„Die Zukunft unserer Erde geht uns alle an!“

  • Aktions Dreikönigssingen

Zum 59. Mal werden rund um den 6. Januar 2017 bundesweit die Sternsinger unterwegs sein. „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit!“ heißt das Leitwort der aktuellen Aktion Dreikönigssingen, bei der in allen 27 deutschen Bistümern wieder Kinder und Jugendliche in den Gewändern der Heiligen Drei Könige von Tür zu Tür ziehen werden. Beispielland ist Kenia, im Fokus diesmal: Der Klimawandel und die Bewahrung von Gottes Schöpfung. Im Interview erklärt Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks ,Die Sternsinger‘, unter anderem die Hintergründe zum aktuellen Aktionsthema und zum Beispielland.

Frage: Bei der 59. Aktion Dreikönigssingen heißt das Leitwort: Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit! – Warum dieser thematische Schwerpunkt?

Krämer: Unsere Erde ist durch den Klimawandel bedroht, nicht erst seit heute oder gestern. Am härtesten sind von den Folgen die Menschen betroffen, die am wenigsten zu dessen Ursachen beitragen. Dazu gehören auch die Menschen in Kenia, aber auch in vielen anderen Teilen unserer Erde. Die Bewahrung von Gottes Schöpfung ist christlicher Auftrag. Grund genug für uns, diese Aufgabe in den Fokus der Aktion Dreikönigssingen 2017 zu nehmen. Das Beispielland der kommenden Aktion ist Kenia, genauer gesagt die Region Turkana im Nordwesten des Landes.

Frage: Warum diese Region im Nordwesten Kenias?

Krämer: Weil in dieser abgelegenen Gegend die Folgen des Klimawandels besonders gut sichtbar sind, zum Leidwesen der Menschen, die dort leben. In der Turkana ist die gewohnte Abfolge der Trocken- und Regenzeiten deutlich gestört, seit Jahren hat es dort kaum geregnet. So fanden Viehhirten früher auch in der Trockenzeit Wasserstellen für ihre Ziegen und Kamele, heute müssen sie immer weitere Wege zurücklegen. Im großen Turkana-See zum Beispiel fingen die Menschen noch vor Jahren Fische, heute versalzt der See zunehmend und trocknet aus.

Seit Jahren hat es kaum geregnet: In der Turkana in Kenia sind die Folgen des Klimawandels besonders sichtbar.

Flitner/Kindermissionswerk

Unsere Erde braucht Hilfe, und diese muss von uns Menschen kommen. Die Turkana haben wenige Möglichkeiten, auf den Klimawandel Einfluss zu nehmen. Aber wir können das tun, indem wir umdenken, unseren Lebenswandel immer wieder überprüfen und ökologischer denken und handeln. Jeder kann seinen Teil dazu beisteuern. Durch das diesjährige Motto möchten wir gemeinsam mit den Sternsingern dafür sensibilisieren.

Frage: Das Thema „Klimawandel“ ist ein höchst politisches Thema. Kann und darf sich eine Aktion von Kindern und für Kinder eigentlich einem solchen Thema widmen? Oder anders gefragt: Wie politisch ist die Sternsingeraktion?

Krämer: Wenn die Sternsinger unterwegs zu den Menschen sind und dabei auch die Botschaft verbreiten, wie wichtig ein sorgsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen ist, dann ist das eine lebendige und auch altersgerechte Form von Politik. Im Kindermissionswerk verstehen wir uns als Anwälte für Kinder in aller Welt, also müssen wir auch unsere Stimme erheben, wenn es darum geht, die Lebensgrundlagen von Mädchen und Jungen überall auf dem Globus zu sichern. 2015 haben wir zur Weltklimakonferenz gemeinsam mit anderen Religionsvertretern deutlich unsere Stimme erhoben. Unsere Kernforderungen: Ein rechtlich verbindliches und faires Klimaabkommen muss her, gerechte und dauerhafte Klimaschutzmaßnahmen sind zwingend notwendig sowie eine deutliche Erhöhung der Finanzmittel für den Klimaschutz ist erforderlich. Die Forderungen nach geeigneten Maßnahmen zur Erlangung der Klimaziele adressieren wir auch weiterhin an die politisch Verantwortlichen in Deutschland und in aller Welt. Wir lassen da nicht locker, denn die Zukunft unserer Erde geht uns schließlich alle an!

Frage: Im aktuellen Motto ist von „Gottes Schöpfung“ die Rede – ein Begriff aus dem christlichen Glauben. Inwieweit sind damit auch Menschen anderer Religionen angesprochen?

Krämer: Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika „Laudato si – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ folgendes gesagt: ‚Alle können wir als Werkzeuge Gottes an der Bewahrung der Schöpfung mitarbeiten, ein jeder von seiner Kultur, seiner Erfahrung, seinen Initiativen und seinen Fähigkeiten aus.‘  Ich denke, damit wird klar, dass dieses ‚alle‘ sich an jeden Menschen richtet, über jede Religionszugehörigkeit hinweg. Gerade Papst Franziskus lebt uns vor, wie man aus dem Glauben heraus politisch aktiv werden kann, die brennenden Themen aufgreifen muss und wie man sich auf dieser Basis verantwortungsbewusst für die Gesellschaft engagieren kann. 

Frage: Was genau sind das für Projekte, die die Sternsinger in Kenia unterstützen?

Krämer: In der Turkana unterstützen die Sternsinger Ernährungs- und Gesundheitszentren, Wasserprojekte sowie Bildungs- und Friedensinitiativen. Mit Hilfe der Sternsinger konnten die Projektpartner vor Ort Staudämme und Brunnen errichten und damit die Wasserversorgung für Menschen und Tiere sichern. Außerdem wurden Landwirtschaftsprojekte sowie der Bau von gemeinschaftlich organisierten Nutzgärten umgesetzt.

Auch in den von uns geförderten Kindergärten und Schulen steht das Thema  Landwirtschaft auf dem Stundenplan. Die Mädchen und Jungen lernen zum Beispiel, welche Pflanzen mit nur wenig Wasser und Nährstoffen auskommen. Das ist vor allem in Dürrezeiten besonders wichtig.

In der Grenzregion zu Äthiopien unterstützen die Sternsinger die Friedensarbeit zwischen den traditionell verfeindeten Ethnien auf kenianischer und auf äthiopischer Seite. Hintergrund der immer wieder ausbrechenden Konflikte ist hier unter anderem der Zugang zu Weideflächen und Wasser. Auch ein Internat, das Kinder beider Ethnien gemeinsam besuchen, ist Teil dieser Friedensarbeit.

Frage: Ihr Wunsch für die Sternsinger in Deutschland?

Krämer: Ich wünsche den Mädchen und Jungen, die als Sternsinger von Tür zu Tür ziehen, vor allem viel Spaß dabei! Ich hoffe, dass sie auf viele Menschen treffen, die ihren Einsatz würdigen und das dadurch zeigen, dass sie die Sternsinger freundlich empfangen, dass sie ihre Lieder anhören, sich den Segen bringen lassen und für Kinder in Not spenden!

© Kindermissionswerk "Die Sternsinger"