Von der Straße in eine bessere Zukunft

  • Salesianer Don Boscos

Intensive Betreuung vom ersten Kontakt auf der Straße bis zur Rückführung in die Familie und Schule: Das bietet Don Bosco Fambul den rund 2500 Straßenkindern in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. Mit Streetwork, Seelsorge, Therapie, Familienberatung, Brückenkursen und Freizeitangeboten hilft das Team aus Sozialarbeitern rund um Salesianerbruder Lothar Wagner den Kindern wieder auf die Beine.

Im ständigen Dialog mit politischen Institutionen und staatlicher Polizei kämpft der gebürtige Trierer für mehr Kinderrechte und gesellschaftliche Toleranz.

Sierra Leone erlebte von 1991 bis 2002 einen der grausamsten Bürgerkriege der jüngeren Weltgeschichte. Noch immer liegen Wirtschaft und Sozialstaat am Boden. Vor allem Kinder und Jugendliche leiden unter Armut, Hunger, (sexueller) Ausbeutung und Krankheiten. Viele junge Erwachsene sind traumatisiert, nachdem Rebellen und staatliche Milizen sie zu Kriegszeiten als Kindersoldaten rekrutiert und zu grausamen Taten gezwungen hatten.

Den Polizisten Freetowns sind die Straßenkinder ein Dorn im Auge: Für sie bedeuten Straßenkinder Kriminalität, Gewalt, Drogen, Alkohol. Bei Don Bosco Fambul bekommen Jugendliche die Chance zum Dialog mit den Gesetzeshütern. Don Bosco Mondo

Der Kinderhandel boomt, da es keine Meldepflicht für Neugeborene und kein Adoptionsrecht gibt. Damit fehlt jede Möglichkeit die Familienzugehörigkeit zu überprüfen; Kinder können quasi „von der Straße weg“ verschleppt werden. Viele Kinder lassen sich aber auch aus Not auf ausbeuterische Kinderarbeitsverhältnisse ein oder sehen keinen anderen Ausweg, als ihren Körper zu verkaufen.

Nur wer seine Rechte kennt, kann sie wahrnehmen

Oberstes Ziel von Don Bosco Fambul ist es, die Lebensbedingungen von Straßenkindern zu verbessern, sie über ihre Rechte aufzuklären, sie zu stärken und ihnen so die Chance auf ein menschenwürdiges und altersgerechtes Leben zu geben. Die Streetworkerinnen und Streetworker helfen den Straßenkindern mit warmen Mahlzeiten, Kleidung und medizinischer Versorgung. Mit dem Don Bosco Mobil, einem umgebauten deutschen Linienbus – vorne Klassenraum, hinten Arztpraxis – nehmen sie Kontakt mit den Straßenkindern auf.

100 Plätze pro Jahr

Im Straßenkinderzentrum können jedes Jahr bis zu 100 Kinder in ein Rehabilitierungsprogramm aufgenommen werden, das zehn Monate dauert. Hier holen sie ihre schulischen Defizite auf, lernen ein angemessenes Sozialverhalten und bekommen eine Vielzahl von Sport-, Musik- und anderen Freizeitangeboten. Ziel ist es, sie wieder in ihre oder eine Pflegefamilie zu integrieren und zum Schulbesuch zu befähigen.

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Dazu werden auch die Familien von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern betreut, Elternverantwortung wird gefordert und gefördert. Die Arbeit mit den Eltern beginnt schon während der Trainingszeit der Kinder. Besonderes Augenmerk genießt die Begleitung der Familien nach der Rückführung ihrer Kinder: Sie läuft bis zum 18. Lebensjahr. So stellen die Salesianer nachhaltig sicher, dass die Kinder nicht wieder auf der Straße landen.

In Zukunft ist es für Don Bosco Fambul wichtig, die Qualität der Familienberatung und die Nachhaltigkeit der Rückführungen zu sichern. Im Jungenwohnheim stehen Renovierungsar-beiten an und das gerade eröffnete Heim für Mädchen soll weiter ausgebaut werden.

Politische Überzeugungsarbeit

Die Ordensleute intensivieren ihre Zusammenarbeit mit dem „Ministerium für Soziales, Kinder und Jugend“. Nur zusammen mit dem Staat kann Don Bosco Fambul die Rechte der Kinder in Sierra Leone auf Dauer stärken.

Höchste Priorität hat die Durchsetzung eines Adoptionsgesetzes und einer Meldepflicht für Neugeborene, um dem florierenden Kinderhandel einen Riegel vorzuschieben. Zudem benötigen Mädchen und Frauen eindeutige Gesetze, die sie vor Zwangsehen, Prostitution, Genitalverstümmelung und Ausbeutung schützen.

Mehr Informationen zu diesem Projekt finden Sie bei Don Bosco Mondo .

© Don Bosco Mondo

Zwei Organisationen - ein Ziel

Gleich zwei Organisationen, die den weltweiten Zentren der Salesianer Don Boscos zur Seite stehen, haben ihren Sitz in Bonn: Don Bosco Mondo und Don Bosco Mission.

Als Einrichtung der Salesianer Don Boscos vertritt Don Bosco Mission die internationalen Anliegen des Ordens in Deutschland. In der Entwicklungsarbeit fokussiert sich Don Bosco Mission ganz besonders auf gefährdete Jugendliche und Straßenkinder und kooperiert intensiv mit katholischen Hilfswerken.

Don Bosco Mondo hingegen ist eine rechtlich selbstständige Nichtregierungsorganisation. Sie konzentriert sich auf Bildung, berufliche Ausbildung, Nothilfe und die Vertretung der Rechte von Kindern und Jugendlichen weltweit.

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