Eine neue Basis schaffen

  • Afghanistan - Caritas international

Hasaradschat im Zentrum Afghanistans: Im Winter ist das karge Bergland oft monatelang von der Außenwelt abgeschnitten, Krankenhäuser, soziale Einrichtungen oder Schulen sucht man fast vergeblich. Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, engagiert sich mit humanitärer Hilfe und mit dem Aufbau der Infrastruktur in der isolierten Region.

Ein gescheiterter Militäreinsatz, ein gescheitertes Land - in der öffentlichen Wahrnehmung rangiert Afghanistan auf der untersten Skala. Jeder kleine Fortschritt scheint durch den nächsten Terrorakt zunichte gemacht. Unter diesen Voraussetzungen braucht Humanitäre Hilfe mehr als nur einen langen Atem.

„Nur mit der aktiven Mitgestaltung und Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner sind anhaltende Erfolge zu erreichen.“

Die Erfahrungen aus der langjährigen Arbeit von Caritas international in Afghanistan zeigen, wo man ansetzen muss, um Perspektiven für und mit den Menschen weiter zu entwickeln. Eine wichtige Grundlage ist dabei das Partner-Prinzip. Caritas international führt alle Projekte in Kooperation mit lokalen Organisationen und unter enger Einbeziehung der Bevölkerung durch. Nur mit der aktiven Mitgestaltung und Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner sind anhaltende Erfolge zu erreichen.

Einweihung der Caritas Klinik Sang Takht Caritas international

Caritas international ist seit 1984 im Hasaradschat aktiv. Über die Jahre hat das Hilfswerk der Deutschen Caritas hier so viele Projekte umgesetzt wie kaum anderswo auf der Welt. Sie reichen von psychosozialer Unterstützung über Gesundheitsversorgung, über Wiederaufbaumaßnahmen bis hin zur Nothilfe. So hat Caritas international gemeinsam mit der Partnerorganisation LEPCO (Kasten) ein Netz von zehn Kliniken, acht im Hasaradschat, zwei in Mazar-i-Sharif aufgebaut. Die Krankenhäuser wurden gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung errichtet und sind nach ihrer Fertigstellung an das afghanische Gesundheitsministerium übergeben worden.

Selbsthilfe und Eigeninitiative fördern

Zu den Gesundheitsprogrammen der Caritas gehört auch die Ausbildung von Gesundheitserzieherinnen und -erziehern, die ihr Wissen in Kursen über Hygiene und Gesundheit in ihren Dörfern weitergeben. Denn die Hilfe zur Selbsthilfe ist ein weiteres entscheidendes Prinzip der Caritasarbeit. Auch in den Distrikten Kabul und Kandahar unterstützt Caritas die medizinische Selbsthilfe: Mobile Hebammen-Teams machen dort Hausbesuche und betreuen insgesamt etwa 185.000 Frauen und Mädchen.

Verbindungen schaffen: Straßenbauprojekt im Hasaradschat Martin Gerner/Caritas international

Auch in den Infrastrukturprojekten setzt Caritas international auf die enge Abstimmung und Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner. Gemeinsam mit afghanischen Partnerorganisationen werden schon seit 2003 entlang bestehender Eselspfade befestigte Bergstraßen in den Fels gehauen. Die Straßen und Brücken bahnen den Weg für den Transport von Hilfsgütern und Baumaterialien und verschaffen den Menschen Zugang zu Brunnen, Schulen und Gesundheitsstationen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner vieler Bergdörfer ist dies Grundvoraussetzung für einen Weg aus der Armut.

„Caritas international war und ist in der Hilfe unabhängig von militärischen und politischen Parteien. Nur so können Vertrauen und damit auch Sicherheit wachsen.“

Partei ergreifen für die Schwächsten

Caritas international bleibt bei all dieser Arbeit einer Linie treu: Die Bedürftigsten stehen im Fokus der Hilfe, unabhängig von Geschlecht, von ethnischer und religiöser Zugehörigkeit und fern von militärischen Interessen aller Kriegsparteien. So konnte über die Jahre ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden zu den Partnern, zu Lokalverwaltungen und vor allem zu den Menschen, mit denen Caritas arbeitet. Caritas international war und ist in der Hilfe unabhängig von militärischen und politischen Parteien. Nur so können Vertrauen und damit auch Sicherheit wachsen. Neutralität und Kontinuität der Arbeit zahlen sich aus. Nicht zuletzt bieten sie den besten Schutz für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Stand: September 2012

© Monika Hoffmann, Caritas international

LEPCO

LEPCO (Leprosy and TB control program) ist eine der Partnerorganisationen mit denen Caritas international bereits seit 1984 zusammenarbeitet. LEPCO behandelt in zehn Kliniken im Hasaradschat Lepra- und Tuberkulosepatienten – wie zum Beispiel in dem mit Hilfe von Caritas international neu gebauten Krankenhaus in Schahristan. Hier finden auch Basisgesundheitsschulungen und Ausbildungskurse für Krankenpflegerinnen statt.

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