Alltag von Christen in Pakistan

  • Interreligiöser Dialog - 14.06.2018

Die Gebete für Asia Bibi reißen nicht ab, erzählt Erzbischof Sebastian Francis Shaw aus der Diözese Lahore in Pakistan. Die wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilte Christin sitzt nach wie vor in Haft. Ihr Fall zeigt, dass das Leben von Christen in der Islamischen Republik Pakistan nicht einfach ist. Darüber berichtete der Erzbischof der mit 450.000 Katholiken größten Diözese Pakistans bei der Jahrestagung Weltkirche und Mission vom 4. bis 6. Juni 2018 in Würzburg.

Frage: Herr Erzbischof, was können Sie zum Fall der zum Tode verurteilten pakistanischen Christin Asia Bibi sagen?

Erzbischof Shaw: 2010 wurde Asia Bibi zum Tode verurteilt. Das geschah auf Grundlage des Blasphemiegesetzes. Seither sitzt sie im Gefängnis. Auch eine Berufungsklage vor dem Hohen Gericht wurde abgelehnt. Nun liegt der Fall beim Obersten Gerichtshof. Die Entscheidung liegt in dessen Hand. Viele Menschen beten für die Freilassung von Asia Bibi. Sie verstehen, dass sie unschuldig ist. Wir hoffen also, dass sie eines Tages Gerechtigkeit erfährt. Und auch wieder ihre Familie treffen kann.

Frage: Am Beispiel Asia Bibi sehen wir, dass es Christen in der pakistanischen Gesellschaft schwer haben. Können Sie Beispiele aus dem Alltag nennen?

Shaw: Das Alltagsleben zwischen Christen, Muslimen, Hindus und auch Sikh in Pakistan verläuft normal, jeder lebt sein Leben. Christen arbeiten in Schulen, Banken und so weiter. Aber es gibt einzelne Gruppen, die versuchen, Menschen, die anders sind als sie, zu schikanieren oder gar anzugreifen. Sie tolerieren es nicht, dass es andere Glaubenspraktiken und Gebetsorte gibt. Also greifen sie an. Sie greifen Kirchen an, manchmal auch Moscheen. Sie mögen nämlich auch den mystischen Islam nicht. Für die Religionsfreiheit ist das ein großes Problem. Aber im Alltag leben die Menschen ein normales Leben, feiern ihre Feste. Aber wenn es um die Religion geht, ist der Grad der Toleranz sehr niedrig. Deshalb haben wir Probleme. Auch die pakistanische Armee versucht, den Menschen zu helfen. Deswegen hoffe ich, dass die Situation sich künftig verbessert.

Frage: Wie sehr ist der Staat an der Diskriminierung von Minderheiten beteiligt und inwiefern kommt sie aus der Bevölkerung selbst?

Shaw: Die Regierung versucht, alle Minderheiten zu beschützen. Die Regierung sorgt für Sicherheit bei größeren Festen wie Weihnachten, Ostern oder bei Sonntagsmessen. Gleichzeitig sind die islamistischen Terrorgruppen sehr stark und gut organisiert. Ihnen gegenüber steht die Regierung schwach da. Deshalb kommt es manchmal zu Angriffen auf Kirchen oder auch im Freien, in Parks. Diese Probleme haben wir und das sehen sie auch immer wieder in den Nachrichten. Gleichzeitig nehmen viele muslimische Gelehrte und Imame Teil am Interreligiösen Dialog. So kommen sich Christen und Muslime näher. Wir versuchen, den Glauben und das Bekenntnis von Menschen anderer Religionen zu verstehen und zu respektieren. Und sie respektieren unseren Glauben und unsere Glaubenspraxis. Auch wenn es zweifelsohne Schwierigkeiten gibt, ist der Interreligiöse Dialog eine Brücke zwischen vielen Religionen. Er ist die Hoffnung. Ich bin sehr optimistisch, dass mithilfe des Interreligiösen Dialogs die Distanzen überwunden werden und die Menschen zusammenrücken. Dann haben wir hoffentlich eine sehr harmonische Gesellschaft.

Das Interview führte Claudia Zeisel

© weltkirche.katholisch.de

Dossier

„Religionsfreiheit: Ein umkämpftes Menschenrecht“. Das ist das Thema der Jahrestagung Weltkirche und Mission vom 4. bis 6. Juni 2018 in Würzburg.


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