Klug kaufen

  • Aktionswoche

Am Wochenende lockte der verkaufsoffene Sonntag wieder Schnäppchenjäger in die Bonner Innenstadt. Wie viele Jeans, Pullis und Herbstmäntel an diesem Tag über die Ladentheke wanderten, lässt sich nur vermuten. Zerzauste Frisuren, prallgefüllte Tüten und leuchtende Augen deuten am Ende solcher Tage meist auf reiche Beute hin.

Ebenfalls am Wochenende begann die Aktion "Klug kaufen" der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). In der Woche vor dem katholischen Erntedankfest will sie vor allem eins: aufmerksam machen. Auf das eigene, oft unreflektierte Kaufverhalten. Auf Menschen, die deshalb am südlichen Ende der Nahrungskette verhungern. Und auf die Macht, die man als Konsument wirklich hat. Bundesweit führen KAB-Vereine Veranstaltungen, Umfragen, öffentliche Aktionen, TV-Kochkurse und Gottesdienste in der Erntedankwoche und dem internationalen Tag der menschenwürdigen Arbeit, dem 7. Oktober, durch.

„Konsum, konsumieren und kaufen ist immer direkt mit menschlicher Arbeit verbunden. Es beginnt damit, wann wir einkaufen, wo wir einkaufen, was wir einkaufen und wie teuer wir einkaufen.“

— Michael Schäfers, Leiter des KAB-Grundsatzreferates

Mit der bundesweiten Aktion weist die KAB auf ein Problem hin, das so komplex ist wie die Globalisierung, die es mit verursacht: An den Börsen wird mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln spekuliert, Unternehmen melden Patente auf Pflanzen und Tiere an. Die Welt befindet sich in einer Schieflage. Während jeder Europäer 280 Kilogramm Essen im Jahr wegwirft, verhungert alle fünf Sekunden ein Kind. Und das obwohl die Wirtschaft heute problemlos das Doppelte der Weltbevölkerung ernähren könnte, so der World-Food-Report der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO).

Mehr fragen, mehr wissen

Natürlich ist es nicht damit getan, seine überzähligen Brötchen in die armen Länder zu schicken. Tatsächlich exportiert Europa Überschüsse an Lebensmitteln direkt nach Afrika – und macht mit Billigpreisen die lokalen Märkte kaputt und die Kleinbauern arbeitslos... Und trotzdem kann man als Konsument in Deutschland eine Menge tun. Was genau, will die KAB in ihrer Aktionswoche deutlich machen.

Checkliste

  • Kaufen Sie regionale Lebensmittel, unterstützen Sie kleine Geschäfte und Biobauernhöfe.

  • Nutzen Sie saisonale Angebote.

  • Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum und kaufen Sie vorrangig Biofleisch.

  • Kaufen Sie Kaffee, Tee, Schokolade und andere Lebensmittel aus fairem Handel, etwa von Gepa.

  • Meiden Sie gefährdete Fischsorten.

  • Kaufen Sie immer nur so viel, wie tatsächlich benötigt wird.

  • Nehmen Sie eigene Taschen mit zum Einkaufen und meiden Sie Plastiktüten.

Weitere Inhalte

Die GEPA ist Europas größtes Fair-Handels-Haus. GEPA

"Klug kaufen" heißt die Kampagne und klug wird, wer Fragen stellt. Nicht nur nach dem Kaloriengehalt, nach der Verarbeitung oder nach der Speicherkapazität, sondern nach dem "woher". In jedem Produkt stecken Arbeit, Kapital, Rohstoffe, Wissen und Energie. Wer besagten Herbstmantel kauft, sollte zum Beispiel wissen wollen, wer ihn gefärbt hat und unter welchen Bedingungen.

Bei einem T-Shirt für fünf Euro vom Textil-Discounter ist unwahrscheinlich, dass es unter fairen und ökologischen Bedingungen hergestellt worden ist. Gleichzeitig muss "grüne Mode" nicht unweigerlich den Geldbeutel sprengen. Mittlerweile bieten auch große Modelabels Bio-Kleidung zum moderaten Preis an. Infos gibt es unter www.gruenemode.de . Eine schöne Idee sind auch lokale Klamotten-Tauschbörsen. Termine finden sich zahlreich im Netz.

