Raus aus dem Schattendasein

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Es ist eine Art La-Ola-Welle des Glaubens, die am Weltgebetstag der Frauen (WGT) den Globus umrundet. In diesem Jahr von Frankreich ausgehend, feiern Frauen aus 170 Ländern in ihren Heimatgemeinden ein und denselben Gottesdienst. Im Namen Gottes und im Namen von Frauen, die im Schatten der Gesellschaft stehen.

Alle fünf Jahre trifft sich die Weltversammlung des WGT in New York, um über Themen für die kommenden Weltgebetstage zu sprechen. Mit dabei rund 200 Teilnehmerinnen, die Geschichten aus ihren Ländern mitbringen. Geschichten von Frauen, die sie gerne ans Licht bringen möchten. In diesem Jahr geht es nun um Fremde in Frankreich. Frauen, Männer und Kinder, die ihrer Heimat den Rücken kehrten, auf der Suche nach mehr Sicherheit.

Das französische Weltgebetstagskomitee hat dazu einen Gottesdienst gestaltet und ihn überschrieben mit dem Bibelzitat „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35). Die Liturgie gibt Raum für persönliche Geschichten, die in allen Gottesdiensten vorgetragen werden. Wie es ist, als Fremde nach Frankreich zu kommen, erzählt unter anderem Marie Leon aus Ruanda, die dort vor dem Völkermord geflohen ist und in Frankreich Asyl erhalten hat.

„La Cimade“ bietet den Zuwanderinnen eine Unterkunft

Oder Irene aus der Ukraine, die von Frauenhändlern ins Land gebracht wurde. Für Frauen wie sie, die zur Prostitution gezwungen werden, oder Zuwandererinnen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, gibt es wenige Zufluchtsorte in Frankreich. Sie landen häufig auf der Straße und erfahren dort erneut Gewalt. Um diese Frauen kümmern sich die 100 Hauptamtlichen und rund 2.500 Ehrenamtlichen der ökumenische Organisation „La Cimade“.

Die senegalesische Insel Gorée ist ein Mahnmal gegen Sklaverei. KNA

Zum Beispiel in der Herberge Massy bei Paris. Hier werden Frauen mit ihren Kindern aufgenommen. Sie erhalten psychosoziale Betreuung, damit sie ihre Erlebnisse verarbeiten können. Die Mitarbeiter unterstützen sie beim Beantragen staatlicher Hilfen. Ihre Kinder können den Kindergarten oder die Schule besuchen und Freizeitangebote im Herbergszentrum wahrnehmen.

Finanziert werden solche Projekte weltweit durch Kollekten aus den Gottesdiensten des Weltgebetstages. Wie dem in Hamburg, wo Frauen den ökumenischen Gottesdienst in einer großen gemeindelosen Kirche, dem „Haus der Ökumene“, feiern. Mit dabei sind Frauen aus Korea, aus Ghana, aus Indonesien oder Indien. Im Gottesdienst lesen sie die Geschichten der Migrantinnen aus Frankreich vor, obwohl sie auch ihre eigenen erzählen könnten.

„Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Texte des Gottesdienstes nicht zu verändern, weil keine politische Veranstaltung daraus werden soll“, erklärt Pastorin Ute Gerstner, die den Gottesdienst leitet. Und doch weiß sie, ihre Geschichten sind ganz ähnlich. „Die Ressentiments sind nach wie vor groß, auch wenn Deutschland schon seit dem Mauerfall faktisch ein Zuwanderungsland ist.“

Fremde willkommen heißen

Gerstner hat 14 verschiedene ökumenische Veranstaltungen in der Vorbereitung des diesjährigen Weltgebetstages der Frauen organisiert. Im Mittelpunkt stand dabei der Gottesdienst, aber auch das Thema „Fremdsein“, etwa bei einem gemeinsamen Nachmittag in der afrikanischen Gemeinde. Es gebe immer noch viele Vorbehalte gegenüber Fremden, hat sie dabei erfahren. Wenn etwa eine deutsche Familie am Flughafen bei der Einreise von der ausländisch aussehenden Mutter getrennt wird und Mann und Kinder unbehelligt passieren können, während sie stundenlang gefilzt wird. „Da spürt man, dass die allgemeinen Verdachtsmomente gegenüber Fremden allgegenwärtig sind.“

Das französische Weltgebetstagskomitee will Menschen mit seinem Gottesdienst zum Weltgebetstag 2013 aufrütteln, solidarisch zu sein und Fremde wirklich willkommen zu heißen. Denn so heißt es in der Bibel: „Jesus schaut uns aus jedem fremden Gesicht an.“

Von Janina Mogendorf

Weltgebetstag der Frauen

Immer am ersten Freitag im März feiern Frauen, Männer, Kinder weltweit den Weltgebetstag (WGT). Der Gottesdienst wird jedes Jahr von Frauen aus einem anderen Land vorbereitet. Diese Frauen sind Mitglieder in unterschiedlichen christlichen Kirchen. Die Feier des Gottesdienstes und das Engagement für Gerechtigkeit und Frauensolidarität gehören beim WGT untrennbar zusammen. Das zeigt sich unter anderem in der Förderung von Frauenprojekten weltweit. Hierfür wird der Großteil der Kollekte verwendet, die bei den WGT-Gottesdiensten in Deutschland zusammenkommt.

www.weltgebetstag.de

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