Gäste der Fastenaktion 2013

Während der Fastenzeit sind Misereor-Partner aus den drei Beispielländern Niger, Bangladesch, Paraguay sowie aus Kolumbien in Deutschland zu Gast. In Schulen und Gemeinden berichten sie von ihrem engagierten Kampf gegen Ungerechtigkeit und Hunger.

Gäste aus Bangladesch

Bischof Theotonius Gomes

Theotonius Gomes wurde im April 1979 zum Bischof geweiht und ist seit 1996 Weihbischof der Erzdiözese Dhaka. Er war Generalsekretär der Katholischen Bischofskonferenz von Bangladesch (1987–2007) und ist seit 2006 Präsident der Caritas Bangladesch. 2010 nahm Bischof Theotonius an dem von Misereor organisierten Süd-Süd-Dialog über den Klimawandel in Rom teil. Er unterstützte das kirchliche Engagement im Kontext von Rio+20 und vertritt mit Bangladesch ein Land, das aufgrund des steigenden Meeresspiegels vom Klimawandel besonders bedroht ist. Im Hinblick auf die Situation der vielen Armen und Hungernden fordert Bischof Theotonius Gomes, dass die Menschen vor Ort ihre Essgewohnheiten und Anbaumethoden ändern – weg von umweltschädlichen Monokulturen, hin zu mehr Artenvielfalt. Reis sei zwar nach wie vor ein wichtiges Nahrungsmittel, doch verbrauche sein Anbau viel Wasser. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Menschen auf andere Nahrungsmittel, etwa Gemüse, besinnen. Weltweit fordert er eine engagierte Diskussion und einen neuen Stellenwert von Fragen der Landwirtschaft und Ernährung: „Essen braucht man nun einmal. Doch heute ist es so, dass die Menschen andere Dinge konsumieren – leider auf Kosten der Nahrung.“

Theophil Nokrek

Theophil Nokrek ist Direktor der Caritas für die Region Mymensingh. Mit ganzem Herzen hängt er an seiner Arbeit und den Menschen aus seiner Region, gehört er doch selbst der ethnischen Minderheit der Garo an. Theophil Nokrek ist der Erste aus seinem Dorf, der studiert hat. Nach seinem Studium arbeitete er als Lehrer an internationalen Schulen, bevor er der Bitte seines Bischofs, bei der Caritas für die Armen zu arbeiten, nachgekommen ist. Die Caritas von Mymensingh widmet sich besonders der Arbeit mit den Kleinbauern. Theophil Nokrek setzt sich dafür ein, dass sich die Bauernfamilien organisieren, dass sie ihre Rechte kennen und durchsetzen können. Dabei steht die Caritas stets an der Seite der Adivasi, z.B. der Garo. Sie sollen gleichberechtigt in der Gesellschaft leben können. „Wir können den sozialen Frieden nur erreichen, wenn wir die Armut und den Hunger bekämpfen“, sagt Theophil Nokrek. Dafür setzt sich der Katholik und Familienvater nicht nur beruflich, sondern auch ehrenamtlich in der Gewerkschaft, im Rotary-Club und in seiner Gemeinde tatkräftig ein.

Sukanta Sen

Sukanta Sen ist Mitbegründer und Leiter der Nicht-Regierungsorganisation BARCIK (Bangladesh Resource Centre for Indigenous Knowledge) in Bangladesch.

Seit dem Studium der Geographie und Umweltwissenschaft engagiert sich der Hindu und Familienvater politisch: Bereits 1997 gründete er mit Gleichgesinnten BARCIK. Den Beginn und das Prinzip von BARCIK erklärt er so: „In den 90er Jahren haben wir gesehen, dass die Schere zwischen akademischem Wissen und dem Wissen der Bauern auseinanderklafft. Wir hören heute den Bauern genau zu und profitieren so von ihrem Wissen.“ BARCIK begleitet die Bäuerinnen und Bauern darin, durch den Austausch eigener Erfahrungen und die Verbreitung von vorhandenem Wissen mit- und voneinander zu lernen. Dabei orientiert sich BARCIK immer an den Bedürfnissen der Menschen in ihren Dörfern. Diese Prozesse werden „People-led-development-processes“, von Menschen gesteuerte Entwicklungsprozesse, genannt. Traditionelle Kenntnisse im landwirtschaftlichen Bereich werden wiederbelebt und an schwierige Bedingungen, wie Klimawandel, Dürre und Überschwemmungen angepasst. Der Experte in Fragen der Ernährungssicherung möchte die Kleinbauern auch in Zukunft immer mehr untereinander vernetzen, neue Plattformen schaffen und die erfolgreiche politische Lobbyarbeit fortsetzen.

