Ägypten – ein Land im Umbruch

  • Sonntag der Weltmission

Mit einem Pontifikalamt im Hohen Dom zu Köln wird am kommenden Sonntag, 6. Oktober, die Missio-Aktion zum Sonntag der Weltmission bundesweit eröffnet. In diesem Jahr im Fokus: die katholische Kirche Ägyptens, die sich trotz der angespannten Lage im Land weiter für die Menschen einsetzt. Im Interview mit dem Internetportal Weltkirche sprechen die Präsidenten der Päpstlichen Missionswerke in Deutschland, Prälat Klaus Krämer (Missio Aachen) und Pater Eric Englert (Missio München), über die Situation der Christen im Land am Nil und über das vielfältige Programm im Monat der Weltmission.

Frage: Warum stellt Missio in diesem Jahr Ägypten in den Mittelpunkt der Aktion?

Englert: An einem konkreten Beispiel lässt sich ein Thema viel leichter anschaulich darstellen. Deshalb wählen wir bei Missio jedes Jahr zu einem Thema immer ein Beispielland aus. 2013 geht es um das Leben der Christen als Minderheit. In einer islamisch geprägten Gesellschaft legt die Kirche durch ihr starkes diakonisches Wirken ein unschätzbares Zeugnis für den christlichen Glauben ab. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen hat das eine hohe Aktualität und ist unsere Solidarität in besonderem Maß gefordert.

Krämer: Als wir vor zwei Jahren Ägypten auswählten, war uns der Arabische Frühling noch in Erinnerung. Missio wollte in diesen Umbrüchen Solidarität mit den Menschen in Ägypten zeigen – und damit die Bedeutung des Weltmissionssonntags hervorheben. Dazu haben wir der Aktion in diesem Jahr das Motto „Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben“ gegeben. Seit unserer Entscheidung für Ägypten ist viel passiert, aber angesichts der Ereignisse der vergangenen Monate brauchen die Christen in Ägypten mehr denn je unsere Unterstützung! Schon heute hilft Missio auf vielfältige Weise und unterstützt wichtige Projekte im Sozialbereich. Dies will Missio gerne mit Hilfe der Spender intensivieren.

Frage: Seit dem Sturz von Präsident Mursi befindet sich Ägypten in einer schweren politischen Krise. Unter den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Militär und Anhängern der Muslimbruderschaft leidet auch die christliche Minderheit. Wie sieht die Zukunft der Christen im Land am Nil aus?

Ägyptische Demonstranten Stark / Missio

Krämer: Ohne Frage ist für die Christen in Ägypten derzeit die Lage ungewiss. Einerseits sind sie froh, dass Präsident Mursi nicht mehr an der Macht ist, andererseits ist derzeit unsicher, was folgen wird. Aber die Christen in Ägypten sind nicht resigniert, sondern voller Hoffnung auf eine Zukunft in Freiheit. Sie müssen sich überlegen, dass die Christen Ägyptens bisher wegen ihrer Religion benachteiligt und diskriminiert wurden. Ihre Stimme für ein demokratisches, freies Ägypten, in dem sie ihre Religion frei leben können, wurde bisher nicht gehört. Mit den Umbrüchen der vergangenen Monate haben die Christen wieder neue Hoffnung. Missio unterstützt sie dabei nicht nur mit Spenden, sondern auch, indem es die Politik und Christen in Deutschland mit einer neuen Initiative auf die Lage bedrängter Christen u.a. auch in Ägypten aufmerksam macht.

Englert: Trotz aller aktuellen Schwierigkeiten und Probleme sind unsere Projektpartner in Ägypten weiterhin optimistisch. Sie betonen, dass es über viele Jahrhunderte hinweg ein friedliches Neben- oder Miteinander der verschiedenen Religionen gegeben hat. Wichtig wird sein, dass es gelingt, die derzeitigen Konflikte nicht religiös aufzuladen, sondern die grundlegenden Probleme wie Arbeitslosigkeit, Armut und Bildung anzupacken.

Frage: Im Monat der Weltmission sind zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen geplant. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Krämer: Bei über 300 Veranstaltungen im Monat der Weltmission fällt es mir schwer, eine besondere herauszuheben. Ein Highlight ist sicher die Eröffnung der Aktion , die in diesem Jahr am 6. Oktober 2013 mit Kardinal Meisner im Kölner Dom stattfindet. Besonders freue ich mich zudem auf die elf Gäste , die wir in diesem Jahr im Rahmen der Aktion begrüßen dürfen. Sie werden auf den Veranstaltungen in den deutschen Bistümern über die aktuelle Lage in Ägypten und ihr Leben als Christen in diesem Land berichten. Aus ganz verschiedenen Lebenssituationen erzählen Bischöfe, Priester, eine Ordensschwester und Laien von ihrer Situation in Ägypten. Wer an den Veranstaltungen teilnimmt, bekommt damit einen direkten Einblick, den Ihnen kein TV-Sender vermitteln kann.

Englert: Die Begegnung mit Persönlichkeiten aus der Weltkirche ist für mich immer eine große Bereicherung. In diesem Jahr kommt dazu, dass wir in der Bayerischen Kirchenprovinz das 175-jährige Jubiläum des Ludwig Missionsvereins feiern, wie Missio bei uns bis 1972 mit erstem Namen geheißen hat. Bei einem Festabend am 19. Oktober werden keine langen Reden gehalten, sondern werden wir auf abwechslungsreiche Weise das Wirken unseres Hauses vorstellen. Wichtig und unverzichtbar ist natürlich der Pontifikalgottesdienst mit unseren Gästen am Weltmissionssonntag in der Münchner Kathedrale. Ich freue mich, dass bei vielen Veranstaltungen die Kirche als weltweite Gemeinschaft lebendig und erfahrbar wird.

Die Interviews führte Lena Kretschmann.

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