Kirche mit Weltblick

  • Im Ausland engagieren

Die katholische Kirche in Deutschland engagiert sich weltweit in vielfältiger Weise. Unzählige Projekte und Initiativen zeugen von dem reichen globalen Beziehungsnetz, das Pfarreien, Hilfswerke, Diözesen, Ordensgemeinschaften, kirchliche Einrichtungen, Vereine und Gruppen geknüpft haben.

Katholizität als Auftrag zum weltkirchlichen Engagement

Die Charakterisierung der Kirche als katholikós (alles umfassend) macht deutlich, in welchem Maße ihre Sendung universal und ihr Selbstverständnis global ist. Die katholische Kirche Deutschlands, die durch die Deutsche Bischofskonferenz , das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die Deutsche Ordensobernkonferenz repräsentiert wird, versteht sich als Teil einer weltumspannenden Kirche, die „in [...] und aus“ lokalen Ortskirchen besteht ( Lumen gentium ). Die in der Einheit mit dem Bischof von Rom sichtbar werdende universalkirchliche Einheit ist dabei mehr als eine theologische Formel. Sie lässt sich auch nicht uniformistisch verordnen oder folkloristisch vorgaukeln. Eine Kirche, die sich nicht mehr als Westkirche, sondern als Weltkirche versteht, gewinnt ihre weltkirchliche Identität nur als erfahrbare Gebets-, Solidar- und Lerngemeinschaft (Allen Völkern sein Heil). Das Engagement der deutschen Kirche im Ausland stellt eine wichtige Erfahrungsgrundlage für diese kontinuierlichen innerkirchlichen und interkulturellen Lernprozesse dar.

Drei Facetten des weltkirchlichen Engagements im Ausland

Das Auslandsengagement der deutschen Kirche weist drei Facetten auf: die Auslandsseelsorge, der Einsatz für globale Gerechtigkeit und die weltkirchliche Partnerschaftsarbeit.

Kirche im Einsatz am Menschen Institut für Weltkirche und Mission

Die Auslandsseelsorge

Die mobile Lebensweise unserer globalisierten Kultur bringt es mit sich, dass immer mehr Menschen im Ausland unterwegs sind. Die seelsorgliche Begleitung von deutschen Touristen, Pilgern, zeitweise im Ausland Arbeitenden und Auswanderern ist eine Aufgabe, die das Katholische Auslandssekretariat mit hauptamtlichen Seelsorgern in weltweit etwa 60 deutschsprachigen Auslandsgemeinden erfüllt. Parallel dazu gibt es auch in Deutschland eine ausgeprägte Migrantenpastoral für Katholiken anderer Muttersprachen.

Der Einsatz für globale Gerechtigkeit

Der Einsatz für die Hungernden, Kranken, sozial Benachteiligten und politisch Entrechteten ist für Christen unmittelbarer Bestandteil ihres missionarischen Auftrags. Weil „Christus selbst in den Armen mit lauter Stimme seine Jünger zur Liebe aufruft“ ( Gaudium et spes und Mt 25,31ff), solidarisieren sich viele Christen in Deutschland mit den Marginalisierten dieser Erde. Weil sie zum Himmel schreiendes Elend und Ungerechtigkeit gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Strukturen nicht hinnehmen wollen, engagieren sie sich in kirchlichen Vereinen und Verbänden oder in Eine-Welt-Gruppen für eine menschlichere und gerechtere Welt. Durch die enorme Unterstützung vieler Menschen leisten die sechs katholischen Hilfswerke mit ihren zahlreichen Projekten und Initiativen seit vielen Jahrzehnten herausragende Arbeit. Das Bischöfliche Hilfswerk Misereor , das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ , das Hilfswerk der deutschen Caritas Caritas international , das internationale Missionswerk Missio , das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis sind wichtige Akteure in der internationalen Entwicklungsarbeit. Im Verbund mit anderen Nichtregierungsorganisationen, wie der Deutschen Kommission Justitia et Pax , nutzen sie ihr Gewicht darüber hinaus, um den Schwachen politisch eine Stimme zu verleihen.

