Ein Land in den Schlagzeilen

  • Sonntag der Weltmission

Ethnische Vielfalt, reiche Sprachkultur – aber meist sind es die Negativmeldungen aus der islamischen Republik Pakistan, die die Medien beherrschen. Einen Anteil daran haben religiös motivierte Konflikte, Extremisten und Naturkatastrophen. Pakistan ist das aktuelle Schwerpunktland der diesjährigen Missio-Aktion zum Weltmissionssonntag im Oktober.

Die islamische Republik Pakistan grenzt im Westen an Iran und Afghanistan, im Norden an China und im Osten an Indien. Im Süden hat es – mit Ausnahme der Hafenstadt Karachi – eine dünn besiedelte Küste zum Arabischen Meer.

Das Land ist etwa doppelt so groß wie Deutschland und hat mehr als doppelt so viele Einwohner. Sie verteilen sich auf eine große Zahl ethnischer Gruppen. Mehr als 18 Sprachen lassen sich in Pakistan finden. Die offizielle Amtssprache ist Urdu. Die wichtigsten Regionalsprachen sind Punjabi, Sindhi, Pashtu, Seraiki und Baluchi. Der Islam ist die Staatsreligion (96 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, in der Mehrzahl Sunniten, 15 bis 20 Prozent Schiiten). Die Ahmadis sind eine vom offiziellen Islam ausgegrenzte muslimische Religionsgemeinschaft mit rund einer Million Mitgliedern. Neben rund 3 Millionen Hindus wird die Zahl der im Land lebenden Christen auf 2,8 Millionen geschätzt. Davon sind 1,2 Millionen Katholiken. Weitere religiöse Minderheiten sind Parsen, Sikhs, Buddhisten und Baha`i.

Übergriffe in Lahore Missio

Wenn Konflikte in Gewalt gipfeln

Was das Land kennzeichnet, sind feudale Strukturen inklusive Schuldknechtschaft, eine weit verbreitete Armut, ein Mangel an öffentlicher Sicherheit und eine hohe Analphabetenrate. Viele Menschen haben keinerlei Zugang zu Bildung und Gesundheitseinrichtungen. Besonders Frauen und Mädchen sind wirtschaftlich, sozial und politisch stark benachteiligt. Gebeutelt von Naturkatastrophen wie im Sommer 2010 mit schweren Überschwemmungen, findet sich Pakistan immer wieder in den Schlagzeilen westlicher Medien. Auch die politischen, gesellschaftlichen und religiösen Konflikte, die zunehmen und oft gewaltsam ausgetragen werden, kennzeichnen das Land. Terroranschläge sind keine Seltenheit.

Das sogenannte Blasphemiegesetz, das 1986 eingeführt wurde, führt immer wieder zu Konflikten. Es belegt Gotteslästerung und geringschätzige Bemerkungen über den Propheten Mohammed mit Geld- und Haftstrafen oder im schlimmsten Fall mit der Todesstrafe. Obwohl bisher keiner der Verurteilten tatsächlich hingerichtet wurde, sind schon mehrmals Angeklagte oder Verurteilte von Islamisten ermordet worden. Auch kommt es immer wieder zu Fällen von Selbstjustiz und Lynchmorden gegen Angehörige religiöser Minderheiten unter dem Vorwurf der Gotteslästerung.

Zwar beruht das pakistanische Rechtswesen größtenteils noch auf britisch-indischem Recht, seit den 1970er Jahren beinhaltet es jedoch viele Bestandteile des islamischen Rechts auf Grundlage der Scharia. So richtet sich beispielsweise das Familien- und Erbrecht ausschließlich nach islamischem Recht.

Seminare und Workshops als Friedenserziehung

Die Katholische Kirche ist nach sporadischen Anfängen vor allem während der Zeit der britischen Kolonialherrschaft gewachsen, nachdem sich eine immer größere Anzahl von Menschen, vor allem aus dem Punjab, der Kirche zuwandten. 2012 feierte die Erzdiözese Lahore ihr 125-jähriges Jubiläum. Durch ihre quer durch die Bevölkerung geschätzten Kindergärten, Schulen und Gesundheitsstationen trägt die Kirche zur Entwicklung des Landes und zum harmonischen Zusammenleben der verschiedenen Religionsgruppen bei.

Missio macht sich für die Rechte von Frauen und Mädchen in Pakistan stark. Missio

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich eine lebendige Zivilgesellschaft entwickelt. Die Presse ist inzwischen frei und das Medienangebot hat sich ausgeweitet. Allerdings gibt es für die Medien Tabus, die vor allem die Landesverteidigung, die einflussreichen Geheimdienste und die Religionskritik betreffen. Auch gibt es Berichte über Drohungen religiöser Extremisten gegenüber liberalen Journalisten. In den weitestgehend von Taliban-Milizen kontrollierten Stammesgebieten an der afghanischen Grenze ist eine freie Berichterstattung praktisch unmöglich.

Projekte für Frauenförderung und Frieden

Missio unterstützt verschiedene Projekte in Pakistan. Im Fokus steht zum Beispiel die Förderung von Frauen, der interreligiöse Dialog und die Friedensarbeit, die Förderung und der Schutz von ethnischen Minderheiten sowie nachhaltige Hilfe nach Naturkatastrophen. Eine langjährige Projektpartnerin ist Sabina Rifat. Sie leitet eine nationale Gruppe von Frauen verschiedener Religionszugehörigkeiten, die sich für die Rechte von Frauen und Mädchen stark macht. 2012 hat die „Women and Kids Education“ (WAKE) ein interreligiöses Frauenprogramm umgesetzt, das sowohl eine berufliche Ausbildung als auch eine Traumatherapie für Opfer häuslicher Gewalt und geschlechtsspezifischer Diskriminierung beinhaltete. Ein weiteres Projekt ist das Friedenszentrum in Lahore. Hier finden Seminare und Workshops statt, auch Kinder und Jugendliche werden in Friedensprogramme eingebunden.

Nach der großen Flutkatastrophe im Sommer 2010 übernahm Missio für einige Monate die Lebensmittelversorgung für 500 betroffene Familien. Anschließend startete ein Pilotprojekt: Ein ganzes Dorf inklusive Wohnhäuser, Schulen, Moscheen und Kapellen sollte wiederaufgebaut werden. Die Familien packten selbst mit an. Ein Team von Technikern aus dem Don Bosco Zentrum in Lahore, Partner von Missio, übernahm die Schlosser- und Elektroarbeiten. Außerdem planten die Salesianer die Fertigung von Möbeln in ihrem Berufsbildungszentrum in Lahore.

Auslandsreferat Asien, Missio München

© Missio München