Dialog zwischen Christen und Muslimen

Name: Fr. Gideon Pwakim

Heimatland: Nigeria

Studienort: Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt

Fach: Missionswissenschaft

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Frage: Wie sind Sie auf das Stipendienprogramm aufmerksam geworden?

Fr. Gideon: Die Idee, mich für ein Studium nach Deutschland zu schicken, kam vom Erzbischof meiner Diözese, Ignatius Kaigama. Er beantragte beim Internationalen Katholischen Missionswerk Missio in Aachen eine Förderung. Einige unserer Priester haben bereits von diesem Stipendienprogramm profitiert. Aus Deutschland zurückgekehrt leisten sie nun ihren eigenen Beitrag zum Wachstum der Kirche in unserer Diözese Jos.

Frage: An welcher Hochschule studieren Sie?

Fr. Gideon: Ich habe mein Lizentiat in Frankfurt an der Hochschule Sankt Georgen abgelegt. Nun führe ich dort ein Promotionsprojekt in der Missionswissenschaft durch. Das Thema meiner Doktorarbeit lautet „Die Herausforderungen in den Beziehungen zwischen Christen und Muslimen im Norden Nigerias: Impulse für einen interreligiösen Dialog.“ Das Verhältnis zwischen beiden Religionen im Norden Nigerias ist im Moment ziemlich schlecht. Es gibt Misstrauen, Konflikte und Anfeindungen. In meiner Arbeit suche ich nach einem Weg, den Dialog zwischen Christen und Muslimen zu fördern.

Fr. Gideon Pwakim wurde 2005 durch den Erzbischof von Jos, Ignatius Kaigama, zum Priester geweiht. Privat

Frage: Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Ihrer Heimatkirche und der deutschen sind Ihnen besonders bewusst geworden?

Fr. Gideon: Im Grunde genommen ist die katholische Kirche überall auf der Welt dieselbe. Wir sind beide Teil der lateinischen Kirche und mit Rom uniert. Trotzdem gibt es einige Unterschiede, die mir aufgefallen sind. Zum Beispiel spielen die Laien in Deutschland eine wichtigere Rolle als bei uns. In fast allen Gemeinden gibt es Pastoral- und Gemeindereferenten, die gemeinsam mit den Priestern und Diakonen ihren Teil zur lebendigen Kirche beitragen. In meiner Heimatdiözese dagegen sind wir immer noch bemüht, Laien in das kirchliche Leben mit einzubeziehen. Viele Gläubige denken leider immer noch, dass die Gestaltung der Kirche allein die Aufgabe des Bischofs und der Priester ist. Ich sehe das anders. Wenn die Laien stärker mitgestalten, stärkt dies die Kirche vor Ort und trägt zu einer lebendigen Gemeinschaft bei.

Ein weiterer Unterschied zwischen der Kirche in Deutschland und derjenigen in Nigeria betrifft die Gottesdienste. Hier nehmen nur noch sehr wenige Menschen regelmäßig daran teil. In meiner Heimat hingegen sind die Gottesdienste immer gut besucht – auch von jungen Leuten. Die Messen dauern länger und sind viel lebendiger als in Deutschland.

Darüber hinaus gibt es in Deutschland eine Kirchensteuer und die Geistlichen bekommen ein festes Gehalt. Das ist bei uns nicht üblich. Die Geistlichen in Nigeria leben haupsächlich von dem, was sie von der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt bekommen.

Frage: Welche Chancen bietet ein Stipendienprogramm wie dasjenige der Deutschen Bischofskonferenz?

Fr. Gideon: Das Albertus-Magnus-Programm gibt mir die Möglichkeit, mich akademisch weiterzubilden, meinen Horizont und meine Perspektiven zu erweitern, zum Beispiel durch den Besuch von Konferenzen. Darüber hinaus bietet der Studienaufenthalt die Chance, die Kirche in Deutschland und in meiner Heimat Nigeria zu vergleichen und herauszufinden, was wir voneinander lernen können.

Frage: Wie geht es nach dem Studienabschluss weiter? Werden Sie die Partnerschaft zur deutschen Kirche weiterführen?

Fr. Gideon: Nach meinem Studium werde ich nach Nigeria zurückgehen und dort eventuell in unserem Priesterseminar, St. Augustine’s Major Seminary, in Jos tätig werden. Es ist mein großer Wunsch, die Partnerschaft zur Kirche in Deutschland auch nach dem Ende meines Studienaufenthalts weiterzuführen. Mit ihren unterschiedlichen Glaubenserfahrungen können die deutsche und die nigerianische Kirche einander bereichern – und ich möchte Teil dieses Prozesses sein.

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