Burkina Faso: Land der aufrechten Menschen

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Stolz sind die Menschen in Burkina Faso auf sich und ihr Land. Das Zusammenleben von 60 Volksgruppen ist durch große ethnische und religiöse Toleranz geprägt. Daran änderte auch die politische Krise in jüngster Vergangenheit nichts. Nach 27 Jahren an der Macht hatte Präsident Blaise Campaoré 2014 die Verfassung ändern wollen, um seine Regentschaft fortzusetzen.

Weitgehend friedliche Bürgerproteste der Burkinabé, so nennen sich die Einwohner selbst, stürzten ihn. Auch ein Putschversuch brachte ihn nicht zurück an die Macht. Ende 2015 wählte Burkina in den ersten wirklich freien und demokratischen Wahlen einen neuen Präsidenten, den Katholiken Roch Marc Kaboré. Besonders die Jugend - 65 Prozent der Burkinabé sind jünger als 25 Jahre - hofft jetzt auf eine bessere Zukunft.

Burkina Faso im Westen Afrikas gehört zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. Mehr als 40 Prozent der 20 Millionen Burkinabé lebt unter der absoluten Armutsgrenze von weniger als 1,90 Dollar pro Tag. Die meisten Menschen betreiben Kleinstlandwirtschaft und haben kaum andere Einkommensquellen. Dürreperioden treffen die in der Sahelzone liegenden Landesteile oft hart. Mangels alternativer Einkünfte versuchen viele ihr Glück im illegalen Goldabbau. Neben Gold und Baumwolle gibt es kaum andere Exportprodukte.

Im Januar 2016 starben bei dem ersten islamistischen Terroranschlag in Burkina Faso 30 Menschen. Anschlagsziele waren das Café Cappuccino und das Splendid Hotel in der Hauptstadt Ouagadougou. Im August starben in der Hauptstadt bei einem erneuten Anschlag auf ein Café rund 20 Menschen.

Hartmut Schwarzbach/Missio

Nachdem im Januar 2016 bei dem ersten islamistischen Terroranschlag in Burkina Faso 30 Menschen starben, ist die Angst groß, dass Armut und Perspektivlosigkeit auch hier zum Nährboden für islamistischen Terror werden könnten. Im August 2017 verübten Terroristen erneut einen Anschlag in Ouagadougou, bei dem mindestens 20 Menschen starben. Die katholische Kirche versucht, mit interreligiösen Initiativen das friedliche Zusammenleben zwischen Christen (23 Prozent, in der Mehrheit Katholiken) und Muslimen (60 Prozent) zu stärken.

Mit Bildungsinitiativen, Schutzzentren, Selbsthilfeprojekten und Jugendseelsorge hilft die Kirche besonders den Bedürftigsten. Oft sind dies Mädchen und Frauen. Jedes zweite Mädchen unter 18 Jahren wird in Burkina Faso zwangsverheiratet, manchmal schon mit zwölf Jahren. Der Schulbesuch bleibt für viele nur ein Traum. Traditionen wie Hexenverfolgung oder Genitalverstümmelung sind trotz gesetzlicher Verbote weit verbreitet.

Mit ihren zahlreichen Projekten setzt die Kirche auf langfristige Entwicklung, damit die Bürger im „Land der aufrechten Menschen“, so die wörtliche Übersetzung von „Burkina Faso“, eine echte Zukunftsperspektive haben.

Von Bettina Tiburzy

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