Einmal Berlin und zurück

  • Reverse-Dienste - 25.02.2014

Am 20. Februar war es so weit: Bundesminister Dr. Gerd Müller gab offiziell den Start frei für den Süd-Nord-Austausch , die neue Komponente des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts. Junge Menschen aus Entwicklungs- und Schwellenländern sollen somit die Möglichkeit erhalten, einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) zu leisten, hier Erfahrungen zu sammeln und Deutschland kennenzulernen.

Im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Berlin waren 13 junge Menschen aus Kamerun, Mosambik, Mexiko, Kolumbien, Chile und Bolivien anwesend, die ihren BFD bereits angetreten haben. Darunter waren auch Claris Nkfunji und Sandrine Tanlaka, unsere beiden Freiwilligen aus Kumbo, Kamerun .

Dass Partnerschaft keine Einbahnstraße und der Weg des Austauschs in beide Richtungen offen sein soll, das Streben wir im Bistum Limburg schon lange an. Nun geht dieser lange gehegte Wunsch auch auf Bundesebene in Erfüllung. „Die Partner weltweit, die deutschen Freiwilligen, die über weltwärts einen Freiwilligendienst geleistet haben und auch die Entsendeorganisationen hatten sich seit geraumer Zeit gewünscht, auch junge Menschen aus anderen Ländern hier in Deutschland empfangen zu können“, so Jan Wenzel vom Verein entwicklungspolitischer Austauschorganisationen (Ventao.) Dass wir „uns partnerschaftlich begegnen und voneinander lernen (wollen)“ unterstrich dann auch Minister Müller in seiner Rede.

Sandrine und Claris waren zum ersten Mal in Berlin. Bistum Limburg

Weltwärts folgt dem entwicklungspolitischen Bildungsauftrag der Bundesregierung. Der Freiwilligendienst wurde 2008 vom BMZ ins Leben gerufen. Seitdem sammeln jährlich mehr als 3.000 junge Menschen im Alter zwischen 18 und 28 Jahren Praxiserfahrungen in so genannten Entwicklungs- und Schwellenländern – und zukünftig auch in den Industrieländern.

Eine Premiere für Sandrine und Claris

Sandrine Tanlaka und Claris Nkfunji sind seit Ende November bei uns im Bistum Limburg. Sandrine leistet ihren BFD im Katholischen Kindergarten in Eschhofen, während Claris im Katholischen Kindergarten in Wiesbaden (St. Bonifatius) mitarbeitet. In Berlin waren die beiden zum ersten Mal. Und dementsprechend staunend standen sie vielen Dingen in der Hauptstadt gegenüber. „Ich habe immer von Berlin im Geschichtsunterricht gehört. Ich habe mir aber nie träumen lassen, dass ich einmal hier sein werde. Es ist eine so große und faszinierende Stadt“, sagte Claris.

„Viele Menschen nehmen gar nicht wahr, dass der Kontinent Afrika ganz viele unterschiedliche Kulturen und Länder hat. Da kann ich den Menschen hier noch einiges von meinem Heimatkontinent erzählen.“

— Sandrine Tanlaka, Reverse-Freiwillige aus Kamerun
Sandrine mit Bundesminister Gerd Müller. Bistum Limburg

Sandrine nahm sogar an der Podiumsdiskussion mit Entwicklungsminister Müller im BMZ teil und machte neben ihm eine richtig gute Figur. „Viele Menschen nehmen gar nicht wahr, dass der Kontinent Afrika ganz viele unterschiedliche Kulturen und Länder hat. Da kann ich den Menschen hier noch einiges von meinem Heimatkontinent erzählen.“ Auf die Frage, was sie an Deutschland schätzt und was sie den Menschen zu Hause in Kamerun erzählen würde, sagt Sandrine ganz klar: „Es hat mich überrascht, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland ganz selbstverständlich Zugang zu Bildung erhalten. Zu Hause ist das anders. Ohne Bildung wird es keine Entwicklung geben, das werde ich den Menschen zu Hause in Kumbo und Kamerun sagen. Und ich kann nur hoffen und beten, dass sich dort dann etwas ändern wird.“

In Berlin waren Claris und Sandrine nicht die einzigen Reverse-Freiwilligen . Sie haben sich mit einer Gruppe Freiwilliger aus Bolivien getroffen, die derzeit ihren BFD im Bistum Trier leisten. Sie waren sich einig, dass sie sich nochmal wiedertreffen sollten, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Da wird sie auf einmal ganz greifbar, die Weltkirche hier in Deutschland und bei uns im Bistum.

Von Vanessa Treike

Zur Person

Vanessa Treike leitet das Referat Partnerschaften und Dialog in der Abteilung Weltkirche im Bistum Limburg. Mehr über die Bistumspartnerschaft zwischen Limburg und Kumbo erfahren Sie hier:

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