Konferenzen

Konferenz: Kirche und Staat in Mittel- und Osteuropa

Vom 1. bis 4. Februar 2016 fand im Kardinal-Döpfner-Haus in Freising eine Fachkonferenz zum Thema „Kirche und Staat in Mittel- und Osteuropa“ statt. Auf Initiative von Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, hat die Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz als Veranstalter annähernd 30 Experten aus Mittel- und Osteuropa sowie aus dem deutschsprachigen Raum zusammengeführt. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Stefan Mückl (Päpstliche Universität Santa Croce, Rom) wurde in insgesamt zehn Referaten eine detaillierte Bestandsaufnahme des Verhältnisses von Kirche und Staat in den ehemals kommunistisch beherrschten Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas vorgenommen.

Zu Beginn der Fachkonferenz hatten der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, sowie der Richter des Bundesverfassungsgerichts, Professor Dr. Peter M. Huber (Ludwig-Maximilians-Universität München), in Grundsatzreferaten die überwölbenden Fragestellungen des Verhältnisses von Kirche und Staat aus kirchlicher bzw. staatlicher Perspektive beleuchtet. Sämtliche Referate wurden im Plenum intensiv und engagiert diskutiert. Drei Generaldebatten im Plenum sowie eine weitere Sitzung in nach Sprachgruppen getrennten Arbeitskreisen (deutsch und englisch) hatten die Aufgabe, Leitfragen für weitere vergleichende und länderübergreifende Studien zur Thematik zu entwickeln. Mit der Teilnahme der Fachreferenten von Renovabis für die jeweiligen Länder konnten wertvolle Erkenntnisse über die rechtspraktischen Problemstellungen gewonnen und in die Überlegungen einbezogen werden.

Ein Tagungsband, der die erweiterten Referate sowie künftige Forschungsperspektiven der wissenschaftlichen wie allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich machen soll, ist in Arbeit.

Konferenz: Christen, christliche Kirchen und Religion in einem sich wandelnden Mittleren Osten

Bei der internationalen Fachkonferenz „Christen, christliche Kirchen und Religion in einem sich wandelnden Mittleren Osten“, die Ende Februar 2016 in Rom zu Ende gegangen ist, haben zahlreiche Kirchenführer und Wissenschaftler sich intensiv über die Lage in dieser Region ausgetauscht. Die dreitägige Veranstaltung wurde im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz von ihrer Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben durchgeführt. Die Projektleitung lag bei Prof. Stephan Stetter (Universität der Bundeswehr in München). Die Teilnehmer kamen aus mehreren europäischen Ländern, aus Nordamerika und den Staaten des Mittleren Ostens. „Wir wollten Bischöfen und Kirchenverantwortlichen die Gelegenheit geben, eigene Erfahrungen und Kenntnisse mit wissenschaftlichen Analysen und Bewertungen in Beziehung zu setzen“, sagte Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. „So konnten neue Einsichten über Hintergründe und Ursachen der heutigen Situation, über Gefahren und Zukunftsperspektiven gewonnen werden.“

In dramatischen Worten beschrieben die Bischöfe aus den arabischen Ländern das alltägliche Leiden in den Konfliktregionen und den Niedergang der christlichen Kirchen, die durch Vertreibung und Abwanderung ausgezehrt werden. Prof. Heiner Bielefeldt, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Religions- und Weltanschauungsfreiheit, sprach von einer „genozidalen Dimension“ der Verfolgung religiöser Minderheiten, die sich im Herrschaftsgebiet des sogenannten Islamischen Staates (IS) gegen Christen, Jesiden, Schiiten und muslimische Abweichler richte. Bei der Konferenz wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass die Christen von Konflikten betroffen sind, die nicht von ihnen ausgehen. Dazu gehören die Konfrontationen zwischen Sunniten und Schiiten, Identitätskonflikte innerhalb des Islam und eine damit einhergehende Radikalisierung sowie seit Langem ungelöste politische Auseinandersetzungen, etwa zwischen Israelis und Palästinensern.

„Die massenhafte Abwanderung der Christen nach Europa und Nordamerika ist eine akute Gefährdung für den Fortbestand des orientalischen Christentums“, so Erzbischof Schick. „Mit einem Exodus der Christen aus dem Mittleren Osten dürfen wir uns nicht abfinden. Auf allen Ebenen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln müssen wir darauf hinarbeiten, dass Christen in ihren angestammten Ländern Lebensbedingungen vorfinden, die es ihnen erlauben zu bleiben.“

Übereinstimmend betonten die Bischöfe die „gleichberechtigte Staatsbürgerschaft“ aller – unabhängig vom religiösen Bekenntnis – als Leitperspektive für die Erneuerung der arabischen Staaten. Einem solchen Konzept steht jedoch entgegen, dass das moderne Menschenrechtsdenken und damit auch die Religionsfreiheit in großen Teilen der muslimischen Welt nach wie vor nicht akzeptiert werden. Das Anliegen der „gleichberechtigten Staatsbürgerschaft“ müsse – so Bischöfe und Experten – in die politische Öffentlichkeit der Länder, aber auch in den interreligiösen Dialog eingebracht werden. Erzbischof Schick unterstrich, dass dieser Dialog in Wahrheit, Liebe und Respekt geführt werden müsse: „Eine neue Ernsthaftigkeit und eine konkrete Ausrichtung der Gespräche sind zwingend geboten.“

Die Teilnehmer diskutierten auch selbstkritisch das Handeln der Kirchen. Christen und Kirchen seien immer noch zu stark von einem Unterlegenheitsgefühl bestimmt, das sich in Jahrhunderten muslimischer Dominanz verfestigt habe. Auch sprächen die Kirchen – trotz ökumenischer Fortschritte in einzelnen Fragen – zu selten mit einer Stimme.

