Solidarität – unsere Verantwortung

  • Erfahrungsbericht

Gott hat alle Menschen nach seinem Abbild geschaffen, wir sind alle gleich. Und doch führen wir so unterschiedliche Leben – je nachdem, wo wir geboren wurden. Wir, die wir es besser getroffen haben, haben eine Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen. Und es ist nicht mit einer jährlichen Spende getan.

Eine junge Frau vor ihrem Straßenstand - sie hat es in die Selbstständigkeit geschafft. Natalie Leibfried

Solidarität, unsere Verantwortung, beginnt jeden Morgen wenn wir aufstehen. Solidarität beginnt bei der Wahl unseres Stromanbieters, beim Wocheneinkauf, bei der Auswahl unserer Hausbank, bei der Wahl des Fortbewegungsmittels und unserer Urlaubsplanung. Es ist nicht möglich das perfekte Leben zu führen, unsere Welt ist nicht schwarz und weiß und es geht keineswegs darum, im Supermarkt alle Produkte in „gut“ und „schlecht“ zu teilen. Aber es ist bereits ein Anfang nachzudenken, sich zu informieren und sich Gedanken zu machen, welche Auswirkungen zum Beispiel mein Kaufverhalten auf Menschen in Ecuador oder im Senegal hat. Denn in Zeiten der Globalisierung sind wir zwangsläufig vernetzt und voneinander abhängig.

„Wenn jeder – nach seinen ganz eigenen Möglichkeiten und seinem ganz eigenen Gewissen – sein Bestes tut, dann können wir wirklich etwas verändern.“

Auf diesen acht Quadratmetern leben neun Menschen und teilen noch ihren letzten Tee mit Gästen. Natalie Leibfried

Sehen-Urteilen-Handeln

Meine Erfahrungen in Kenia haben mir gezeigt, wie nah wir uns wirklich sind und wie schützenswert jedes einzelne Leben ist – auch auf der anderen Seite der Welt. Es kann frustrierend sein zuzusehen, wie sich Missstände einfach nicht ändern. Aber durch Zusehen ändert sich eben auch nichts. Kardinal Joseph Cardijns prägte das Prinzip Sehen-Urteilen-Handeln, das heute aktueller denn je ist. Demnach ist die Basis unseres Handelns das Sehen, das bewusste Wahrnehmen und Erkennen von Lebensumständen und Spannungsfeldern, sowie das Wahrnehmen unserer eigenen Verantwortung, aber auch unserer ganz persönlichen Möglichkeiten. Es folgt das Urteilen, das Beurteilen der Situation nach christlichen Maßstäben. Und daraus erwächst schließlich das Handeln, der konkrete Schritt zur aktiven Problemlösung. Oft können wir nur kleine Schritte tun, doch es heißt auch „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Wenn jeder – nach seinen ganz eigenen Möglichkeiten und seinem ganz eigenen Gewissen – sein Bestes tut, dann können wir wirklich etwas verändern.

Schwester Viviana mit einem Teil der 2. Klasse. Natalie Leibfried

Das Abenteuer „Welt verändern“

Meine Erfahrungen in Kenia, mit den Menschen dort und deren Lebensart haben mir Hoffnung gemacht, das große, vielleicht auch etwas naive Abenteuer „Welt verändern“ anzugehen. Und nicht zuletzt durch die Erfahrungen mit mir selbst – indem ich an meine Grenzen stieß, aber auch immer wieder über mich hinauswuchs – ist dieses Jahr in Kenia so wertvoll für mich geworden. Wenn ich heute an meine Grenzen stoße, denke ich an Wambui oder an Juma, die in Nairobi viele Jahr auf der Straße verbracht und dann doch den Absprung geschafft haben. Heute besuchen sie regelmäßig die Schule und haben gute Noten. Ihnen steht eine Zukunft offen, von der sie noch vor ein paar Jahren nicht zu träumen gewagt hätten. Es ist die Erinnerung an Kenia, das unwirkliche Gefühl der abwesenden Anwesenheit, was mich immer wieder neu motiviert aus meinen beiden Heimaten das Beste zu machen. Wambui und Juma haben es geschafft! Warum sollten wir es nicht schaffen, aus dieser Welt einen besseren und gerechteren Platz zu machen?

© Natalie Leibfried, MaZ der SpiritanerInnen und Missionsschwestern vom Kostbaren Blut

Interesse geweckt?

Viele weitere spannende Erfahrungsberichte können auf der MaZ-Webseite abgerufen werden. Hier findest du auch Informationen zum weiteren Engagement zurückgekehrter MaZler. Die MaZ-Webseite stellt darüber hinaus ausführliche Informationen zu den Voraussetzungen, dem Programmablauf und zur Bewerbung bereit.

MissionarIn auf Zeit