Den Garten der Welt bebauen und hüten

  • Geistliche Impulse

Das Verhältnis von Mensch und Natur war lange geprägt durch die Einladung im Schöpfungsbericht, die Erde zu „unterwerfen“ (Gen 1,28), was „die wilde Ausbeutung der Natur begünstigt.“ Demgegenüber betont Papst Franziskus den biblischen Auftrag, den Garten „zu bebauen und zu hüten“ (Gen. 2,15). Die Enzyklika „Laudato Si“ entwickelt eine vertiefte Theologie der Schöpfung, die den Menschen als Teil der Natur wie auch als verantwortlichen Mitarbeiter Gottes sieht. Nur eine ausgewogene Anthropologie schafft die Grundlage für eine zukunftsfähige Ökologie.

  • Wir sind nicht Gott. Die Erde war schon vor uns da und ist uns gegeben worden … Die biblischen Texte laden uns ein, den Garten der Welt zu „bebauen“ und zu „hüten“. Während „bebauen“ kultivieren, pflügen oder bewirtschaften bedeutet, ist mit „hüten“ schützen, beaufsichtigen, bewahren, erhalten, bewachen gemeint. (Laudato Si 67)
  • Von „Schöpfung“ zu sprechen ist für die jüdisch-christliche Überlieferung mehr als von Natur zu sprechen … Die Natur wird gewöhnlich als ein System verstanden, das man analysiert, versteht und handhabt, doch die Schöpfung kann nur als ein Geschenk begriffen werden, das aus der offenen Hand des Vaters aller Dinge hervorgeht, als eine Wirklichkeit, die durch die Liebe erleuchtet wird, die uns zu einer allumfassenden Gemeinschaft zusammenruft. (76) Die Welt ist mehr als ein zu lösendes Problem, sie ist ein freudiges Geheimnis, das wir mit frohem Lob betrachten. (12)
  • Viele Dinge, die wir als Übel, Gefahren oder Quellen des Leidens ansehen, sind in Wirklichkeit Teil der „Geburtswehen“, die uns anregen, mit dem Schöpfer zusammenzuarbeiten. Er ist im Innersten aller Dinge zugegen, ohne die Autonomie seines Geschöpfes zu beeinträchtigen. (80) Das Universum entfaltet sich in Gott, der es ganz und gar erfüllt. (233)
  • Wenn wir den Wert und die Zerbrechlichkeit der Natur erkennen und zugleich die Fähigkeiten, die der Schöpfer uns verliehen hat, gestattet uns das, heute mit dem modernen Mythos vom unbegrenzten materiellen Fortschritt Schluss zu machen. Eine zerbrechliche Welt mit einem Menschen, dem Gott sie zur Obhut anvertraut, appelliert an unsere Vernunft, um zu erkennen, wie wir unsere Macht orientieren, ausüben und beschränken müssten. (78)
  • In der Moderne gab es eine große anthropozentrische Maßlosigkeit, die unter anderer Gestalt heute weiterhin jeden gemeinsamen Bezug und jeden Versuch, die sozialen Bande zu stärken, schädigt. Deswegen ist der Moment gekommen, der Wirklichkeit mit den Grenzen, die sie auferlegt und die ihrerseits die Möglichkeit zu einer gesünderen und fruchtbareren menschlichen und sozialen Entwicklung bilden, wieder Aufmerksamkeit zu schenken. (116)
  • (Der Mensch) ist nicht bloß etwas, sondern jemand … Was für eine wunderbare Gewissheit ist es, dass das Leben eines jeden Menschen sich nicht in einem hoffnungslosen Chaos verliert, in einer Welt, die dem puren Zufall unterliegt oder Zyklen, die sich sinnlos verholen. (65)

„Die Reichtümer der Natur können von uns genutzt werden. Aber wir haben die moralische Pflicht, sie in ihrem Zustand zu belassen. Wenn du in einem Buschgebiet unterwegs bist, wirst du unzählige Fruchtbäume finden. Du wirst essen, soviel du musst. Den Rest wirst du für diejenigen übriglassen, die nach dir kommen.“

— Chenjerai Hove

© Netzwerk Afrika Deutschland

Netzwerk Afrika Deutschland

Im Netzwerk Afrika Deutschland „Glaube und Gerechtigkeit“ e. V. haben sich über 40 katholische Ordensgemeinschaften zusammengetan, die in Afrika Missions- und Entwicklungsarbeit leisten. Die Ziele des Netzwerks sind unter anderem Information und Bewusstseinsbildung über Afrika, Lobbyarbeit in der deutschen Öffentlichkeit sowie die Zusammenarbeit mit missionierenden Orden und geistlichen Gemeinschaften, die in Afrika arbeiten.

www.netzwerkafrika.de

Alle Impulse des Netzwerks Afrika Deutschland finden Sie hier:

zu den Impulsen

Weitere Informationen und Materialien zum Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit finden Sie in unserem Dossier.

Zum Dossier

Sie möchten auch „Klimapilger“ werden? Dann melden Sie sich hier für die Teilnahme am Ökumenischen Pilgerweg an:

 

Zur Website