„Die Sternsinger sind ein Segen“

  • Aktion Dreikönigssingen 2013

Klaus Krämer, seit 2010 Präsident des Kindermissionswerks "Die Sternsinger", berichtet über die aktuelle Aktion Dreikönigssingen. Er erläutert, was es mit dem Partnerland Tansania auf sich hat und welche Projekte dort unterstützt werden sollen.

Frage: Segen bringen, Segen sein. Für Gesundheit in Tansania und weltweit! heißt das Leitwort der 55. Aktion Dreikönigssingen. Warum dieses Motto?

Krämer: Das Leitwort hebt deutlich hervor, was die Sternsinger sind: Ein Segen! Nicht nur, dass sie denselben in die Häuser der Menschen hier in Deutschland bringen, sondern sie machen sich auch stark für Kinder in der Welt. Sie machen sich die Mühe und gehen von Tür zu Tür, singen, segnen und sammeln bei für sie wildfremden Menschen. Das ist mutig und engagiert – ein Segen!

Ein Segen ist es auch gesund zu sein. Oftmals wird einem das erst bewusst, wenn man krank ist. Wenn die medizinische Hilfe im Krankheitsfall fehlt oder eine Vorsorge gar nicht erst möglich war, dann sind das Verhältnisse, die im 21. Jahrhundert auf unserer Erde eigentlich nicht mehr sein dürfen. Bei der 55. Aktion Dreikönigssingen blicken wir nach Tansania, wo genau diese Gesundheitsversorgung schlecht ist. Darunter leiden vor allem die Kinder.

Frage: Warum überhaupt ein Beispielland? Und warum ist Tansania das Beispielland der 55. Aktion Dreikönigssingen?

Krämer: Ein Beispielland ist deshalb so wichtig, weil wir den Mädchen und Jungen in Deutschland anschaulich vermitteln können, wie Kinder in anderen Ländern leben und warum die Hilfe der Sternsinger dort so wichtig ist. Das geht uns Erwachsenen ja genauso, wir verstehen besser, wenn man konkrete Beispiele vor Augen hat.

Tansania ist deshalb das Beispielland der 55. Aktion geworden, weil in diesem Land leider sehr deutlich wird, wie schlecht es um das Gesundheitssystem bestellt ist. In Tansania leben rund 44 Millionen Einwohner, die Hälfte davon ist jünger als 15 Jahre. Insgesamt gibt es nur etwa 100 Kinderärzte. Vergleichen wir das mit Deutschland: hier praktizieren etwa 11.000 Kinderärzte. In Tansania gibt es darüber hinaus auch zu wenige Krankenhäuser, und die Wege zur nächsten Gesundheitsstation sind oft sehr weit. Außerdem gibt es nur schlechte bis gar keine Transportmöglichkeiten für Kranke – das ist die Realität, die wir in Tansania vorfinden. Genug Gründe, um Gesundheit in Tansania zum Thema der Sternsingeraktion zu machen.

Das offizielle Plakat zur 55. Aktion Dreikönigssingen. Bettina Flitner für Kindermissionswerk Die Sternsinger

Frage: Auf dem Plakat lächelt uns ein Mädchen an, das anscheinend im Krankenhaus liegt. Wie kam es zu dieser Situation?

Krämer: Das Mädchen auf dem Plakat ist neun Jahre alt und heißt Sharifa. Sharifa lag im Krankenhaus in Ndanda, weil, das hört sich wirklich unglaublich an, sie von einem Bagger angefahren wurde. Glück im Unglück, denn Sharifa hat sich „nur“ das Bein gebrochen. Genau in dieser Zeit haben der TV-Reporter Willi Weitzel, sein Filmteam, eine Fotografin und Mitarbeiter vom Kindermissionswerk das Krankenhaus besucht. Als die Neunjährige die Besucher aus Deutschland anlächelte, war die Idee für das Plakat geboren und Sharifa Feuer und Flamme. Ein Foto sollte entstehen, auf dem sie eine Sternsingerkrone trägt und damit eine Brücke zu den Sternsingern in Deutschland schlägt. Das Foto zeigt: Kinder sind etwas ganz Besonderes! Sie sind wichtig – wie Könige. Das hat Sharifa sehr gut gefallen, und ich glaube, das sieht man auch auf dem Plakat.

Frage: Sie waren Anfang 2012 selbst in Tansania. Welche Eindrücke haben Sie mitgebracht?

Krämer: Tansania ist ein beeindruckendes Land. Die Landschaft ist wunderschön, die Artenvielfalt der Natur unglaublich. Der Kontrast zwischen diesem Reichtum der Natur und der Armut vieler Menschen in diesem Land ist umso ernüchternder. Die Probleme der Menschen sind riesengroß, und die Hilfe, die die Sternsinger hier möglich machen, ist mehr als nötig!

Beeindruckt hat mich auch die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen. Auch wenn sie selbst nur wenig besitzen, heißen sie jeden willkommen. Genau das habe ich in einer großen Gemeinschaftsküche eines Krankenhauses erlebt, in der viele Verwandte für ihre kranken Angehörigen gekocht haben. Das ist eine sehr unkomplizierte und herzliche Atmosphäre.

Ein Bad für die Kleinsten im Hospital Bugando in Tansania. Wagener/Kindermissionswerk

Frage: Was sind das genau für Projekte, die die Sternsinger in Tansania unterstützen?

Krämer: Ganz wichtig sind uns Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, aber eben auch Projekte auf dem Gesundheitssektor. Neben Aufklärungsprogrammen zu den Themen Hygiene, Ernährung und Prävention, besonders von HIV/Aids und Malaria, unterstützen wir in Tansania ein „Under-Five-Program“. Hier werden Kinder unter fünf Jahren in Gesundheitsstationen und Krankenhäusern kostenlos behandelt und untersucht.

Ein großes Anliegen ist uns aber auch die zuverlässige Versorgung der Kinder mit sauberem Trinkwasser. Kinder sterben, weil sie vom verunreinigten Wasser Durchfall bekommen – das ist erschütternd! Nicht nur in Tansania, sondern in vielen ärmeren Ländern sind rund 80 Prozent der Krankheiten auf schmutziges Trinkwasser zurückzuführen.

Dank des Einsatzes der Sternsinger können wir den Bau von Brunnen, Zisternen und sanitären Einrichtungen in Tansania unterstützen und damit Kindern und Erwachsenen ein gesünderes Leben ermöglichen.

Frage: Seit September fährt ein Krankenwagen durch die deutschen Diözesen. Was hat es damit auf sich?

Krämer: Der Krankenwagen macht rund um die Aktion Dreikönigssingen auf das Anliegen der Sternsinger aufmerksam. An jeder Station konnten sich Kinder und Erwachsene ein Bild von der Gesundheitsversorgung in Tansania machen.

Das besondere Krankenmobil wird noch bis Mitte Januar durch Deutschland fahren. Ab Frühjahr 2013 wird der Krankenwagen dann seinen eigentlichen Dienst antreten, und zwar im Südwesten von Tansania, am Litembo-Hospital.

Frage: Ihre Botschaft an die Sternsinger überall in Deutschland zur kommenden Aktion:

Krämer: Ich freue mich unglaublich, dass Ihr alle bei der Sternsingeraktion mitmacht! Und ich wünsche Euch, dass Ihr alle den Segen in die Häuser bringen könnt, dass die Menschen spüren, dass Ihr für die Kinder in aller Welt unterwegs seid. Ich danke Euch ganz besonders für diesen tollen Einsatz!

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