„Wir möchten etwas zurückgeben“

  • Weltjugendtag

Manche ihrer Freunde erklärten sie für verrückt. Andere gratulierten ihr zu dem Entschluss, den Fabiola Huguenin Goulart letzten Sommer gefasst hat: Gemeint ist nicht ihre Hochzeit, die zu dem Zeitpunkt gerade einmal einen Monat zurücklag. Die Brasilianerin Fabiola und ihr frischgebackener Ehemann entschlossen sich, ihre Flitterwochen in Krakau zu verbringen. Und zwar nicht klassisch zwei Wochen lang, sondern gleich für ein ganzes Jahr.

Seit Sommer 2015 ist die 29-Jährige mit ihrem Mann nun dort, um als Freiwillige im  Organisationsbüro den Weltjugendtag 2016 vorzubereiten. „Die Zweifler sagten, ihr müsst verrückt sein: So alles zurück zu lassen und nach Polen zu gehen. Ein anderes Land, mit unbekannter Sprache und ohne eine Menschenseele zu kennen“, erinnert sich Fabiola und lacht dabei.

Denn innerhalb kürzester Zeit hatten sie erste Freunde gefunden und sich auch an Klima und Leute gewöhnt. „Die Menschen sind hier ruhiger und sprechen weniger mit den Händen“, sagt die junge Frau. „Das ist eine sehr gute Erfahrung fürs Leben“, sagt Fabiola. Gerade für sie als Journalistin ergäben sich viele neue Erkenntnisse. Ihre Beweggründe, für ein Jahr in Krakau zu leben und als Freiwillige zu arbeiten, sind eng mit dem Weltjugendtag verbunden. Beim WJT 2013 in Rio hat sie ihren heutigen Mann kennengelernt. In dieser Zeit habe sie viele intensive Bekanntschaften mit Gleichgesinnten gemacht und neue Freunde gefunden. „Unsere Familie wurde damals beim WJT quasi geboren. Und deshalb möchten wir etwas zurückgeben“, erklärt sie.

Heute steht sie dem WJT-Organisationsbüro als Portugiesisch-Übersetzerin zur Verfügung, während ihr Mann als Grafiker bei der Gestaltung der Flyer und Infoblätter mithilft. Die junge Familie verdient sich von Polen aus als Selbstständige auch bei brasilianischen Kunden noch etwas dazu. Alles in allem leben sie das Jahr über bescheiden in einem Wohnheim mit Freiwilligen aus anderen Ländern. Über ihre Zukunft nach dem großen Jugendtreffen in Krakau macht sich Fabiola wenig Sorgen. „Wir schauen optimistisch in die Zukunft“, sagt sie. Wenn es in Polen keine Aufgabe für sie und ihren Mann mehr gibt, dann gehen sie zurück nach Brasilien, „und dann erzählen wir allen davon, was wir hier erlebt haben“. Für verrückt werde sie wohl niemand mehr erklären, „sondern wohl eher für erfahren“, lacht sie.

Von Markus Nowak

© Renovabis

Jung, dynamisch, chancenlos? Unter diesem Motto stellt die Renovabis-Pfingstaktion 2016 die Situation von Jugendlichen in Osteuropa in den Mittelpunkt. Mehr Informationen finden Sie in unserem Dossier.

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