„Ein Land großer Widersprüche“

  • Interview - 27.09.2012

Am 28. Oktober begeht die Kirche in Deutschland den Weltmissionssonntag, als Abschluss und Höhepunkt des Monats der Weltmission. In diesem Jahr rückt das Missionswerk Missio hierzu das Land Papua-Neuguinea in den Blick. Warum die Wahl auf den Staat in Ozeanien gefallen ist und vor welchen Herausforderungen die Menschen dort stehen, erläutert Missio-Präsident Prälat Klaus Krämer im Interview.

Frage: Prälat Krämer, wie heißt das Motto zum Sonntag der Weltmission 2012?

Krämer: In diesem Jahr haben wir das Motto „Dein Wort ist ein Licht für meine Pfade“ gewählt. Das ist ein Wort aus dem Psalm 119, das sehr gut passt: Auf der einen Seite bringt es die schwierige Situation in unserem Beispielland Papua-Neuguinea zum Ausdruck, zum anderen auch die Hoffnung, die aus dem Glauben in dieser Situation erwächst.

Frage: Warum haben Sie Papua-Neuguinea jetzt in den Fokus gerückt?

Krämer: Zum Sonntag der Weltmission – übrigens die größte Solidaritätsaktion der Katholiken weltweit – stellen wir alljährlich ein Land in den Mittelpunkt. Papua-Neuguinea ist für uns ein sehr exotisches Land, mit dem wir vor allem Urlaubsfantasien verbinden. Das ist sicher auch eine Wirklichkeit dort. Aber eben nur eine.

Frage: Was sind denn die Hauptprobleme, mit denen die Menschen dort im Alltag konfrontiert sind?

Krämer: Papua-Neuguinea ist ein Land sehr großer Widersprüche. Es ist auf der einen Seite ein sehr reiches Land mit über 800 Kulturen und Ethnien. Es gibt dort viele Bodenschätze: Gold und Silber, aber auch seltene Erden, die immer wichtiger werden in unserer Zeit. Es gibt auch Erdöl- und Erdgasvorkommen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gehört es auch zu den Entwicklungsländern mit dem niedrigsten Lebensstandard. Mit einer sehr schwierigen Situation im Gesundheits- und Bildungswesen. Auch mit einer sehr hohen Gewalt- und Kriminalitätsrate.

Frage: Wie kann die Kirche in dieser Situation helfen?

Krämer: Die Kirche ist in vielfacher Hinsicht tätig. Eine wichtige Aufgabe, die die Bischöfe Papua-Neuguineas auch sehr bewusst mutig wahrnehmen, ist, sich politisch zu äußern zu der Situation im Land. Des Weiteren gibt es natürlich ein großes Netz konkreter kirchlicher Aktivitäten, um vor Ort etwas zum Besseren zu wenden. Zu nennen ist zum Beispiel eine sehr hohe Präsenz der katholischen Kirche im Bildungsbereich. Es gibt sehr viele Schulen bis hin zu einer Universität, die von der Kirche unterhalten werden. Es gibt wichtige Projekte im Gesundheitssektor und vor allem im sozialen Bereich. Was mich bei meinem Besuch in Papua-Neuguinea besonders beeindruckt hat, sind die Kleinen Christlichen Gemeinschaften, ein pastoraler Ansatz, der auch bei uns in jüngster Zeit sehr stark diskutiert wird. Es geht darum, den Menschen aus der Reflexion über ihr Leben und aus dem Gebet und der Begegnung mit dem Wort Gottes heraus wieder Orientierung für ihren Alltag zu geben.

Frage: Wird das gut angenommen von den Leuten vor Ort?

Krämer: Ja. Wir haben da sehr schöne Beispiele, wie Diözesen wirklich aufblühen dadurch, dass sich sehr viele Menschen an diesen Prozessen beteiligen. Es gibt viele Multiplikatoren, die ausgebildet werden, um die Kleinen Christlichen Gemeinschaften zu begleiten, die auch in die Familien gehen, um den Menschen zu helfen, einen neuen Weg zu finden.

Frage: Was von dem leistet die Kirche im Allgemeinen und was leistet Missio?

Krämer: Das ist natürlich ein Zusammenspiel, weil wir als Missionswerk ein Teil der Kirche sind. Die pastorale Arbeit in Papua-Neuguinea wird von der Kirche vor Ort geleistet. Da sind immer noch viele Missionare aus dem Ausland tätig, aber auch immer mehr einheimische pastorale Kräfte. Das ist eine sehr ermutigende Entwicklung. Immer mehr Ordensleute und Engagierte stammen aus dem Land selber. Das zeigt, dass die Kirche Wurzeln schlägt in der Realität dieses Landes. Als Missionswerk ist es unser Auftrag, diese Prozesse zu unterstützen. Wir haben einen deutlichen Schwerpunkt in der Ausbildung von pastoralen Mitarbeitern, Priestern und Ordensleuten. Und dann gibt es auch immer wieder ganz konkrete Projekte, die wir unterstützen.

Frage: Gehen die Spenden des diesjährigen Weltmissionsmonats allein an Projekte in Papua-Neuguinea?

Krämer: Die Mittel, die uns von Gottesdienstbesuchern und anderen Spendern anvertraut werden, gehen an alle Projekte, die wir weltweit unterstützen. Das Beispielland dient dazu, unseren Spendern exemplarisch zu verdeutlichen, was mit den Spendenmitteln in der pastoralen Praxis tatsächlich bewirkt wird. Im Oktober werden wir mit Geistlichen und Projektvertretern aus Papua-Neuguinea durch Deutschlands Diözesen reisen – so kann sich wirklich jeder Interessierte über dieses außergewöhnliche Land Ozeaniens informieren.

Frage: Im Vergleich zu Papua-Neuguinea hat die katholische Kirche in Deutschland ganz andere Hürden zu überwinden. Kann man die beiden Situationen in der Weltkirche gegenüberstellen?

Krämer: Beide können vom Austausch profitieren. Ich denke, wir in Deutschland können mit Staunen entdecken, wie die Christen in diesem armen Land ihren Glauben leben und wie sie in vielfacher Hinsicht schwierige Lebenssituationen aus der Zuversicht des Glaubens heraus meistern.

Das Interview führte Larissa Hinz (KNA).

© KNA

Der Sonntag der Weltmission

ist der große, weltweite Solidaritätstag der Kirche. Er wurde 1926 von Papst Pius XI. eingeführt und wird seitdem in allen Ländern begangen, in denen es Katholiken gibt. Die Kollekte des Weltmissionssonntags geht traditionell in den Solidaritätsfonds der Päpstlichen Missionswerke.

Weitere Informationen rund um den Sonntag der Weltmission, den Gästen und den Aktions-Materialien finden Sie bei

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