Kleinbauern im Kampf gegen Klimawandel und Hunger

  • Misereor-Fastenaktion 2013

Sentu Kumar Hajong steht in seinem Reisfeld und schneidet mit der Sichel büschelweise Halme ab. Es ist zu heiß und trocken für diese Jahreszeit, der Monsun sollte längst die Felder überschwemmen. Ganz Bangladesch leidet unter dem Klimawandel. Die Reisernte von Hajong fällt mager aus, und die nächste Reissaat kann wegen der Trockenheit noch nicht gepflanzt werden.

Da viele Bauern in den 1960er Jahren den Versprechungen der Regierung geglaubt und sich darauf eingelassen haben, Reis in Monokultur anzubauen und Saatgut, Kunstdünger und Pestizide von Großkonzernen zu kaufen, trifft sie dies besonders hart. Das Wissen über traditionellen Mischanbau und lokale Reissorten, das ihnen die Eltern weitergaben, war plötzlich nichts mehr wert. Durch den Anbau dieser Hochertragssorten verloren sie ihr Saatgut und damit auch ihre Unabhängigkeit. Heute sind die Böden ausgelaugt und bringen nicht mehr genügend Ertrag, um alle Menschen zu ernähren.

Neben Reis bauen die Kleinbauern auch wieder Obst, Gemüse und Gewürze an. Harms/Misereor

Kampf gegen den Klimawandel

Die Misereor-Partnerorganisation Caritas Bangladesch unterstützt die Kleinbauern und ihre Familien im Kampf gegen den Klimawandel und hilft ihnen bei der Umstellung auf eine biologische Landwirtschaft. Hajong lebt mit seiner Familie in Chatkia, einem 400-Einwohner-Dorf im Norden des Landes. Er versucht seit kurzem sein Glück als Biobauer. Gelernt hat er die nachhaltige Landwirtschaft in Projekten der Caritas.

In Workshops und Seminaren zeigen die Mitarbeitern den Kleinbauern, wie sie Reis selber züchten und anbauen können, und dass sie das Saatgut auch ohne Strom und Kühlschränke in Tontöpfen konservieren können, so dass es nicht verdirbt. Heute pflanzen sie über 100 lokale Reissorten an, die viel robuster sind als moderne Hochertragssorten und das Risiko streuen: Ist eine Sorte von Schädlingen befallen, fällt nicht gleich die ganze Ernte aus. Die Bauern tauschen das Saatgut untereinander und kreuzen traditionelle Sorten miteinander. So können sie auch eigene Sorten züchten. Dünger und Pestizide stellen sie selbst aus organischen Abfällen her. Damit sparen sie eine Menge Geld und verzichten auf schädliche Chemikalien. Neben Reis bauen sie auch wieder Obst, Gemüse und Gewürze an und produzieren ihren eigenen Honig.

Die Mitarbeiter von BARCIK und Caritas organisieren mit den Bäuerinnen und Bauern Treffen und Fortbildungen, bei denen sie ihr Wissen miteinander teilen und ausbauen können. Harms/Misereor

Sensibilisierung von Jugendlichen für den Umweltschutz

Auch die Nichtregierungsorganisation Bangladesh Resource Centre for Indigenous Knowledge (BARCIK) arbeitet mit Kleinbauern im Norden Bangladeschs. Die Arbeit mit Jugendlichen ist ein besonderer Schwerpunkt der Organisation. So gehen BARCIK-Mitarbeiter in Schulen und diskutieren mit Jugendlichen über Umweltthemen. Im vergangenen Jahr haben die jungen Leute beispielsweise einen „Wassertag“ organisiert, bei dem das Sinken des Grundwasserspiegels und seine Folgen im Mittelpunkt standen. Andere Jugendliche haben mit Hilfe von BARCIK ein „Katastrophen-Management-Komitee“ gegründet. Diese Lobbygruppe sucht den Kontakt zu Lokalpolitikern und will sie davon überzeugen, sich für die Umwelt einzusetzen.

Da viele Jugendliche auf dem Land nicht regelmäßig zur Schule gehen, organisiert BARCIK jährlich ein Klimacamp. Die Auswirkungen des Klimawandels in der ganzen Welt können die Jugendlichen hier durch Fotos und Dokumentarfilme sehen und anschließend über ihre eigene Umwelt und deren Lebensbedingungen diskutieren. Durch das Engagement von BARCIK und Caritas lernen die Menschen, dass ihre Umwelt ihr kostbarstes Gut ist, das sie bewahren müssen. „Geht diese Biodiversität verloren, können unsere Kinder und die nachfolgenden Generationen hier nicht überleben“, sagt Alam Touhidul, Programmkoordinator von BARCIK.

© Misereor