Diaspora-Aktion in München eröffnet

  • Diaspora-Aktion - 06.11.2016

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken hat am Sonntag in München seine bundesweite Diaspora-Aktion eröffnet. Sie steht unter dem Leitwort „Keiner soll alleine glauben. Unsere Identität: Barmherzigkeit“. Dabei werden vor allem Katholiken in den Blick genommen, die in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum ihren Glauben als Minderheit leben.

Für 20. November ist eine bundesweite Kollekte geplant, um mit dem Geld Projekte in diesen Gebieten zu unterstützen. Außerdem wurde am Sonntag der Bonifatiuspreis an mehrere Initiativen und Pfarrgemeinden aus Deutschland für ihre besonderen missionarischen Aktivitäten verliehen.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx rief die Christen in seiner Predigt zur Eröffnung auf, auch bei sinkenden Mitgliederzahlen eine „produktive, profilierte Minderheit“ zu sein. Wichtig sei die innere Überzeugung, nach der man der Welt vom Evangelium her etwas Unverzichtbares zu sagen habe. „Wo eine Kirche, eine Glaubensgemeinschaft nicht mehr erkennbar ist als etwas aufregend anderes, als eine Einladung, weiterzudenken, auch in gewisser Weise verstörend, störend im Betrieb der Politik, Gesellschaft und Kultur, sind wir nicht ganz in der Spur.“

Beim Eröffnungsgottesdienst der Diaspora-Aktion warnte der Münchner Kardinal Marx davor, sich als Minderheit abzuschotten.

Kleibold/Bonifatiuswerk

Zudem warnte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz davor, sich als Minderheit in ein Ghetto zurückzuziehen und sich von der Welt abzuschotten. Ebenso dürfe es kein bloßes Zurück geben. „Niemand kann in die Vergangenheit gehen.“ Wichtig seien stattdessen Reform und Erneuerung mit Blick auf Jesus als Ursprung. So könne auch verhindert werden, dass diese Person zum Instrument von Ideologien gemacht werde, wenn es etwa um die Verteidigung der eigenen Kultur, der eigenen ökonomischen Interessen und Macht gehe.

Theologe Halik fordert Reform des Christentums in Europa

Der Prager Theologe und Soziologe Tomas Halik sagte beim anschließenden Festakt, das Christentum in Europa müsse eine tiefe Reform durchmachen, um für den Kontinent weiter bedeutend zu sein.

Diese Veränderung habe bereits mit dem Pontifikat von Papst Franziskus begonnen. Wichtig sei, dessen Anregungen nicht nur mit bloßer oberflächlicher Anbetung der Person zu begegnen. Seine Ideen müssten ins Leben eingeführt werden, so dass sie Hilfe leisteten „beim Suchen nach einer neuen Spiritualität“.

Die christliche Agenda habe sich jahrzehntelang hauptsächlich auf Fragen der Sexualmoral konzentriert, so Halik. Der Papst hebe nun andere Themen hervor, etwa die Solidarität mit den Armen, die Verantwortung für die Umwelt oder das Verständnis für Menschen in komplizierten Situationen. Wichtig sei, die therapeutische Stärke des Glaubens zu betonen. Eine neue Evangelisation dürfe nicht „die Form bloßen religiösen Agitierens und Mobilisierens annehmen, wie sie bei eifrigen Sekten typisch ist“.

Bei dem Festakt bekam die Pfarrgemeinde Wallenhorst im Bistum Osnabrück den Bonifatiuspreis für das Projekt „Väterabende für Erstkommunionkinder“. Einen zweiten Preis erhielt die Flüchtlingsinitiative „Zuhause in Bayern“ des Fachverbandes „In Via kofiza“ der Caritas im Erzbistum München und Freising. Mit einem dritten Preis wurde das Berufskolleg Sankt Michael in Ahlen im Bistum Münster für ein innovatives Firmprojekt geehrt.

© KNA

Im Jahr 2016 findet der Diaspora-Sonntag am 20. November statt. Unter dem Leitwort „Keiner soll alleine glauben. Unsere Identität: Barmherzigkeit“ nimmt das Bonifatiuswerk Orte und Situationen in den Blick, in denen Menschen sich barmherzig für andere einsetzen.

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