Haiti:Rotes Kreuz erwartet schwierige Ernährungslage

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Haiti steht nach dem Wirbelsturm "Sandy" erneut vor gravierenden Ernährungs- und Gesundheitsproblemen. Rund 70 Prozent der Ernten seien zerstört, sagte Astrid Nissen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) am Montag im Deutschlandfunk. Es drohten "extreme Engpässe in der Versorgung der Bevölkerung"; nach einer lang anhaltenden Trockenperiode im Frühjahr sei jetzt schon die zweite Ernte stark geschädigt. Von einer drohenden Hungersnot wollte Nissen, die sich derzeit in Haitis Hauptstadt Port au Prince aufhält, aber nicht sprechen.

Notstand ausgerufen

Im Kampf gegen die Folgen von Wirbelsturm "Sandy" hatte Haitis Regierung am Sonntag um Unterstützung aus dem Ausland gebeten. Premierminister Laurent Lamothe rief die internationale Gemeinschaft und internationale Organisationen auf, Hilfsgüter zu liefern.

Bereits am Samstag hatte die Regierung den Notstand ausgerufen, weil dem Land wegen des Hurrikans eine Hungersnot drohe. Schwere Regenfälle hatten für großräumige Überschwemmungen gesorgt, als "Sandy" westlich an Haiti vorbeizog. Nach Behördenangaben kamen dabei mindestens 52 Menschen ums Leben.

Verteilung von Saatgut, Booten und Netzen

Laut Nissen besteht auch die Gefahr, dass sich eine bereits grassierende Choleraepidemie ausweitet. Es habe in der vergangenen Woche einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen gegeben. Betroffen von Wirbelsturm "Sandy" waren laut Nissen vor allem die drei südwestlichen Departements des Landes; sie waren von den großen Erdbeben vor drei Jahren nicht so stark betroffen. Damals starben über 200.000 Menschen.

Das Rote Kreuz will jetzt insbesondere durch die Verteilung von Saatgut sowie die Vergabe von Booten und Netzen und anderen Materialien helfen, die für die Fischerei benötigt werden.

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