Eine seltene Zutat

Auf die entsprechenden Websites gelangen wir per Smartphone, Tablet-PC und Co, die nach und nach zum unverzichtbarsten Spielzeug avancieren. Handy, Laptop, Flachbildfernseher und Spielekonsolen haben eines gemeinsam: Coltan. Ein Erz, das zu den Seltenen Erden gehört und ohne das ein Handy zwei Kilo wiegen würde. Abgebaut wird es zum großen Teil im Kongo. Unter unmenschlichen Bedingungen und zumeist von Kindern!

Vertrauenswürdige Biosiegel

Einen Wegweiser durch den Biosiegel-Dschungel finden Sie auf dem Aktionsportal "Nachhaltig leben, nachhaltig arbeiten" der KAB.

Lotsen für den Einkauf

Aufs Handy verzichten? Heutzutage kaum realistisch. Aber ob es alle zwei Jahre ein neues Modell sein muss, ist hinterfragbar. Dass man sein altes Handy über Mobilfunkanbieter recyceln kann, ist kaum bekannt. Anders ist es nicht zu erklären, dass nur drei Prozent der Geräte zurückgegeben werden. Dabei könnten viele brauchbare Teile wiederverwertet werden. Wenn Sie also noch Altgeräte in der Schublade haben, können Sie sie bei zum Beispiel über www.handysfuerdieumwelt.de umweltfreundlich loswerden.

So schön die Schnäppchenjagd und so geil der Geiz, früher oder später hinterlässt beides ein schales Gefühl. Denn wer immer möglichst billig kauft, zerstört gute Arbeit und gute Lohnstrukturen. Und zwar nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch in Deutschland. Unternehmen, die dauerhaft niedrige Preise machen, müssen an allen anderen Stellen sparen. Personalkosten sind immer ein großer Posten und so schneidet man sich mit seinem Kaufverhalten irgendwann ins eigene Fleisch.

Selbst ist der Konsument

Apropos Fleisch, hier ist weniger mehr. Wer ein paarmal die Woche darauf verzichtet, kann sich öfter ein Schnitzel aus ökologischer Haltung leisten. Erdbeeren im Januar? Schmecken ohnehin nicht. Lieber saisonale Angebote aus der Region kaufen. Die Verbraucherzentrale informiert in einem Kalender über heimisches Obst und Gemüse. Und: Kunden, die gezielt und nur nach Bedarf einkaufen, werfen später nicht so viel in den Müll, wie nach dem wöchentlichen Großeinkauf.

Und was das Essen betrifft: Wer einen Garten hat, kann ökologisch Gemüse anbauen und dem Etikett "aus der Region" eine ganz neue Dimension verpassen. Aber auch Balkonier haben heutzutage Möglichkeiten, eigene Produkte zu ernten. Urban Gardening ist das Zauberwort. Dahinter verstecken sich unter anderem auch Gemüsegärten zum Mieten und selbst bewirtschaften. Zum Beispiel unter www.meine-ernte.de .

Ein Trend, der sich im Zuge des Cocoonings - dem Rückzug ins Privatleben - immer weiter ausbreitet, trägt ebenfalls zum nachhaltigen Verhalten bei. Selber machen ist die Devise. Handarbeitsgeschäfte erfahren neuerdings eine Renaissance, es wird genäht, gestrickt und gefilzt. Flohmärkte sind immer gut besucht. Alte Möbel liegen im Trend, sie selbst auf- und umzuarbeiten macht nicht nur eingefleischten Heimwerkern Spaß.

Und noch eine gute Idee zum Schluss: KAB-Gruppen im Bistum Rottenburg-Stuttgart sammelten unlängst Fallobst, kochten davon Most und verkauften ihn. Der Erlös ging an Projekte in Uganda. Eine beispielhafte Aktion, die fairen Konsum auf den Punkt bringt. Wer sie nachmachen will, findet unter www.mundraub.org herrenlose Fallobstwiesen in seiner Nähe.

Von Janina Mogendorf

KAB-Aktionswoche 2012

Mit einer bundesweiten Aktionswoche vom 29. September bis zum 7. Oktober trägt die KAB Deutschlands das Jahresthema "Klug kaufen" aus dem Würzburger Beschluss "Fair teilen statt sozial spalten - Nachhaltig leben und arbeiten" in eine breite Öffentlichkeit.

Sie wollen das Anliegen der KAB unterstützen und die Aktionswoche aktiv mitgestalten? Materialien für Erntedank-Gottesdienste, Hintergrundberichte und Aktionsbeispiele finden Sie hier:

Aktionswoche "Klug kaufen!"

Thema Fairer Handel

Einen umfassenden Überblick zum Engagement der Kirche im "Fairen Handel" finden Sie in unserer Rubrik "Themen":

Fairändern!

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