„Hoffnung im Glauben trotz Skepsis und Unsicherheit“

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Entscheidend für die Entwicklung junger Menschen sind die konkreten politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen ihres Heimatlandes. Wenn man auf die gegenwärtige Situation unseres Kontinents blickt, ist ernüchternd festzustellen: Überall herrschen Unsicherheiten und Ängste – kurz: Symptome einer schweren Krise. Haben schon die Finanz- und Wirtschaftskrise vor wenigen Jahren besonders Mittel-, Ost- und Südosteuropa getroffen, so gilt dies noch mehr für das Flüchtlingsdrama, das sich vor unseren Augen abspielt. Neue Grenzen tun sich auf, neue Belastungen kommen auf viele Staaten zu, die im Vergleich zu Deutschland, das allmählich an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit stößt, wesentlich schlechter dastehen.

All das erschwert die gedeihliche Entfaltung jugendlichen Lebens gerade auch im Osten und Südosten Europas. Ein großer Teil der Heranwachsenden ist zudem unzufrieden mit dem Zustand der Demokratie; andererseits ist die Bereitschaft, sich in Gesellschaft und Politik zu engagieren, sehr gering. Diese Einstellungen werden durch die erhebliche Jugendarbeitslosigkeit und die grundsätzlich prekären Arbeitsverhältnisse bis hin zur schieren Armut noch verstärkt. So verwundert es nicht, wenn viele vorübergehend oder dauerhaft ihre Heimat verlassen, um beruflich und privat eine Zukunft im Westteil Europas zu suchen.

Kann man den jungen Menschen einen Vorwurf machen? Sicher nicht, denn es ist das gute Recht der Jugend, unzufrieden mit dem Bestehenden zu sein und eigene Wege zur Erfüllung ihres Lebenstraums zu finden. Hier kommt nun auch der Glaube ins Spiel, denn er ist es doch letztlich, der über Durststrecken hinweg und in Krisensituationen zu helfen vermag. Sicher, das klingt zunächst wie ein billiger Trost, aber die Kirchen unterstützen tatsächlich mit oft geringen Mitteln, aber großem Engagement vieler Einzelner die Jugendlichen in den Ländern selber – nicht zuletzt auch mit dem Ziel, sie dort zu halten, damit sie in der Heimat ihren Weg gehen und die Gesellschaft vor Ort mitgestalten. Der Glaube an Jesus Christus trägt über viele Hindernisse hinweg und wird noch manifester, wenn der Einzelne sich als Teil einer großen Gemeinschaft von Glaubenden versteht – wer glaubt, ist nie allein!

An dieser Stelle kommt für mich auch der Weltjugendtag in den Blick, der vom 26. bis 31. Juli 2016 in Krakau stattfinden wird. Die Zusammenhalt stiftende und zum Handeln ermutigende Kraft, die vom gemeinsamen Glauben ausgeht, wird dort besonders erfahren werden können. Gerne erinnere ich mich an den Weltjugendtag in Köln 2005, den ich mitorganisieren durfte: Er war bereichernd für uns alle, und viele Kontakte zu den damaligen Jugendlichen bestehen bis heute. Ich bin sicher, dass auch in Krakau dieser Geist wieder lebendig sein wird, den der Begründer der Weltjugendtage, der heilige Papst Johannes Paul II., gestiftet hat – der Papst aus Polen, ohne dessen Wirken Unfreiheit und Spaltung in Europa nicht hätten überwunden werden können. Sein unerschütterlicher Glaube an Jesus Christus kann jungen Menschen auch in den heutigen bewegten Zeiten ein Vorbild sein.

Von Erzbischof Dr. Heiner Koch, Renovabis-Trägerkreisvorsitzender

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Jung, dynamisch, chancenlos? Unter diesem Motto stellt die Renovabis-Pfingstaktion 2016 die Situation von Jugendlichen in Osteuropa in den Mittelpunkt. Mehr Informationen finden Sie in unserem Dossier.

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