Das Leben ist andersWO

  • Internationaler Freiwilligendienst

Internationale Freiwilligendienste sind für junge und jung gebliebene Menschen, die sich auf die Herausforderungen dieses Dienstes wirklich einlassen, eine einmalige und einzigartige Chance, geglücktes Leben zu entdecken. Gleichzeitig öffnen sie den Horizont und das Verständnis für andere Lebenswirklichkeiten, die in Zeiten einer zusammenwachsenden Welt in Kirche und Gesellschaft mehr und mehr notwendig und gefragt sind.

Zurzeit gibt es in Deutschland eine kaum zu überschauende Vielzahl sehr unterschiedlicher Träger und Anbieter internationaler Freiwilligendienste. Das reicht von kleinen Initiativen, die in ihren Projekten lediglich einzelne Freiwillige zum Einsatz bringen, bis hin zu größeren Organisationen, die Freiwilligendienste in großem Stil organisieren.

Vielzahl an Anbietern und Trägern

Für die Durchführung internationaler Freiwilligendienste steht eine breite Palette unterschiedlicher Freiwilligenförderprogramme zur Verfügung. Seit 2008 dominiert das weltwärts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aus dem rund 3.500 Freiwillige pro Jahr gefördert werden. Dieses hat im Jahr 2011 in Form des Internationalen Jugendfreiwilligendienstes (IJFD) Konkurrenz aus dem Bundesfamilienministerium erhalten, aus dem circa 3.000 Freiwilligeneinsätze pro Jahr gefördert werden. Weitere Programme sind das Freiwillige Soziale Jahr im Ausland sowie der Europäische Freiwilligendienst .

Anne Herrig arbeitete in Ruanda in einer Pfarrei und in einer Schule. Anne Herrig

Im Raum der Katholischen Kirche haben sich die Träger zur Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Freiwilligendienste zusammengeschlossen, um ihre Interessen politisch zu vertreten. Eine für die Profilierung der Freiwilligendienste wichtige Rolle kommt seit über 20 Jahren der fid-Servicestelle bei der AGEH zu, die neben Versicherungen auch Beratungen, Seminare, Schulungen und ein Qualitätsmanagement anbietet. Die Freiwilligendienste kirchlicher Träger verstehen sich als soziale Dienste für Frieden und Versöhnung im Ausland. So hat es bereits 1975 die Würzburger Synode formuliert.

Die Rahmenbedingungen

Internationale Freiwilligendienste werden in der Regel für die Dauer von circa einem Jahr durchgeführt. Die Arbeitsfelder liegen in den Bereichen der Jugendarbeit, (Jugend-)Bildung, Arbeit mit behinderten Menschen, Sozial- und Gemeinwesenarbeit und zu kleineren Teilen in der Arbeit mit Flüchtlingen sowie im medizinischen Bereich. Üblicherweise erfolgt eine etwa halbjährliche Vorbereitung in Form von Seminaren, Tagestreffen und Praktika. Diese umfassen neben einer inhaltlichen und praktischen Einweisung auch die persönliche Vorbereitung: Motivations- und Biografiearbeit stehen hier zum Beispiel an der Tagesordnung. Während des Dienstes erfolgt eine Begleitung in Form von Zwischenseminaren, Projektbesuchen, Gesprächen und Krisenintervention. Die Begleitung bezieht auch die Einsatzstelle mit ein. Zurück in Deutschland findet eine umfassende Nachbereitung statt: Das Auswertungsgespräch, das Rückkehrerseminar und oft auch ein Orientierungsseminar für die Zeit danach sind fester Bestandteil dessen.

„Unser Friedensdienst ist ein Lerndienst, ein Füreinander-Dienst, dass die anderen für uns verbindlich werden und wir für sie.“

— Jonas Hagedorn, Rückkehrer aus dem Freiwilligendienst
Stephan Mertes hat 2010 seinen Freiwilligendienst in Nigeria absolviert. Stephan Mertes

Enorme Chancen

Junge Leute, die einen internationalen Freiwilligendienst absolviert haben, kommen fast immer verändert und begeistert zurück. Der Friedensdienst ist für sie eine Unterbrechung des Gewohnten. Sie werden mit gänzlich anderen Lebenswirklichkeiten konfrontiert. Lassen sie sich hierauf ein, dann werden sie ihren Dienst als ‚Einladung’ erfahren. Sie erleben, dass sie viel mehr geschenkt bekommen als sie geben. Das wiederum ist eine berührende Erfahrung. Die Freiwilligen stellen fest: Das, was ich erlebe, lässt mich nicht kalt. Menschen berühren mich, im wahrsten Sinne des Wortes und sie berühren auch mein Herz. Hieraus leiten dann viele Freiwillige ihre eigene ‚Sendung’ ab. Ihr Leben geht in eine andere Richtung, sie erhalten eine Ahnung davon, was ‚Leben in Fülle’ wirklich bedeutet. Sie haben eine neue Perspektive, vertreten einen festen Standpunkt und wollen auch weiterhin helfen.

 

Stand: September 2012

 

© Peter Nilles, Soziale Friedensdienste im Ausland e. V.

In Worte gefasst

Lucie Ohlemann, die ihren Freiwilligendienst in Bolivien absolvierte, beschreibt ihre Erfahrungen folgendermaßen:

Ich habe in Bolivien

so viel Fett gegessen,

so viele Küsschen bekommen,

so lange ohne Strom gelebt,

so oft kein Wasser gehabt,

so viele Stunden im Bus gesessen,

so oft über Sexualität geredet,

so viel Durchfall gehabt,

so viele traditionelle Tänze gelernt,

so viel Hähnchen gegessen,

so lustig und schlecht Tischfußball gespielt,

so viel gestrickt und gehäkelt,

so viele Riten und Traditionen kennengelernt,

so viele Sterne gesehen,

so viel Kultur erlebt,

so viel Armut gesehen,

so wenig gesprochen,

so viel geweint,

so intensiv Glück erlebt,

wie noch nie in meinem Leben.

Rückkehrer

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