„Die EU-Handelspolitik ist nicht nachhaltig“

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Der Milchpreis ist in den letzten Jahren aufgrund hoher Produktion extrem gefallen - das ist nicht nur für Bauern in Deutschland ein Problem. Billiges Milchpulver aus der EU zerstört auch den Markt der Kleinbauern in Westafrika. Kerstin Lanje, Referentin für Welthandel und Ernährung bei Misereor, sieht hier die EU-Handelspolitik in der Pflicht.

Worum geht es bei der Fastenaktion 2017?

Der Schwerpunkt der Fastenaktion 2017 ist das Thema bäuerliche Innovation. Misereor will aufzeigen, dass Kleinbäuerinnen und -bauern, speziell in Burkina Faso in Afrika, kreative Lösungen für ihre Probleme finden und nicht darauf angewiesen sind, dass diese von außen kommen. Am Beispiel Milch und den sogenannten Minimolkereien zeigen wir, wie innovativ die Konzepte der Kleinbauern sind, wie viel Potenzial ihre Milchwirtschaft hat und wie sich ihr Leben dadurch verändern kann.

Was ist das Grundproblem, das die Fastenaktion 2017 beleuchtet?

Wir bleiben beim Beispiel Milch. Überlegen Sie einmal, wie viel Milch Sie selbst in den letzten Jahren getrunken haben. Sie werden feststellen, dass ihr Milchkonsum tendenziell stagniert, vielleicht sogar eher ab- statt zugenommen hat. In ganz Europa ist das ähnlich. Und obwohl die Nachfrage nicht gestiegen ist, ist gleichzeitig die Milchproduktion gestiegen. Die produzierte Milch findet hier aber keinen Absatz und wird daher in Form von Milchpulver exportiert. Ein Teil dieses Pulvers landet in Westafrika und ist dort überall in Kiosken und Supermärkten erhältlich. Das allerdings deutlich günstiger als die lokale Milch der burkinischen Milchbauern. Das Pulver kostet nur rund ein Drittel des heimischen Milchpreises. Das ist nicht nur ein Problem für die Bauern in Burkina Faso, sondern auch für die Milchbauern in Deutschland und Europa: Der Milchpreis ist in den letzten Jahren aufgrund der Mengen extrem gefallen, viele Betriebe mussten aufgeben.

Damit kritisiert Misereor auch die EU-Handelspolitik.

Die EU-Handelspolitik ist nicht nachhaltig. Sie behält damit auch in keiner Weise die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDGs), im Blick. Tatsächlich geht es in der EU-Handelspolitik darum, was von Politikern und Molkereien auch propagiert wird: die Weltmarktorientierung. Unserer Erfahrung nach ist diese Weltmarktorientierung aber nicht zu Gunsten der Kleinbauern, sondern ganz im Gegenteil: Sie werden zunehmend in die Armut gedrängt. Dabei werden noch immer 70 Prozent der weltweit verfügbaren Nahrungsmittel von ihnen produziert.

Sie erwähnten die „Minimolkereien“ in Burkina Faso. Was steckt hinter dem Konzept?

Misereor fördert, zusammen mit unserer Partnerorganisation PASMEP, Minimolkereien, um den lokalen Milchsektor in Burkina Faso zu fördern. Zu dem Programm gehört die Unterstützung der Milchbauern im Bereich Fütterung, aber auch im Molkereiwesen: Wie kann Milch effizient produziert werden? Wie kann sie abgekocht werden? Durch diese Unterstützung wird die lokale Milchproduktion konkurrenzfähiger. Je nach Jahreszeit geben die Milchkühe pro Tag zwischen zwei und sechs Liter Milch – die Frauen bringen sie zu der Molkerei. Dort wird sie zu Joghurt verarbeitet der auch zu Frischmilch, die dann lokal verkauft wird.

© Misereor