Ende der Einbahnstraße!

  • Reverse-Dienste

Mit Reverse (oder Incoming) ist der Internationale Freiwilligendienst gemeint – nur aus umgekehrter Sicht: Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Ländern des Südens und Ostens wird die Möglichkeit eines freiwilligen Einsatzes in Deutschland eröffnet. Dieser Lerndienst durchbricht endlich die Einbahnstraße des Internationalen Freiwilligendienstes und stärkt den partnerschaftlichen Ansatz zwischen den Ländern und Partnerorganisationen.

Träger

Bisher gibt es für das Reverse-Programm deutlich weniger Träger als für den Internationalen Freiwilligendienst. Doch es geht voran – zum Beispiel im Bistum Trier. Über den Verein SoFiA nimmt das Bistum bereits seit 1999 junge Menschen aus Bolivien im Rahmen der Bolivien-Partnerschaft auf. Die (Erz-)Bistümer Freiburg (seit 2009), Rottenburg-Stuttgart (seit 2012) und München-Freising (seit 2012) folgten dem Trierer Beispiel. Auch die Bundesregierung möchte der kolonialistisch anmutenden „one-way-Politik“ entgegenwirken: Für das Jahr 2014 soll im Rahmen des „weltwärts“-Programms auch ein Reverse-Angebot eingerichtet werden.

Ziele

Wichtigstes Ziel dieses Angebots ist es, den Freiwilligen Lernerfahrungen in der Begegnung mit den Menschen und in der Arbeit zu bieten. Dabei wird der Lerneffekt immer bei allen Beteiligten wahrgenommen und der Beziehungsaufbau als sehr bereichernd empfunden. Weitere Ziele sind die Förderung des interkulturellen Austauschs und der Chancengleichheit, die Stärkung des Partnerdialogs und die Unterstützung von Partnerschaften. Im kirchlichen Kontext wird der Reverse-Dienst besonders als Beitrag zum weltkirchlichen Auftrag, der in den jeweiligen Partnerschaften konkretisiert wird, gesehen. So bieten die weltkirchlichen Partnerschaften in den genannten Bistümern auch den Rahmen für dieses Freiwilligenprogramm.

Rahmenbedingungen

Die Freiwilligen kommen üblicherweise für ein Jahr nach Deutschland. Da die deutsche Sprache für den Freiwilligeneinsatz ein wichtiges Kriterium ist, absolvieren die Freiwilligen zunächst für einen Monat einen Intensiv-Sprachkurs und werden in die neue Umgebung eingeführt. Danach beginnt der 11-monatige Freiwilligeneinsatz, der zumeist in einer Kinder- oder Jugendeinrichtung absolviert wird. Erfolgt dieser Einsatz über einen Träger des Deutschen Freiwilligendienstes, sind die Jugendlichen über diesen auch sozialversichert und erhalten ein Taschengeld. Es hat sich bewährt, die Freiwilligen in Gastfamilien aufzunehmen, damit sie sich außerhalb der Arbeit gut beheimatet fühlen. In den Diözesen werden sie in die regionale und diözesane Jugendarbeit integriert. Die Vorbereitung der Freiwilligen, zum Beispiel über Seminare, Sprachkurs und Kontakt mit deutschen Freiwilligen im Heimatland, ihre Begleitung über das Jahr hinweg und die Nachbereitung im Heimatland sind grundlegend für das Gelingen des Reverse-Programms.

Fazit

Die Erfahrung zeigt, dass das Mitleben und Mitarbeiten der Reverse-Freiwilligen in den Gastfamilien, den Einsatzstellen und vielen anderen Bereichen, viel Begeisterung, Gastfreundschaft, Freizügigkeit, Dankbarkeit, Offenheit und am Ende oft feuchte Augen hervorrufen. Kommen die Freiwilligen aus einem kirchlichen Kontext, können sie den Glauben an Gott als sehr verbindend erleben.

Auch wenn die Ausgangs- und Rahmenbedingungen für den Internationalen Freiwilligendienst und das Reverse-Programm nicht die gleichen sind, ist die Schaffung von Reverse-Angeboten die logische Konsequenz eines antirassistischen und antikolonialistischen Partnerschaftsgedankens.

Stand: Januar 2014

Luis Toapanta, Ecuador

Reverse-Dienst im Erzbistum München und Freising 2012/13

„… obwohl wir viele Unterschiede haben,
einen uns viele Dinge, wie zum Beispiel
die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Leute
und das vielleicht Wichtigste:
der Glaube an Gott.“

„Ich glaube, alles, was ich hier kennen lernen durfte,
hat wirklich mein Leben verändert, ist
eine total neue Erfahrung und zugleich
bereichernd für mein Land und für mich persönlich.“

„Als ich hierher kam,
kannte ich nicht viel von hier,
aber wenn ich wieder nach Ecuador zurückkehren muss,
wird mein Herz mit Sicherheit
zweigeteilt sein, wegen all der Dinge,
die ich hier erleben und lernen durfte.
Ich bin ein Glückspilz, weil ich die Möglichkeit hatte,
dieses schöne Land kennen lernen zu dürfen.“

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© Sebastian Bugl, Fachbereich Internationale Partnerschaftsarbeit München-Freising