Frieden „on air“

  • Uganda - Missio München

Er ist Versöhner, Bindeglied, Ratgeber, Unterhalter und Arbeitgeber zugleich: der Hörfunksender Radio Pacis. Von Norduganda aus sendet das Team seine Botschaft in konfliktgebeutelte Regionen Afrikas – und arbeitet daran, sich eines Tages aus der Hilfe zur Selbsthilfe heraus auf eigene Beine zu stellen.

Wenn die helle Stimme von Winnie Eyoru am Vormittag über den Äther geht, ist Zeit für „Life as we know it“, „Leben heute“. Jeden Vormittag während der Woche moderiert die junge Uganderin diese Sendung vom Studio in Arua aus, dem Hauptsitz von Radio Pacis im Nordwesten des Landes. Umgang mit dem schwierigen Thema Brautpreis, eine Diskussion über die Zunahme von häuslicher Gewalt, die neuesten Entwicklungen beim Ackerbau oder ein freundschaftlicher Gruß an die muslimischen Nachbarn zum Beginn des Ramadan – viele Hörer diskutieren mit, rufen an, schicken SMS.

Fr. Tonino Pasolini mit einer Mitarbeiterin im Studio Missio

„Kommunikation ist erfolgreich, wenn sie einen Kreis bildet“, davon ist Tonino Pasolini, Direktor des Senders, überzeugt. Der italienische Comboni-Missionar, der seit 46 Jahren in Uganda lebt und arbeitet, hat das diözesane Medienzentrum von Anfang an mit aufgebaut. Seit knapp zehn Jahren ist das Radioteam „on air“ – und mit seinen Themen auf einem guten Weg, wie die britische Medienanstalt BBC (British Broadcasting Corporation) 2007 belegte: Sie zeichnete das Projekt als afrikaweit beste neue Radiostation aus.

„Ich bin so stolz auf unsere Gruppe. Die ganze Welt sollte so miteinander umgehen und Dinge gemeinsam anpacken wie wir.“

— Tonino Pasolini, Direktor des Senders Radio Pacis

Acholi, Lögbari, Alur und Kakwa teilen sich ein Mikrofon

Das Motto von Radio Pacis, die Menschen miteinander zu befrieden, ist bis heute aktuell. Auch Jahre nach dem offiziellen Ende des Bürger- und Guerillakriegs leben viele Bewohner Nordugandas in Angst. Zu stark sind die Bilder aus der Vergangenheit. Immer wieder sorgen versprengte Rebellengruppen für Schreckensnachrichten in den Dörfern im Grenzgebiet. Die gefürchtete Lord´s Resistance Army (LRA) wird im angrenzenden Nordosten des Kongo vermutet. Fr. Tonino war es von Beginn an wichtig, Einheit zu signalisieren. Dafür stellte er ein buntes Team aus Radiomachern zusammen, mit dem sich die Menschen identifizieren können: Acholi, Lögbari, Alur, Kakwa oder Maʼdi – viele der mehr als 40 Ethnien Ugandas sind am Mikrofon vertreten. Und es sollen noch mehr werden. Auch Muslime arbeiten im Medienzentrum, einem der größten Arbeitgeber in der abgelegenen ländlichen Region West-Nil. „Ich bin so stolz auf unsere Gruppe“, sagt Fr. Tonino begeistert. „Die ganze Welt sollte so miteinander umgehen und Dinge gemeinsam anpacken wie wir.“

Radio Pacis sendet inzwischen auf mehreren Frequenzen – und kann bis in den Südsudan gehört werden. Missio

Nach außen verleiht Radio Pacis seiner Idee von einem friedlichen Zusammenleben täglich neu Gestalt. Eine wichtige Rolle spielt dabei das „offene Studio“ des Senders: Schulklassen aus den Dörfern, Frauengruppen, Musiker mit traditionellen Instrumenten – immer schafft das Team genügend Mikrofone herbei, damit alle ihren Teil zur Gemeinschaft beitragen und ihre Botschaft über das Radio loswerden können.

Mit Solarzellen gegen den Stromausfall

Und gehört werden die Botschaften der Menschen weit über die West-Nil Region hinaus. Radio Pacis sendet inzwischen von drei Stationen in Norduganda. Über verschiedene Frequenzen ist der Sender – wenn auch noch unregelmäßig – im benachbarten Kongo und im Südsudan zu hören. „Was das Sendegebiet angeht, könnten wir eines Tages bis zu zehn Millionen Hörer erreichen“, schwärmt Fr. Tonino, der selbst leidenschaftlich gerne Radio macht. Und das Team hat noch mehr Pläne. Immer wieder sprechen die Radiomacher darüber, wie sich der Sender mit Solarzellen auf dem Dach gegen die regelmäßigen Stromausfälle wappnen könnte. Fr. Tonino: „Ideal wäre es, eines Tages selbst Strom ins Netz einspeisen zu können. Dadurch würden wir unseren Teil dazu beitragen, die Menschen mit Strom zu versorgen und zusätzlich einen weiteren Schritt tun, um uns eines Tages ganz auf eigene Beine zu stellen.“

Stand: September 2012

Auf der Webseite von Missio in München finden Sie mehr Informationen rund um die Projektarbeit und ausgewählte Spendenprojekte.

© Kristina Balbach, Missio München

Radio Pacis

Der pastoral- und gemeinschaftsorientierte Sender Radio Pacis leistet integrale Entwicklungsarbeit – speziell in ländlichen Gegenden, in denen für viele Menschen kleine, batteriebetriebene Radiogeräte täglicher Begleiter sind. Missio unterstützt die Arbeit des Radioteams von Beginn an. So wurde der Aufbau des Medienzentrums der Diözese gefördert, ebenso wie die Anschaffung der nötigen technischen Geräte und die Umsetzung des Programms. Aktuell ist Missio dabei, einen weiteren Sendemast möglich zu machen.

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