Auf den Spuren der Basisgemeinden

Name: Pater Aires de Sousa Santos

Alter: 41 Jahre

Heimatland: Brasilien

Studienort: Theologische Fakultät Paderborn

Fach: Pastoraltheologie/Caritaswissenschaften

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Frage: Wie sind Sie auf das Stipendienprogramm aufmerksam geworden?

P. Aires: Ich habe meinen Deutschkurs (C1) im Erzbistum Berlin absolviert. Dort erfuhr ich auch vom Albertus-Magnus-Programm.

Frage: An welcher Hochschule studieren Sie?

P. Aires: Ich promoviere an der Theologischen Fakultät Paderborn zum Thema „Basisgemeinden in Brasilien – Eine pastoraltheologische Untersuchung zu Bedeutung und Wandel einer befreiungstheologisch inspirierten Sozialform der Kirche“. Darüber hinaus bin ich in verschiedenen Paderborner Gemeinden und in der portugiesischen Gemeinde als Subsidiar eingesetzt.

Frage: Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Ihrer Heimatkirche und der deutschen sind Ihnen besonders bewusst geworden?

P. Aires: Es gibt viele Unterschiede zwischen meiner Heimatkirche und derjenigen, die ich in Berlin und Paderborn als Gast erlebt habe. Der Hauptunterschied ist die Kultur. Es ist schwer, einen Spontandialog mit den Menschen zu entwickeln. Allerdings habe ich bei meinen kurzen Besuchen in Ellwangen und Schwäbisch Gmünd eine offenere Kommunikationsart als im Norden festgestellt. Manche meinen, im Norden sei die eher distanzierte Haltung auf die „strenge“ preußische Tradition zurückzuführen, während im Süden die freundliche spontane Art eher der brasilianischen Mentalität entgegenkommt.

Die deutsche Sprache ist sehr strukturiert. Dadurch entwickelt sich innerhalb der Kultur eine bestimmte Rolle, die es zu beachten gilt. Ich kann nicht einfach sagen „Priester“, „Vater“, „Padre“ oder den Vornamen. Ich muss den Kommunikationszusammenhang und die Rollenkonstellation beachten und genau wissen, welchen richtigen Titel oder Familiennamen die Person hat. Das ist die Kultur und wir müssen darauf achten. Für mich als Ausländer ist es jedoch nicht ganz einfach, bestimmte Sprachgrenzen zu überwinden.

„Aber egal, wo ich auch bin – ob in Brasilien oder Deutschland – ich möchte zusammen mit der jeweiligen Gemeinde wachsen, damit meine Evangelisation sich verwirklicht!“

Die Laien in Deutschland spielen eine wichtige Rolle. Sie sind jedoch nicht wichtiger als bei uns in Brasilien. In meiner Heimat sind die Laien aktiver an kirchlichen Prozessen beteiligt. Sie investieren ihre freie Zeit für die Kirche, ohne Geld dafür zu bekommen. Die Arbeit in der Kirche in Deutschland ist spezialisiert und professionell. Bei uns in Brasilien ist sie freier, spontaner und abhängig von vielen Dingen, die manchmal nicht gut funktionieren. Darum entwickelt sich Improvisation, Dynamik und Kreativität.

Ich habe während meines Aufenthalts in Deutschland viel gelernt und verstanden. Dabei ist das Ankommen in einer anderen Kultur stets eine Herausforderung. Aber egal, wo ich auch bin – ob in Brasilien oder Deutschland – ich möchte zusammen mit der jeweiligen Gemeinde wachsen, damit meine Evangelisation sich verwirklicht!

Frage: Welche Chancen bietet ein Stipendienprogramm wie dasjenige der Deutschen Bischofskonferenz?

P. Aires: Der kulturelle und religiöse Austausch ist für die Mission, die Verkündigung und die Dynamisierung des Glaubens sehr wichtig. Wenn eine Kirche sich isoliert, kann sie nicht weitergehen. Schauen wir zum Beispiel auf die lebendigen Diözesan- und Gemeindepartnerschaften, die in der katholischen Weltkirche bestehen. Auf dieser Ebene können Gläubige gemeinsam und wechselseitig gute Dinge für ihre Gemeinden entwickeln und voneinander profitieren.

Frage: Wie geht es nach dem Studienabschluss weiter? Werden Sie die Partnerschaft zur deutschen Kirche weiterführen?

P. Aires: Nach meinem Studium wird der Bischof meiner Heimatdiözese Balsas zusammen mit mir entscheiden, wo ich mein Amt in Brasilien weiter ausüben kann. Das kann in Balsas sein oder an der Katholischen Fakultät in der Erzdiözese Sao Luis. Ich bin meiner Diözese sehr dankbar für die Möglichkeit, die katholische Kirche in Deutschland kennenlernen zu können. Auch den Comboni Missionaren und Ordensschwestern möchte ich danken, die viel für uns getan haben und immer noch tun. Ich habe in Deutschland Freundschaften geschlossen, die ich auch nach meinem Studium weiter ausbauen möchte. Eines ist sicher: Ich habe meine persönlichen Ansichten über Ländergrenzen hinaus positiv erweitern können. Im Sinn eines Ausspruchs von Dom Hélder Camara lässt sich an dieser Stelle zusammenfassen: Glücklich ist, wer versteht, was es braucht, um viel zu ändern und doch immer derselbe zu bleiben.

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