Den Politikern Beine machen

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Kann man aus der Vielzahl der entwicklungspolitischen Aktivitäten eine besonders hervorheben? Ich denke, mit einer gewissen Berechtigung trifft das wohl auf den ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit zu. Im September startend verläuft er über Hamburg, Münster, Köln und Trier nach Paris. Dort findet Anfang Dezember die 21. UN-Klimakonferenz statt, auf der über weltweite Klimaziele für die Zeit nach 2020 entschieden wird.

Die Pilger fragen sich: Kann es denn wirklich sein, dass Verantwortliche in Wirtschaft und Politik immer noch die Augen vor der dreifachen Wahrheit verschließen, die erst kürzlich von den Wissenschaftlern im Weltklimarat bestätigt worden ist?

Ulrich Jost-Blome aus dem Bistum Münster auf der Jahrestagung Weltkirche und Mission 2014 Przybylski / weltkirche.katholisch.de

1. Der Klimawandel findet statt. 2. Der Klimawandel geht im Wesentlichen auf unsere Kappe als Folge unserer Art zu leben und zu produzieren. 3. Der Klimawandel geht im Wesentlichen zu Lasten der Armen in den Entwicklungsländern. Das sind die Fakten! Warum werden sie bagatellisiert? Wo bleibt der politische Wille, sich ihnen zu stellen und zu verhindern, was noch zu verhindern ist?

Der Klima-Pilgerweg, von Christen initiiert, aber offen für alle, ist beides: Prozession und Demonstration. Zum einen werden Pilger, die sich auf den Weg von Flensburg nach Paris machen, „mit den Füßen beten“. In Liedern, Texten oder in Stille werden sie sich der bedrohten Schöpfung zuwenden. Zum anderen ist der Zug der Pilger aber auch eine kraft- und machtvolle politische Aktion, die nicht übersehen werden kann. Die Pilger wollen „den Politikern Beine machen“.

Sie, liebe Eine-Welt-Aktive, lade ich ein, sich zu beteiligen: entweder durchs Mitpilgern oder – falls die geplante Strecke nicht durch ihr Gebiet führt und sie auch keine „Zuläufe“ planen – durch Veranstaltungen oder Gottesdienste vor Ort. Denn: Kirchturmpolitik ist die schon lange nicht mehr verantwortbare Antipode zur Wahrnehmung globaler Verantwortung.

Von Ulrich Jost-Blome, Bistum Münster

Quelle: Infodienst der Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt-Gruppen im Bistum Münster und der Evangelischen Kirche von Westfalen. Mit freundlichem Dank für die Genehmigung.

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