Mit Feuer im Herzen – katholisch sein auf Island

  • Diaspora-Aktion 2018

Auf Island leben 13.000 Katholiken – sie alle leben ihren Glauben in einer absoluten Minderheitensituation. Eine Reportage von Theresa Meier.

Tassengeklimper, eine angenehme Geräuschkulisse und ein wohliger Duft von Kaffee und frischem Gebäck erfüllen das Gemeindezentrum Landakot im Norden von Reykjavík. Eine Szenerie, die sich dort jeden Sonntag nach dem Gottesdienst in der katholischen Christ-König-Kathedrale abspielt. Das Kirchencafé ist fester Bestandteil des Gemeindelebens in der isländischen Hauptstadt, das unter Kennern auch als 8. Sakrament bezeichnet wird. Hier treffen sich Jung und Alt, Isländer, Deutsche, Filipinos, Litauer und Polen. Die Gemeinde ist jung, lebendig und international. Ein Sinnbild für die katholische Kirche, die sich auf Island in einer Minderheitensituation wiederfindet.

Von den rund 350.000 Einwohnern der Insel sind aktuell 13.000 Katholiken registriert. Für die Gläubigen stehen insgesamt 13 Priester zur Verfügung. Darunter befindet sich jedoch kein Isländer. Eine besondere Situation, „denn so spiegelt sich die Internationalität nicht nur unter den Gemeindemitgliedern, sondern auch bei den Geistlichen wider“, verdeutlicht Kanzler Séra Jakob Rolland aus dem Bistum Reykjavík.

Kirchencafé im Gemeindezentrum Landakot mit Generalvikar Breen.

Theresa Meier/Bonifatiuswerk

Isländisch zu lernen ist für viele polnische und slowakische Priester keine Selbstverständlichkeit. Sie richten die Aufmerksamkeit auf ihre Landsleute und zelebrieren die Messen in ihrer jeweiligen Sprache. Dass sie gut besucht sind, steht außer Frage. Da reicht der Platz in der Christ-König-Kathedrale bei einer polnischen Messe nicht aus. Einige Gläubige feiern den Gottesdienst vor der Tür mit, sei es auch noch so kalt und stürmisch.

„Doch wir möchten, dass die Gemeinde zusammenwächst, dass sich die Polen integrieren, sowohl in der isländischen Gesellschaft als auch unter den 2.800 registrierten isländischen Katholiken, denn es ist auch eine enorme Chance für uns. Sie bringen eine äußerliche Frömmigkeit mit, die auch die Isländer fasziniert und anzieht“, bekräftigt Séra Jakob. Doch damit dies funktioniere, sei es erforderlich, die isländische Sprache zu erlernen.

Unabhängig davon ist es für die wachsende katholische Gemeinschaft immer wieder herausfordernd, ihren Glauben angemessen zu leben, denn obwohl Island sich zu einem wohlhabenden Staat entwickelt hat, ist die katholische Kirche materiell arm. „Da reichen auch die 90 Euro, die der Staat jedem registrierten Katholiken pro Jahr zu Verfügung stellt, nicht aus“, gibt Séra Jakob zu bedenken. Mit Blick auf den Unterhalt der Kirchen, Kapellen, Pfarrhäuser und Klöster entstehen hohe Kosten, denn auf Island setzen besonders die Witterungsverhältnisse den Gebäuden zu.

Sr. Sabiduria und Sr. Birhen Ng Ngiti (v.l.).

Theresa Meier/Bonifatiuswerk

Umso wichtiger und notwendiger ist daher die Unterstützung des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken, das den katholischen Christen auf der Insel im Nordatlantik seit 1974 helfend zur Seite steht. Sei es mit BONI-Bussen, um die weiten Strecken zum nächsten Gottesdienst oder zum Kommunionunterricht zurückzulegen oder bei der Anschaffung von Materialien für die Katechese, die zum Beispiel die Schwestern vom Orden „Die Dienerinnen unseres Herrn und der Jungfrau Maria von Matará“, auch bekannt als die „Blauen Schwestern“ in Stykkishólmur dringend benötigten. „Es ist uns ein großes Anliegen, dass die Kinder schon von klein auf in ihrem Glauben gestärkt werden. So müssen wir auch alle Möglichkeiten nutzen, um sie zu erreichen, denn auf dem Stundenplan in der Schule ist ein entsprechender Religionsunterricht kein Thema“, erzählt die 33-jährige Missionsschwester Sabiduria.

Einen Ort für ihre Katechesearbeit finden die gebürtige Argentinierin und ihre philippinische Mitschwester Birhen Ng Ngiti im grundlegend saniertem Exerzitien-, Bildungs- und Gästehaus „Fransiskus Hotel“, in dem auch ihr Konvent untergebracht ist. Dort gibt es  neben Priesterwohnungen und Gästezimmern einen funktional ausgestatteten Unterrichtsraum mit Lehrbüchern, Spielen und Heiligenbildern an den Wänden.

Dossier

Christus bezeugen gehört zum Kern des christlichen Glaubens. Um dies deutlich zu machen, hat das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken in diesem Jahr das Leitwort „Unsere Identität: Christus bezeugen“ für die bundesweite Diaspora-Aktion gewählt.


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Das „Fransiskus Hotel“ wurde mit fast zwei Millionen Euro vom Bonifatiuswerk und dem Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe finanziert.  Es ist das einzige Haus dieser Art, das wie ein Leuchtturm in die isländische Diaspora strahlt. Zwischen der hauseigenen Gemeindekirche und dem nächstgelegenen katholischen Gotteshaus, dem Dom von Reykjavík, liegen 170 Kilometer.  „So ist das Gebäude ein bedeutendes Zentrum des Glaubens, das als Ort der Begegnung und des Austausches für die Katholiken in Island dient. Darüber hinaus trägt es eine große missionarische Chance in sich, denn Gäste aus aller Welt kommen hier mit dem Glauben und der katholischen Kirche in Berührung“, erklärt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen.

Diese missionarische Chance wird in einer lebendigen und leidenschaftlichen Art von Schwester Sabidura verkörpert. Wenn es das Wetter auf Island mal wieder nicht zulässt, mit den Kindern vor Ort zu arbeiten, dann wird kurzerhand der Computer genutzt und ganz unkompliziert per Skype unterrichtet, auch wenn ihr auf der anderen Bildschirmseite nur ein oder zwei Kinder gegenübersitzen. „Bevor ich 2013 nach Island gekommen bin, war ich in Tansania tätig. Dort habe ich mit sehr vielen Kindern in der Katechese gearbeitet und hier ist es nur eine Handvoll. Da habe ich nicht gesagt: ‚Das mache ich nicht‘. Nein, genau dafür bin ich hier, das ist mein Auftrag“, sagt die junge Argentinierin voller Überzeugung.  Diese besonderen Bedingungen, die auf Island herrschen, bestärken die Ordensschwester in ihrem Handeln und Wirken.

So kommt es auch vor, dass sie abends in einem Restaurant in Stykkishólmur spontan ihre Gitarre auspackt und Lieder zu Ehren der Jungfrau Maria singt. Vom Glauben überzeugen, und das auf eine offene und unkomplizierte Art. Mit ihrem argentinischen Temperament und dem Feuer im Herzen wird sie auch zukünftig auf dieser steinigen und rauen Insel die Liebe zu Jesus Christus versprühen.

Von Theresa Meier

© Bonifatiuswerk