Menschen mit Behinderung in Osteuropa

  • Renovabis-Pfingstaktion 2013

Im Themenheft der diesjährigen Pfingstaktion stellt Renovabis die Frage, wie Menschen mit Behinderung in den Ländern Osteuropas leben – und die Renovabis-Partner lieferten Antworten. Drei Einschätzungen aus Albanien, der Ukraine und Tschechien:

Albanien

In Albanien leben nach offiziellen Angaben rund 140.000 Menschen mit Behinderungen. Kirchliche Stellen bekunden: „Die Situation für behinderte Menschen in dem südosteuropäischen Staat ist häufig sehr schwierig.“

Schule

Die Bildungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen werden von den Renovabis-Partnern am meisten bemängelt. So nähmen nur rund zwei Prozent der Menschen mit Behinderungen über 15 Jahren am Schulunterricht teil und besuchten eine weiterführende Schule. Rund 25 Prozent der behinderten Menschen hätten überhaupt keinen Schulunterricht besucht.

In der integrativen Schule in Pllane/Albanien verständigen sich nicht nur die gehörlosen Schülerinnen und Schüler untereinander mit der Zeichensprache, sondern auch die hörenden Kinder erlernen das Zeichenalphabet. Bauerdick/Renovabis

Arbeitsmarkt

Trotz der Verabschiedung eines Gesetzestextes im Jahr 1995 zur Verbesserung der Arbeitssituation von Menschen mit Behinderungen habe sich kaum etwas verbessert. Die gesetzliche Vorgabe einer Behinderten-Quote von vier Prozent stehe lediglich auf dem Papier. Es seien bislang keine wirksamen Mittel eingeführt worden, um dies zu kontrollieren und tatsächlich einzufordern.

Gesellschaft

Am gesellschaftlichen Leben könnten behinderte Menschen kaum teilnehmen. Zum einen seien die meisten – auch öffentlichen – Gebäude nicht barrierefrei und zum anderen sei die gesellschaftliche Wahrnehmung und Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen immer noch problematisch.

Ukraine

Laut offiziellen Angaben gibt es rund 2,6 Millionen Menschen mit Behinderungen in der Ukraine, das entspricht rund sechs Prozent der Bevölkerung.

Schule

Trotz der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention gebe es zahlreiche Schwierigkeiten für behinderte Kinder, vor allem aber für behinderte Jugendliche, die Schule zu besuchen. Es gebe zwar spezielle Internatsschulen und Rehabilitationszentren; allerdings seien diese meist nicht inklusiv angelegt und es mangele oft an finanziellen Mitteln. Sobald die Jugendlichen das Erwachsenenalter erreichten, fielen sie aus den staatlichen Unterstützungsprogrammen heraus.

Arbeitsmarkt

In der Praxis hätten die Gesetzesvorgaben durch die UN-Konvention auch in der Ukraine kaum Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt gebracht. „Diese Gesetze werden selten angewendet und die Menschen mit Behinderungen sind immer noch von vielen Bereichen ausgeschlossen.“ (Caritas Ukraine)

In Lemberg in der Ukraine haben sich Eltern von autistischen Kindern in der Initiative „Offenes Herz“ zusammengeschlossen. Die Organisation ist Anlaufstelle für Eltern und hilft bei der Diagnose, bietet Beratung und Betreuung an. Soster/Renovabis

Gesellschaft

Es haben sich in den vergangenen Jahren viele Nichtregierungsorganisationen gegründet, die sich um die Anliegen behinderter Menschen kümmern. Es gibt auch ernsthafte Bemühungen der staatlichen Stellen vor allem im Bereich Pflege und Betreuung von behinderten Menschen. Grundsätzlich hat eine gesellschaftliche Öffnung für die Anliegen und Bedürfnisse von behinderten Menschen stattgefunden, sind sich die Caritasvertreter einig.

„Die Menschen mit Behinderungen sind immer noch von vielen Bereichen ausgeschlossen.“

Tschechien

In Tschechien leben rund 900.000 Menschen mit Behinderungen. Die Angaben unterscheiden sich hier je nach Kriterium und Erhebungsverfahren.

Bildung

„Inklusiver Unterricht ist mehr ein Mythos als eine Realität in der Tschechischen Republik“, so lautet das Urteil in einem Bericht von zahlreichen Behindertenverbänden. Obwohl es Verbesserungen gegeben habe, kämen diese nicht allen behinderten Menschen gleichermaßen zu Gute. Die Ausrichtung der Unterstützung im Bildungsbereich orientiere sich noch immer stark an der Behinderung und nicht an den Bedürfnissen.

„Inklusiver Unterricht ist mehr ein Mythos als eine Realität in der Tschechischen Republik.“

Arbeitsmarkt

Es gebe zwar auch in Tschechien gesetzliche Bestimmungen, dass ein Arbeitgeber auch behinderte Menschen einstellen müsse. Doch die Quote von vier Prozent werde meist über die gesetzlichen Alternativen einer geringen Abgabe umgangen. Die Eingliederungsmaßnahmen für behinderte Menschen auf dem Arbeitsmarkt müssten konsequenter umgesetzt werden, damit sich die Situation verbessern könne.

Gesellschaft

Es gebe nach wie vor einige Schwierigkeiten, besonders was die finanzielle Unterstützung von behinderten Menschen angehe. Insgesamt aber habe sich in den vergangenen Jahren einiges zum Besseren gewendet: „Behinderte Menschen werden als gleichwertige Menschen anerkannt, die einen wichtigen Platz in unserer Gesellschaft haben.“ (Caritas Brno/Brünn)

Einen Überblick über alle Antworten der Renovabis-Partner finden Sie im Themenheft zur Pfingstaktion 2013.

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