„Sternsinger verändern die Welt“

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  • Aktion Dreikönigssingen 2014

Zum 56. Mal werden rund um den 6. Januar 2014 bundesweit die Sternsinger unterwegs sein. Im Interview spricht Pfarrer Simon Rapp, Bundespräses des BDKJ, über Flucht, Jugendarbeit und die Zukunft des Sternsingens.

Frage: Das Thema Flucht steht im Mittelpunkt der 56. Aktion Dreikönigssingen. Woran denken Sie dabei?

Rapp: Ich denke vor allem an die Menschen, die auf der Flucht sind. Weltweit müssen Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten fliehen. Sie lassen alles zurück, was ihnen Halt gegeben hat, und müssen sich auf völlig Neues, Unbekanntes, nicht selten auch Gefährliches einlassen. Wenn sie Glück haben, kommen sie in einem der vielen Flüchtlingslager an. Traurig und aktuell sind die vielen Tausend Flüchtlinge, die Syrien verlassen, weil sie Angst um ihr Leben haben. Flucht ist für mich also ein schockierendes Thema. Wir kommen mit diesen Schicksalen oft nur in Berührung, wenn wir wieder über Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer informiert werden – ganz kurz, als vorletzte Nachricht vor dem Wetter. Mit der diesjährigen Aktion Dreikönigssingen wollen wir die Schicksale in den Blick nehmen, die Ursachen, die Folgen, die Nöte.

Frage: Und bei den Ursachen, die Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat zwingen, wollen Sie ansetzen?

Im „wilden“ Flüchtlingslager von Damhamieh ( Bekaa-Tal, Libanon) haben sich 100 syrische Flüchtlingsfamilien aus Homs am Rande eines Neubaugebietes niedergelassen. Caritas international

Rapp: Es wäre gut, wenn wir direkt bei den Ursachen ansetzen könnten, aber diese sind zu vielfältig, zu kompliziert. Oft geht es um Macht kämpfende Gruppierungen eines Landes oder einer Region, die ihre Auseinandersetzung auf dem Rücken der Bevölkerung austragen. Deren Schicksale kommen kaum bis in die öffentliche Wahrnehmung, sondern meist nur die kleinen und großen Siege der kämpfenden Truppen. Die Menschen, die Kinder, gehen dabei unter. Deswegen stehen sie im Mittelpunkt unserer Kampagne.

Frage: Für den BDKJ ist Sternsingen vor allem ein Ausdruck kirchlichen Jugend-Engagements. Warum?

Rapp: Sternsingen ist für uns nicht Aktionismus oder fromme Folklore, es ist ein wichtiger Teil von Jugendarbeit in der Kirche. Im Vordergrund steht, dass junge Menschen – auch in dieser Aktion – ihre Persönlichkeit entwickeln können, sich ausprobieren und etwas für sich mitnehmen. Gleichzeitig geht es uns darum, das Aktiv-Sein mit dem Inhalt zusammen zu bringen, also um das Ziel dahinter: sich mit der Situation Gleichaltriger auseinander zu setzen und deshalb zu handeln. Außerdem geben Kinder und Jugendliche an den Haustüren Zeugnis von ihrem Glauben, wenn sie sich als Sternsingerinnen und Sternsinger engagieren. Insgesamt ist die Aktion Dreikönigssingen die größte, regelmäßige, jährliche Aktion kirchlicher Jugendarbeit in Deutschland. Und dass wir im BDKJ mit unseren Jugendverbänden dafür die Verantwortung mittragen, macht mich durchaus stolz.

Frage: Weniger Kinder und Katholiken in Deutschland: Wie sehen Sie angesichts von demographischer Entwicklung und Kirchenkrise die Zukunft der Aktion?

Rapp: Das sind zentrale Herausforderungen für die Aktion. Rein rechnerisch wird es zukünftig eher an Kindern und Jugendlichen mangeln, als an Menschen, die uns mit einer Spende unterstützen wollen. Für die Aktion spricht, dass es bei den Leuten, die mitmachen, eine extrem hohe Bereitschaft gibt, sich einzusetzen. Das merken wir tagtäglich in der Jugendarbeit, auch in den Jugendfreiwilligendiensten. Darüber hinaus gibt es eine hohe Identifikation mit der Aktion. Die Ansprache neuer Zielgruppen, Veränderung von Abläufen: Darüber machen wir uns derzeit viele Gedanken. Gleichwohl bin ich schon heute überzeugt, dass auch 2050 noch Sternsinger von Haus zu Haus gehen werden. Weil es eine tolle Aktion ist.

Frage: Wie lautet Ihr Statement zur kommenden Aktion?

Rapp: Sternsinger sind die größte, regelmäßige Jugendaktion der katholischen Kirche. Und Sternsinger verändern die Welt. Sie geben mit ihrem Einsatz Hoffnung, nicht nur Flüchtlingskindern, sondern vielen Kindern in Not.

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