Sirajul Haque

Sirajul Haque arbeitet seit 1992 für Caritas Bangladesch in der Region Mymensingh. Die Arbeit mit den Bauernfamilien hat den studierten Agrarwissenschaftler sehr verändert. „Am Anfang fühlte ich mich als Experte, der den Bauern sagt, was sie zu tun haben“, erklärt er. „Doch die Bauern sind die eigentlichen Experten. Sie wissen selbst sehr viel und haben einen enormen Erfahrungsschatz. Es ist nicht unsere Aufgabe, ihnen die Landwirtschaft beizubringen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen Räume und Möglichkeiten zu geben, sich miteinander auszutauschen und zu organisieren.“ Auf diese Art und Weise ist es gelungen, die Position der Bäuerinnen und Bauern und damit eine nachhaltige und ökologische Landwirtschaft in Mymensingh zu stärken. Damit habe sich die Ernährungssituation enorm verbessert. Von Anfang an hat der engagierte Muslim und Familienvater die basisorientierte Arbeit der Caritas Mymensingh begleitet und aufgebaut.

Gäste aus Paraguay

Bischof Juan Bautista Gavilán

Wenn die Reichen ihre Überreste verschenkten, sei das keine Solidarität, kritisiert der Bischof von Coronel Oviedo, Juan Bautista Gavilán. Seit zehn Jahren ist er Bischof im Verwaltungsbezirk Caaguazú in Paraguay. Die krassen sozialen Gegensätze in der landwirtschaftlich geprägten Region hat er tagtäglich vor Augen: den Reichtum der „Sojabarone“ genauso wie die miserablen Lebensumstände der landlosen Bauernfamilien und indigenen Gemeinschaften. Gavilán versteht sich als Brückenbauer. Er ist ein Mann der Diplomatie und der leisen Töne, aber mit einem klaren Ziel vor Augen: Paraguay kann nicht vorankommen, wenn sich weiterhin einige wenige auf Kosten der Bevölkerungsmehrheit bereichern. Die Kirche bestehe nicht nur aus dem Wort Gottes und den Sakramenten, sondern auch aus Taten, ist der Bischof überzeugt. Entsprechend wichtig ist ihm die von Misereor unterstützte Arbeit der Sozial- und Indigenenpastoral.

Schwester Raquel Peralta SSpS

Schon als Zwölfjährige entwischte sie von zuhause, um mit den indigenen Gemeinschaften auf dem Dorfplatz zu sprechen. Ihre Familie nannte sie nur „die Irre“ und hoffte, der Spleen würde sich bald legen. Schwester Raquel Peralta ist Anthropologin und eine der herausragenden Indígena-Expertinnen in Paraguay. Dort koordiniert sie auf nationaler Ebene die Indigenenpastoral der katholischen Bischofskonferenz. Das bringt viel Büroarbeit mit sich, doch immer, wenn es geht, besucht sie Guaraní-Gemeinschaften vor Ort. Zwei Jahre lang lebte sie in einem abgeschiedenen Guaraní-Dorf. Seither ist die engagierte Katholikin eine überzeugte Fürsprecherin der indigenen Kultur und davon überzeugt, dass die indigenen Gemeinden der westlichen Kultur in vielem überlegen sind. „Christliche Werte wie Vergebung, Teilen und Solidarität werden bei ihnen noch viel authentischer gelebt“, sagt die dynamische Ordensschwester. Mit Freude sieht sie, wie sich die indigenen Gemeinschaften – nicht zuletzt dank der Hilfe von Misereor – immer stärker selbst organisieren und ihre Stimme erheben gegen Diskriminierung, Landraub und Umweltverschmutzung.

Juan Báez

Die indigenen Gemeinden nennen ihn „Blitz“, weil er sie vor herannahendem Unbill warnt, ganz so wie die Blitze ein aufziehendes Gewitter ankündigen. Juan Báez ist ein Multitalent. Der Agroingenieur der Sozialpastoral spricht nicht nur mehrere Guaraní-Dialekte, sondern weiß auch, wo und wie welche Pflanze am besten wächst und wie man die Behördenbürokratie austrickst. Ständig klingelt sein Handy. Wenn es bei den Bauern und indigenen Gemeinschaften in der paraguayischen Provinz Caaguazú brennt, ist Báez die erste Anlaufstelle. So agil und zupackend er wirkt, so stark kann er sich auch zurücknehmen und abwarten. Denn er ist stets darauf bedacht, dass die indigenen Gemeinschaften ihre eigene Kultur so weit wie möglich bewahren und sich gleichzeitig für innovative Methoden (wie Agroforstwirtschaft oder Fischzucht) öffnen. In dieser Kombination kann es den Gemeinschaften gelingen, sich dem Druck der Soja-Monokulturen erfolgreich entgegen zu stellen und die Ernährungs- und Lebensqualität ihrer Familien nachhaltig zu verbessern. Davon ist der Katholik und Familienvater überzeugt. In den 14 Jahren seiner Arbeit im Auftrag von MISEREOR sind die ökologischen Agroforstmethoden bereits bei 15 indigenen Gemeinden auf fruchtbaren Boden gefallen.

