz, die die Deutsche Bischofskonferenz im April 2013 in Rom durchgeführt hatte. Sie wurde von der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz in Kooperation mit der Nigerianischen Bischofskonferenz und Missio Aachen durchgeführt. Die Deutsche Bischofskonferenz wurde durch Weihbischof Dr. Stefan Zekorn (Münster) vertreten. Für die Wissenschaftliche Arbeitsgruppe war Prof. Dr. Andreas Hasenclever dabei.

Zu den Vorschlägen der Teilnehmer für einen besseren Umgang mit dem Phänomen zählten eine bessere Ausbildung der Priester zu pfingstlich-charismatischen Themen und die Weiterführung und Vertiefung der auf der Konferenz begonnenen Diskussionen auf diözesaner Ebene. Angeregt wurde außerdem eine Evaluierung einer mitunter unkritischen Übernahme charismatischer Heilungszeremonien und Formen der Anbetung durch katholische Geistliche. Angesichts der Akzentuierung von materiellem Wohlstand und diesseitigem Heil in vielen Pfingstkirchen wurde unterstrichen, die Kirche müsse zuerst Kirche für die Armen sein und bleiben. Auch die Praxis der Wunderheilungen und  Dämonenaustreibungen wurden von den Teilnehmern der Konferenz – einschließlich der Vertreter der klassischen Pfingstkirchen – als höchst problematisch empfunden.

Der von allen Beteiligten als sehr anregend erlebte Austausch wurde als erster Schritt eines weiter zu führenden Dialogs gewertet.

Von Heike Rumbach-Thome

Studie „Shareholder Engagement mit sozialen und ökologischen Zielen“

Eine neue Studie von Bernhard Emunds und Prisca Patenge untersucht Initiativen im kirchlichen Raum, ethische und nachhaltige Ziele in der Wirtschaft mit dem Instrument des Shareholder-Engagement (Mitspracherechte durch Aktienbesitz) zu verfolgen. Dargestellt werden eine US-amerikanische und eine britische Investoren-Plattform, die bereits seit Jahrzehnten Shareholder-Engagement im kirchlichen Bereich koordinieren, außerdem der „Arbeitskreis kirchlicher Investoren“ der EKD sowie ein privater Anbieter von Shareholder Engagement-Aktivitäten.

Die Studie „Shareholder Engagement mit sozialen und ökologischen Zielen“ ist hier als PDF abrufbar.

Studie „Wen kümmert die Sorgearbeit? Gerechte Arbeitsplätze in Privathaushalten“

Viele Familien in westlichen Ländern sehen sich immer weniger in der Lage, die Pflege- und Reinigungsarbeiten, die in den Haushalten anfallen, ohne Unterstützung von außen zu erledigen. Eine Antwort auf diese „Sorgelücke“ ist die schnell wachsende Zahl von Beschäftigten in Privathaushalten. Meist wird diese Haushaltsarbeit von Frauen übernommen, oft handelt es sich um Migrantinnen. Sie arbeiten häufig „schwarz“ oder in der faktischen Schutzlosigkeit von „Menschen ohne Papiere“.


Eine unter der Leitung von Prof. Dr. Bernhard Emunds (Frankfurt am Main) erarbeitete Studie der interdisziplinären Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ hat im Auftrag der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz die Ursachen und Folgen untersucht, die mit diesen Arbeitsverhältnissen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie für die Herkunfts- und Zielländer der transnationalen Haushaltsarbeiter(innen) verbunden sind. Sie hat außerdem Handlungsempfehlungen für eine gerechte und humane Organisation dieser Tätigkeiten erarbeitet.

Die Expertise mit dem Titel „Wen kümmert die Sorgearbeit? Gerechte Arbeitsplätze in Privathaushalten“ wurde am 2. Juli 2015 in der Katholischen Akademie in Berlin vorgestellt und bei einer Fachtagung mit Vertretern von Kirche und Caritas, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik diskutiert.

