„Mitleben, Mitarbeiten, Mitbeten“

  • MissionarIn auf Zeit

Mein Name ist Andreas Riedl (21) und ich bin als Missionar auf Zeit (MaZ’ler) vom Erzbistum Paderborn ausgesandt worden und lebe für ein Jahr in Ägypten. Drei Wörter machen das Leitmotiv eines „Missionar auf Zeit“ aus: „Mitleben, Mitarbeiten, Mitbeten“.

Hier in Ägypten lebe ich in der Provinzstadt Assiut, die ca. 350 km südlich von Kairo liegt. Auch befindet sich das größte der sieben koptisch-katholischen Bistümer hier in der Provinz. Das Bistum Assiut hat 50.000 Gläubige und wird vom koptisch-katholischen Bischof Kyrillos geleitet, mit dem ich eng zusammen arbeite. Mit mir leben fünf Priester und zwei Nonnen im Bischofshaus. Das Bischofshaus wird für Konferenzen und Fortbildungen genutzt, sodass es immer voller Menschen ist.

Neben meiner Arbeit mit Bischof Kyrillos engagiere ich mich auch im pastoralen Entwicklungsbüro und im Kindergarten. Mit dem Bischof zusammen besuchen wir mehrmals in der Woche die Gemeinden zu den verschiedensten Anlässen. Dadurch komme ich mit vielen Menschen zusammen und erlebe die unterschiedlichsten Lebenssituationen.

Meine Aufgabe ist es dann, mich mit den Kindern und Jugendlichen zu unterhalten. Auch wenn ich mittlerweile über ein paar Kenntnisse der arabischen Sprache verfüge, soll ich mit ihnen Englisch sprechen, da es sonst für die Kinder und Jugendlichen keine Möglichkeit gibt, diese Sprache zu üben. Sie freuen sich immer sehr, wenn ich da bin, erzählen sie viel aus ihrem Leben und zeigen mir die Stadt oder das Dorf, in dem sie leben.

Andreas Riedl in der Sonntagsschule, die freitags stattfindet. Denn der Freitag ist nach dem Islam der Feiertag der Woche. Eines der Kinder hatte Geburtstag und das musste natürlich gefeiert werden. Evon Magdy

Kein Unterschied zwischen den Religionen

Jeden Morgen bin ich im Kindergarten und spiele mit den Kindern. Der Kindergarten macht keinen Unterschied zwischen den Religionen, sodass jeder herzlich willkommen ist. Die Einrichtung ist auch eine Art Vorschule, wo die Kinder schon das englische Alphabet und die Zahlen erlernen.

In meiner Freizeit gestalte ich das Gemeindeleben hier in der Domgemeinde mit - sei es durch die Planung und Durchführung der Sonntagsschule oder diverser anderer Aktivitäten. Manchmal begleite ich auch andere Priester, um das Leben anderer Gemeinden besser kennenzulernen.

Im Folgenden möchte ich ein kleines Erlebnis schildern, das die Einfachheit im Glauben der Leute zeigt und mich – als Einen, der aus der ostwestfälischen Diaspora kommt – sehr berührt hat.

Die koptisch-katholischen Christen feiern die Gottesdienste nach koptischem Ritus und haben somit eine große und traditionsreiche Marienverehrung. Am Anfang war mir dieses ganze Brauchtum um Maria sehr ungewohnt, aber dann ergab sich folgendes Geschehnis: Ich saß im Innenhof des katholischen Studentinnenwohnheims, wo eine große Marienstatue steht. Ich traf mich dort mit einer Familie, die vom Lande kommt und ihre Tochter bzw. Schwester in der Stadt besuchen wollte. Als die Familie sich verabschiedete, rannte die Kleinste der Familie, die vier Jahre alte Mariam, zur Marienstatue, berührte sie und bekreuzigte sich. Danach berührte sie die Statue noch einmal, hielt die Hand, mit der Sie die Marienstatue berührt hatte, ausgestreckt vor sich her, kam auf mich zugerannt und forderte mich auf, mich zu ihr herunter zu beugen. Mit der ausgestreckten Hand bekreuzigte sie meine Stirn und wünschte mir somit den Segen und den Schutz der Gottesmutter Maria bis sie mich wieder sehen würde.

Andreas Riedl und Abuna Thomas, Pfarrer der Nachbargemeinde vom Dom. Malak fawzy

Hoher Stellenwert der Symbolik

Ich gehöre jetzt nicht plötzlich zu den großen Marienverehrern, aber dieses Erlebnis hat mir gezeigt, wie einfach es manchmal sein kann, zu glauben und dass nicht immer unbedingt Worte etwas verständlich machen, sondern manchmal auch ganz einfache Symbolik.

Die koptisch-katholische Kirche ist voll von Symbolik und Brauchtümern, die auch an die Urkirche heranreichen – etwas, das uns in der deutschen Kirche leider zu viel verloren gegangen ist.

Durch das kaum vorhandene Freizeitangebot – vor allem auf dem Lande – spielt sich das alltägliche Leben in oder um die Kirche herum ab. Somit ist die Kirche nicht nur sonntags für zwei Stunden geöffnet, sondern jeden Tag. Unter der Woche finden beispielsweise Bibelstunden und Diskussionsrunden sowie Katechesen statt, die auch von ausgebildeten Gemeindemitgliedern gehalten werden.

Es gibt noch so viel zu erzählen und viel wird mir ewig im Gedächtnis bleiben und mich prägen. Es ist einfach eine unglaubliche Freude, den Glauben zu leben und diesen mit Christen zu teilen, die zu einer der ältesten Kirchen der Welt und zu einer der meist verfolgten Kirchen in der Vergangenheit gehören.

Von Andreas Riedl

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