Die Bischöfe appellierten an die Staatengemeinschaft, den Schutz der Christen und anderer bedrohter Gruppen zu einer Priorität der internationalen Politik zu machen. Dabei komme, so Erzbischof Schick, der Beendigung von Kriegen und Bürgerkriegen eine wesentliche Rolle zu. „Nur mit einer echten Friedenspolitik, bei der die Interessen der auswärtigen Mächte zurücktreten müssen, kann für die Verfolgten und Bedrängten etwas erreicht werden.“

Obwohl die Region des Mittleren Ostens durch gemeinsame Trends charakterisiert ist, zeigen sich in den einzelnen Ländern doch markante Unterschiede. In Gebieten, die von Krieg und Bürgerkrieg gezeichnet sind (Irak und Syrien), ist eine dramatische Abwanderung von Christen zu beobachten. Der Präfekt der Päpstlichen Kongregation für die orientalischen Kirchen, Kardinal Leonardo Sandri, sprach mit Blick auf diese Länder von einer „Ökumene des Blutes“. Die Lage der Kirchen im Libanon ist stabil, aber angespannt, wie der Patriarch der Maronitischen Kirche, Béchara Pierre Kardinal Raï, in seinem Referat darstellte. In Ägypten haben die Christen nach der Herrschaft des islamistischen Präsidenten Mursi wieder etwas mehr Luft zum Atmen gewonnen. Einen Sonderfall stellen die Golfstaaten dar, wo die Zahl der katholischen Gastarbeiter inzwischen die Millionengrenze überschritten haben dürfte. (DBK)

Bedrängte Christen - 26.02.2016

„Jeder Mensch hat das Recht auf seine Heimat!“

Die Situation der Christen im Nahen Osten war Thema einer internationalen Fachkonferenz in Rom. Dazu eingeladen hatte die Deutsche Bischofskonferenz. Mit dramatischen Worten warnt deren Weltkirche-Beauftragte, Erzbischof Ludwig Schick, vor einem drohenden Exodus des orientalischen Christentums.


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Konferenz: Neue religiöse Bewegungen als Herausforderung für die katholische Kirche

Weltweit lässt sich seit einigen Jahrzehnten ein Aufschwung der Religionen beobachten. Im Zentrum stehen dabei Formen, die traditionell und aus Sicht der großen Kirchen als Sekten bezeichnet werden. In der Wissenschaft verwendet man dafür den weiten Begriff „Neue Religiöse Bewegungen“ (New Religious Movements). Das weltweite Wachstum des Christentums geht in der Hauptsache auf evangelikale Bewegungen, Pfingstkirchen und charismatische Bewegungen zurück. Ihre Mitgliedschaft wird heute auf mehr als 400 Millionen geschätzt. Insbesondere für die katholische Kirche bedeutet dieses Phänomen eine große Herausforderung an die kirchlichen Strukturen.

Bereits Mitte der 1990er Jahre beauftragte die Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ihre „Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben“ mit einem Forschungsprojekt zum Thema. Mittlerweile liegen mehrere exemplarische Länderstudien vor. Vom 9. bis 11. April 2013 veranstaltete die Deutsche Bischofskonferenz in Rom eine internationale Konferenz, um die Ergebnisse dieser Studien vorzustellen und mit Kirchenvertretern aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa zu diskutieren.

Unter dem Thema „Evangelikale – Pfingstkirchen – Charismatiker. Neue Religiöse Bewegungen als Herausforderung für die katholische Kirche“ wurden konkrete Handlungsorientierungen und pastorale Konzepte für jene Ortskirchen debattiert, die vom Phänomen der „Neuen Religiösen Bewegungen“ besonders betroffen sind. Die Schirmherrschaft der Konferenz hatte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, übernommen.

Studien

Die fünf Studien der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe zum Thema „Neue religiöse Bewegungen“ finden Sie hier:

  • Helga Dickow: Religion and Attitudes towards Life in South Africa. Pentecostals, Charismatics and Reborns. in collaboration with Petra Bauerle, Theodor Hanf and Valerie Møller, Baden-Baden 2012

  • Miklós Tomka, Religiöser Wandel in Ungarn. Religion, Kirche und Sekten nach dem Kommunismus (Forum Weltkirche, Band 12) © Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2010. www.verlagsgruppe-patmos.de

  • Yves Bizeul: Christliche Sekten und religiöse Bewegungen in der südlichen Hemisphäre. Eine Literaturstudie, Bonn 1995 (Reihe Projekte, Bd. 1)

  • Christl Kessler, Jürgen Rüland: Give Jesus a Hand! Charismatic Christians: Populist Religion and Politics in the Philippines, Manila 2008, Ateneo de Manila University Press

    Christl Kessler, Jürgen Rüland: Responses to Rapid Social Change: Populist Religion in the Philippines (2006); erschienen in Pacific Affairs: Volume 79, Nr. 1, 73-96

  • Jean P. Bastian/Ulrich Fanger/Ingrid Wehr/Nikolaus Werz, Religiöser Wandel in Costa Rica. Eine sozialwissenschaftliche Interpretation (Forum Weltkirche, Band 10) © Matthias-Grünewald-Verlag , Mainz 2000

Referate

Alle Referate der Tagung „Evangelikale – Pfingstkirchen – Charismatiker. Neue Religiöse Bewegungen als Herausforderung für die katholische Kirche“ finden Sie hier: