Christus stellt Menschen vom Rand in die Mitte

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An die Ränder gehen!“ Der Aufruf setzt doch voraus, dass wir in der Mitte oder zumindest näher an der Mitte stehen als die, die am Rande leben. Sind wir die Mitte? Sind wir mittig, zumindest mittendrin? Oder halten wir uns für die Mitte?

Wir, die Kirche hier im Osten Deutschlands, merken auf, wenn wir aufgefordert werden: „An die Ränder gehen!“, denn wir sind Kirche am Rande einer Gesellschaft, in der Gott für viele oftmals nur eine Randbemerkung ist.

Aber mit unserer Randposition kommen wir ganz gut zurande und sind gewiss: Wir stehen nicht am Rande des Grabes. Oder vielleicht doch, aber dann am Rande des Grabes, aus dem Christus auferstanden ist: der Christus, der Menschen am Rande in die Mitte gestellt hat, so wie er ein Kind in die Mitte seiner Jünger rief (vgl. Mt 18,3). Und plötzlich sind die, die meinen in der Mitte zu stehen, am Rande, und die am Rande in der Mitte.

Vielleicht müssen wir sehr bewusst an die Ränder gehen, um wahrzunehmen, welche Menschen Gott in unsere Mitte stellt und plötzlich IHN auch zu sehen, der in der Mitte zwischen den Schächern gekreuzigt wurde (vgl. Joh 19,18). Vielleicht entdecken wir dann auch die ausgegrenzten Menschen im Osten Europas in unserer Mitte, und IHN mitten unter ihnen.

An die Ränder gehen und die Menschen in der Mitte nicht nur am Rande miterleben! Vielleicht kommen wir so mit uns zu Rande.

Von Heiner Koch, Bischof von Dresden-Meißen, Vorsitzender des Renovabis-Trägerkreises

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