Auch die rund 130 in Deutschland vertretenen missionarischen Ordensgemeinschaften sind an zahlreichen Orten der Welt mit caritativen und pastoralen Aufgaben betraut. Orden wie die Steyler Missionare unterstützen verschiedene Hilfsprojekte oder betreiben Lobbyarbeit für die Ärmsten der Armen. Insgesamt 2000 „Missionskräfte“ stellen die Ordensgemeinschaften laut Zahlen des Deutschen Katholischen Missionsrates derzeit. Einige – darunter zum Beispiel die Missionsbenediktiner – unterhalten eigene Ordensniederlassungen mit Bildungs- und Sozialeinrichtungen. Andere arbeiten in internationalen Organisationen, wie dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst , oder kooperieren mit verantwortungsbewussten deutschen Unternehmen bei der Ausbildung junger Menschen – wie der den Salesianern zugehörige Verein Don Bosco Mondo .

Voneinander lernen – miteinander teilen

Ein Film über die Gemeindepartnerschaft zwischen Bocholt und Bonau (Dominikanische Republik)

Benedikt Winkler

Die weltkirchliche Partnerschaftsarbeit

Als reichere Glaubensgeschwister sind die deutschen Katholiken angesichts der weltweiten Not häufig als Geldgeber und materielle Förderer gefragt. So wertvoll diese Hilfe ist, droht sie hin und wieder den Blick für die partnerschaftliche Dimension des Austauschs mit anderen Ortskirchen zu verstellen. Die unzähligen weltkirchlichen Partnerschaftsprojekte der deutschen Pfarreien, Hilfswerke, Diözesen und Verbände leisten nämlich mehr als innerkirchliche Umverteilung. Dort, wo neben der institutionellen Annäherung auch persönliche Begegnung und wechselseitige Anteilnahme zwischen Christen verschiedener Kulturen gelingt, wird Kirche als interkulturelle Lerngemeinschaft lebendig. Die Partnerschaft der Gemeinde St. Georg in Bocholt erzählt davon. Internationale Kooperationen theologischer Fakultäten und Forschungseinrichtungen helfen, Formen des weltkirchlichen Dialogs zu vertiefen, intellektuell zu reflektieren und kritisch zu begleiten.

Dabei strahlt die Partnerschaftsarbeit nicht nur auf dem Feld der Entwicklungszusammenarbeit über die Grenzen des kirchlichen Bereiches. Viele kirchliche Partnerschaftsprojekte eignen sich für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit als gelungene Beispiele „Globalen Lernens“, weil globale Problemlagen auf der Grundlage wechselseitiger Anteilnahme vertiefter wahrgenommen werden können.

Eine-Welt-Verkauf im MaZ-Café beim Katholikentag 2012 Marian Haman

Lebendige weltkirchliche Arbeit auch in Deutschland

So vielfältig sich das Engagement der deutschen Kirche im Ausland darstellt, so lebendig ist auch die weltkirchliche Arbeit in Deutschland. Dies zeigt die Studie "Weltkirchliche Arbeit heute für morgen", die im Rahmen des Projektes "Zur Zukunft der weltkirchlichen Arbeit in Deutschland" entstand. Dennoch bekommen auch die kirchlichen Hilfswerke und Partnerschaftsinitiativen vielerorts den allgemeinen Rückgang an aktiven Gemeindemitgliedern zu spüren. Nicht nur die von Ungerechtigkeit und Ausbeutung zerrissene Welt, auch die von Polarisierung bedrohte Weltkirche ist dringend auf den Einsatz engagierter und couragierter Menschen angewiesen.

Eine ermutigende Entwicklung stellt daher die wachsende Zahl von jungen Erwachsenen aus Deutschland dar, die im Rahmen von Freiwilligendiensten weltweit für eine bestimmte Zeit in Sozial- und Bildungsprojekten mitarbeiten. Dabei bieten die missionarischen Ordensgemeinschaften mit ihrem Programm MissionarIn auf Zeit eine in spiritueller Hinsicht besonders intensive Form des christlichen Freiwilligendienstes an. Daneben führen mittlerweile auch viele andere kirchliche Organisationen eigene Freiwilligendienstprogramme für junge Erwachsene durch. Auch ältere Erwachsene haben die Möglichkeit, sich im Ausland zu engagieren. So vermittelt etwa die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe als Fachdienst der deutschen Katholiken gezielt Fachkräfte für die Entwicklungszusammenarbeit.

Stand: September 2012

© Simon Neubert, Institut für Weltkirche und Mission