Misereor-Unternehmerforum will Brücken schlagen

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Commitments“, „Persistenzeffekte“, „Business Cases“ auf der einen, „Menschrechts-Policy“, „Gerechtigkeitsdebatten“, „UN-Leitprinzipien“ auf der anderen Seite: Wenn Unternehmer auf Entwicklungshelfer treffen, klingt das erst einmal nach babylonischer Sprachverwirrung. Seit etwas mehr als einem Jahr versucht das katholische Hilfswerk Misereor, Vertreter beider Gruppen miteinander ins Gespräch zu bringen: über ein eigenes „Unternehmerforum“. Das jüngste Treffen fand am Donnerstag in der Bonner Telekom-Zentrale statt. Kein schlechter Platz. Schließlich belegt die Telekom mit ihren weltweit rund 230.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 58 Milliarden Euro im Telekommunikationsbereich einen Spitzenplatz.

„Was bedeutet für uns gutes Leben?“

Die zentrale Frage laute: „Was bedeutet für uns gutes Leben?“, stellt Misereor-Chef Pirmin Spiegel eingangs klar. Ein allgemein verständliches Anliegen, das zugleich über den unmittelbaren Kreis der rund 70 Teilnehmer des Bonner Treffens, darunter Telekom-Chef Rene Obermann, der frühere thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) oder der Energiewissenschaftler Eberhard Jochem, hinausweist. Es geht, allgemein gesprochen, um die Zukunft der Menschheit und jene Aspekte, die Hilfswerke wie Unternehmen gleichermaßen betreffen: etwa einen schonenderen Verbrauch von Rohstoffen oder menschenwürdige Arbeitsbedingungen und neue Definitionen von Wirtschaftswachstum.

Das Forum, das sich bisher in eher diskretem Rahmen traf, will, wie es Spiegel ausdrückt, „zuhören, fragen und eine kritische Auseinandersetzung fördern“. Das also, was zwischen Politik und Nichtregierungsorganisationen mal besser mal schlechter funktioniert, auch auf den Bereich der Unternehmen ausdehnen. „Wir wissen um die Bedeutung der Wirtschaft für das, was wir Entwicklung nennen, und unsere Partner wissen das auch“, sagt der Misereor-Mann. Zugleich räumt er ein, dass Ziele wie Gewinnstreben und gesellschaftlich verantwortliches Handeln im Alltag oft schwer miteinander zu vereinbaren seien.

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Beispiel aus der Spielwarenindustrie

Ein Beispiel: Der auf die Zulieferer in der Spielwarenindustrie zugeschnittene „ICTI Care Process“. Hinter dem Zungenbrecher verbirgt sich ein Verfahren, dass die Betriebe dazu anhalten soll, arbeitsrechtliche und soziale Mindeststandards für die Beschäftigten zu garantieren. Aufgrund der vergleichsweise überschaubaren Verhältnisse in der Branche – fast 80 Prozent der Betriebe sitzen in China, das globale Umsatzvolumen liegt bei 83,3 Milliarden US-Dollar (63,7 Milliarden Euro) – räumen Experten, wie der Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Nick Lin-Hi, dem Vorhaben eigentlich gute Chancen ein, die Verhältnisse zu verbessern. Eigentlich. Tatsächlich weigerten sich die Abnehmer, also Markenunternehmen in Deutschland und anderen Ländern, aber oftmals, diese Anstrengungen auch finanziell angemessen zu honorieren.

Menschenwürde, Zusammenhalt und Verantwortung für die Gesellschaft

„Damit droht der ganze Prozess zu scheitern“, fasst Lin-Hi zusammen, der für Misereor eine Studie zu dem Thema verfasst hat. Ob es aber hilft, Übeltäter an den Pranger zu stellen? Der Leiter des Bereichs Unternehmensverantwortung beim Kaffeeröster Tchibo, Achim Lohrie, hat da so seine Bedenken. Sinnvoller sei es, die Unternehmen von dem positiven Imagegewinn eines Engagements bei Umweltschutz und Menschenrechten zu überzeugen. Das Misereor-Unternehmensforum könnte hier durchaus ansetzen, indem es sich in Wirtschaftskreisen für derartige Belange stark macht. Im Grunde genommen, meint Telekom-Chef Obermann, geht es darum, die Maximen der katholischen Soziallehre mit Leben zu füllen: „Menschenwürde, Zusammenhalt und Verantwortung für die Gesellschaft.“ So schnell können Unternehmer und Entwicklungshelfer zusammenfinden.

Von Joachim Heinz

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Mehr Informationen finden Sie auf www.misereor.de .