Gäste aus dem Niger

Bischof Ambroise Ouédraogo

Ambroise Ouédraogo ist Bischof der Diözese Maradi. Seine Diözese wurde im März 2001 gegründet und ist fast zweimal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Besonders engagiert er sich für die Entwicklungsarbeit von CADEV (Caritas et Développement); erst nachdem er in seinem Bistum eine Struktur für CADEV aufgebaut hatte, nahm er den Bau seines Bischofshauses in Angriff.

In seiner Diözese, wo der überwiegende Teil der Bevölkerung Moslems sind, liegt ihm der Dialog zwischen den Religionen besonders am Herzen. 11 hauptamtliche und 80 ehrenamtliche Mitarbeiter sind in der Entwicklungs- und Sozialarbeit der Diözese tätig.

Bischof Ambroise wurde in Burkina Faso geboren. Er wird nicht müde zu predigen: „Die Erde gehört uns allen und wir müssen sie für die kommenden Generationen hegen und schützen.“ Dabei spielen die Klimaveränderungen eine besorgniserregende Rolle. „Gemeinsam müssen wir dringend Begleitmaßnahmen ergreifen, um das sich vor unseren Augen abspielende ökologische Drama zu stoppen. Wir dürfen uns nicht von der Resignation überwältigen lassen, wir können die katastrophale Entwicklung des Klimas noch ändern. Deshalb wollen wir der Welt und den politischen Entscheidungsträgern laut entgegen schreien: Wir haben den Hunger satt!“

Abdoul Moumouni Illo

Abdoul Moumouni Illo ist Leiter der diözesanen CADEV (Caritas et Développement) in Maradi. Seit 1996 ist er mit der Caritas im Niger verbunden. „Damals“, sagt er, „hatten wir auch eine Notsituation in der Region Tillabery und ich wurde als Freiwilliger eingesetzt, dort den besonders Armen zu helfen.“ Bis heute sind die Ehrenamtlichen ein wichtiger Baustein der Arbeit von CADEV in den nigrischen Pfarreien.

1993 schloss Abdoul Moumouni Illo sein Studium der Physik und Mathematik an der Universität Niamey ab, aber er fühlte sich immer wieder von den Herausforderungen der Entwicklung seines Landes angezogen. „So finanzierte mir die Diözese 1996 eine Ausbildung am renommierten Panafrikanischen Institut in Ouagadougou, Burkina Faso. Hier konnte ich mich vertieft mit Fragen der Entwicklung auseinandersetzen.“ Seit 2006 ist der Muslim Leiter der diözesanen CADEV in Maradi.

„Als Bauernsohn fühle ich mich verpflichtet, die bäuerliche Bevölkerung darin zu unterstützen, dass sie von ihrem erwirtschafteten Einkommen leben kann. Ich sehe auch die dringende Notwendigkeit, den Hunger in unserem Land nachhaltig zu bekämpfen und unsere natürlichen Ressourcen besser zu schützen.“

Raymond Younoussi Yoro

Raymond Younoussi Yoro arbeitet seit 2002 für die katholische Kirche in Niamey im Niger. Damals wurde er vom Staatsdienst freigestellt, um im Entwicklungsbüro der Diözese Niamey zu arbeiten. Nach kurzer Zeit übernahm der Katholik dort die Leitungsrolle. Heute ist Raymond Younoussi Yoro Nationaler Exekutivsekretär von CADEV (Caritas et Développement). Der gelernte Informatiker hatte zuvor bis Ende der 1990er Jahre an der staatlichen Universität in Niamey Studenten im Bereich Informationstechnik ausgebildet.

Als Bauernsohn fühlt er sich immer noch stark mit dem ländlichen Raum verbunden: „Meine Leidenschaft ist die Arbeit mit der Erde. Ich selbst kultiviere heute ein kleines Stück Land und pflanze Reis, Hirse und Bohnen an. Diese Bindung hat mich schon früh mit den klimatischen Schwankungen, die im Niger äußerst heftig sein können, konfrontiert“. Gerade die Bauern und mobilen Tierhalter seien von diesen Klimaschwankungen immer stärker betroffen. „Meine Vision ist, trotz der widrigen klimatischen Verhältnisse gemeinsam Möglichkeiten zu finden, unsere Land- und Viehwirtschaft so anzupassen, dass wir den Hunger endgültig besiegen können. Wir wollen unsere Erde nachhaltig nutzen, um ausreichend Nahrung für alle produzieren zu können“.

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