Wahlfreiheit

  • Santa Cruz de la Sierra - 24.09.2013

Die Bundestagswahl am Sonntag hat mich natürlich auch in Santa Cruz nicht ganz kaltgelassen. Passend war da, dass das Goethe-Institut zur Wahlparty eingeladen hatte und Würstchen, Sauerkraut und Freibier lockte. Mit zwei anderen Freiwilligen vor Ort verfolgten wir die Hochrechnungen und es fand sich fast die gesamte deutsche Gemeinde aus Santa Cruz ein: deutsche Diplomaten und Geschäftsleute, Familien, die seit Generationen in Bolivien wohnen, Entwicklungshelfer, Lehrer an der deutschen Schule und weltwärts-Freiwillige. Das Wahlergebnis wurde entsprechend unterschiedlich aufgenommen, auf jeden Fall aber wurde heiß diskutiert und man kam ins Gespräch.

Besonders interessant für mich war das Gespräch mit einem Lehrer an der deutschen Schule. Er bot mir an, nach Abschluss meines Lehramtsstudiums für zwei oder drei Jahre dort zu arbeiten. Sicherlich eine spannende Aufgabe, auch wenn mir noch fünf Jahre Zeit bleiben, um darüber nachzudenken.

Gespräche über deutsche und bolivianische Politik

Für mich aber fast noch viel interessanter war das große Interesse der Bolivianer an den Wahlen in Deutschland. Freunde und Mitarbeiter im Kinderdorf haben mich viel über die deutsche Politik, die Parteien und den Ausgang der Wahlen gefragt und im Gegenzug viel über die Politik in Bolivien erzählt: Davon, dass es hier schwierig ist eine kontinuierliche Politik umzusetzen, weil es gilt, so viele Interessen verschiedener Regionen und Ethnien zu vereinen. Von den verschiedenen Militärputschen der 70er und 80er Jahre und davon, dass noch immer ein Großteil der Staatsausgaben an das Militär fließt, während zum Beispiel Lehrer relativ schlecht bezahlt werden. Aber auch davon, dass inzwischen die Korruption und Misswirtschaft abgenommen hat und Bolivien nicht zuletzt wegen seiner Lithium-Vorkommen wirtschaftlich im Aufschwung ist.

Bei aller unterschwelligen Resignation über diese Probleme merke ich meinen Gesprächspartnern aber doch hauptsächlich den Wunsch nach Veränderung und politischer Teilhabe an. Und angesichts von immer wieder berichteten Unregelmäßigkeiten und Manipulationen bei bolivianischen Wahlen wird auch deutlich, was für ein Privileg es ist, gänzlich frei und unabhängig wählen zu können. Auch wenn man natürlich mit dem Ergebnis nicht immer einverstanden sein muss :-).

Von Lukas Lange

Mit der Gitarre im Gepäck nach Bolivien

12 Monate lang hat Lukas Lange als Missionar auf Zeit im Kinderdorf Padre Alfredo in Bolivien mitgelebt, mitgearbeitet und mitgebetet. Nun kehrt er für drei Wochen an den Ort zurück, der für ihn zu einer zweiten Heimat geworden war. Alle Reiseberichte auf einen Blick finden Sie hier:

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