Experten fordern bessere Vereinbarkeit von Beruf und Sorgearbeit

Die Studie hält politische Weichenstellungen zur Schließung der entstandenen „Sorgelücke“ für dringend erforderlich. Dabei sei der Ausbau haushaltsbezogener Dienstleitungen zwar als ein Teil der Lösung zu betrachten, jedoch nicht ausreichend. Genauso wichtig sei es, dass die erwachsenen Haushaltsmitglieder selbst in die Lage versetzt werden, Sorgearbeit zu leisten, wobei jedoch keineswegs überholte Rollenbilder wiederbelebt werden sollten. Stattdessen fordern die Experten grundlegende Änderungen im Bereich der Erwerbsarbeit. Notwendig sei vor allem ein Zeitregime, das beiden Partnern die Ausübung ihres Berufes und die Beteiligung an der Sorgearbeit ermögliche. Dies sei nicht einfach ein individuelles Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern müsse als gesellschaftliche Aufgabe verstanden werden.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), unterstützte die Forderung der Experten, den „Sorgearbeiten“ einen angemessenen Stellenwert einzuräumen und sie in ihrer elementaren Bedeutung für die Zukunft der Gesellschaft anzuerkennen: „Nur eine Gesellschaft, die den sorgenden Tätigkeiten einen zentralen Stellenwert zumisst, die sich also auch selbst als eine ‚sorgende‘ und nicht nur als eine ‚arbeitende‘ versteht, kann eine Zukunft haben. Sonst lebt sie auf Kosten ihres menschlichen Potentials und zehrt ihre Existenzgrundlagen auf.“ Eine höhere Bewertung der sorgenden Tätigkeiten werde sich auch positiv auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Haushaltsarbeiterinnen auswirken.

Angesichts von Arbeitsbedingungen der Sorgearbeiterinnen, die weit unterhalb hiesiger arbeitsrechtlicher Standards liegen, stellte Erzbischof Schick die Frage: „Wie können wir die Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen und elementare Arbeiten für uns verrichten, an dem teilhaben lassen, was wir unter ‚guter Arbeit‘ verstehen?“ Die Deutsche Bischofskonferenz wolle die Vorschläge der Studie beraten und prüfen, wie die Kirche die Prozesse hin zu guter und gerechter „Sorgearbeit“ insgesamt weiter begleiten und unterstützen könne.

Studie mit internationalem Bezug

Ein Focus der Studie liegt auf den internationalen Bezügen des Themas. „Mit der Migration exportieren die Staaten gewissermaßen Sorgearbeit in reichere Ländern, so dass zum Teil nun bei ihnen größere Versorgungsdefizite entstehen“, erläuterte Prof. Dr. Bernhard Emunds. Oft trage außerdem die aufnehmende Gesellschaft nicht zum Aufbau oder Erhalt des Arbeitsvermögens der Haushaltsarbeiterinnen bei. Stattdessen müssten die Kosten dafür, wie schon für die Ausbildung der häufig überqualifizierten Haushaltsarbeiterinnen, von den Herkunftsgesellschaften getragen werden.

Mit Blick auf die Rolle der Kirchen weist die Studie auf die Notwendigkeit hin, die transnationalen Arbeiterinnen rechtlich und sozial zu beraten. Auch die Gewissensbildung der Arbeitgeber und Informationsangebote zu deren rechtlichen Pflichten seien Aufgaben der Kirchen. Diese sollten jedoch ihre Aktivitäten der persönlichen Beratung und individuellen Unterstützung mit politischem Engagement verbinden. Dazu böten die Prozesse der Umsetzung der Konvention der Internationalen Arbeitsagentur über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte (2011), die 2013 von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert wurde, eine gute Gelegenheit. Vor allem sollten die Kirchen die nationalen Berichte, die in diesem Zusammenhang abzugeben seien, kritisch begleiten.

Download und Presseecho

Broschüre über Neue Religiöse Bewegungen

Nach einer dynamischen Entwicklungsphase sind die Neuen Religiösen Bewegungen des evangelikalen Spektrums, einschließlich charismatischer und pfingstkirchlicher Gemeinschaften, weltweit zur zahlenmäßig zweitgrößten Realität nach der katholischen Kirche geworden.

Broschüre "Evangelikale – Pfingstkirchen – Charismatiker" der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz

DBK

Eine neue Broschüre der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz stellt die Vielfalt und die Unterschiede dieser Bewegungen in Lateinamerika, Afrika, Asien, Nordamerika und Europa dar, befasst sich mit Ursachen und Faktoren ihres Erfolgs und den Herausforderungen und Spannungsfeldern, die sich aus dem Phänomen für die katholische Kirche und ihre Pastoral ergeben.

Bei der Veröffentlichung handelt es sich um die systematische Zusammenfassung von Referaten und Diskussionen im Rahmen einer Internationalen Konferenz mit wissenschaftlichen Experten und hohen Kirchenvertretern aus zwanzig Ländern, die 2013 von der Deutschen Bischofskonferenz, unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, veranstaltet worden war.

Kardinal Koch gibt in seinem Vorwort zu der Publikation der Hoffnung Ausdruck, die katholische Kirche möge sich nach einer theologischen und spirituellen Unterscheidung der Geister von dem Phänomen herausfordern und zu einer geistlichen Erneuerung mit auch praktischen Konsequenzen inspirieren lassen.

Den Text können Sie hier bestellen oder als PDF-Datei herunterladen.

Von Heike Rumbach-Thome, Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz