Bischöfe und Hilfswerke fordern mehr Achtung der Menschenrechte

  • 07.12.2018

Die Erinnerung an die Menschenrechte ist dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zufolge „angesichts von wachsendem Populismus und Nationalismus in der Welt“ bedeutender denn je. „Wir müssen die Erklärung der Menschenrechte feiern und sie so neu ins Bewusstsein bringen“, mahnte Schick zum 70. Jahrestag der Deklaration der UN-Menschenrechtscharta.

Der Erzbischof erklärte, viele der darin enthaltenen Punkte würden häufig missachtet, etwa das Verbot der Diskriminierung wegen Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache oder Herkunft. Es dürfe nicht von nationalistischer Ausgrenzung und Abschottung verdrängt werden.

05.12.2018

Missio Aachen warnt vor einem populistisch-nationalistischen Missbrauch von Religion. „Die Religionsfreiheit gerät weltweit mehr und mehr unter Druck. Dies wahrzunehmen und politisch darauf zu reagieren ist eine der wichtigsten Herausforderungen der künftigen Menschenrechtsarbeit.“


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„Menschenrechte gelten immer, überall für jeden – und nicht nur dann, wenn es die eigenen Interessen und Bedürfnisse nicht berührt“, sagte Schick, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist. Er erinnerte ferner daran, dass das derzeit diskutierte Asylrecht keine deutsche Grundgesetz-Erfindung sei, sondern auch in Artikel 14 der Menschenrechtscharta unmissverständlich definiert werde. Zudem seien politische Angriffe auf die freie Presse und die Justiz Versündigungen an den Menschenrechten.

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Die Kirche weiß sich der Menschenwürde verpflichtet, die in unveräußerlichen Menschenrechten politisch-rechtlich Anerkennung und Schutz findet.


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Insbesondere prangerte Schick Einschränkungen der Religionsfreiheit an. Gut 60 Prozent der Menschen lebten in davon betroffenen Ländern. In 21 Staaten würden Gläubige offen verfolgt. Am stärksten treffe dies Christen. Weit über 100 Millionen von ihnen litten laut Menschenrechtsorganisationen unter systematischer Einschüchterung, Misshandlung und Gewalt. Die Kirche habe die Pflicht, an das Schicksal verfolgter Christen immer wieder zu erinnern. Das Menschenrecht der Religionsfreiheit gelte aber nicht nur für sie.

Darüber hinaus forderte Schick einen verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen und Wasservorräten sowie den Rechten auf soziale Sicherheit, Bildung und Freiheit des Kulturlebens. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris verkündet.

Misereor: Menschenrechte in fundamentaler Krise

Das Hilfswerk Misereor sprach unterdessen von einer „fundamentalen Krise“ der Menschenrechte. 2017 hätten laut Untersuchungen nur zwei Prozent der Weltbevölkerung in uneingeschränkter gesellschaftlicher Freiheit gelebt, erklärte Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel am Freitag in Aachen. Weltweit zunehmende Tendenzen von Nationalismus und Populismus bedrohten zivilgesellschaftliches und kirchliches Engagement.

So berichteten zahlreiche Misereor-Partnerorganisationen von Beeinträchtigungen, sagte Spiegel. Sie würden als „antinational und entwicklungsfeindlich diffamiert“ und hätten mit willkürlichen Verhaftungen und Einschüchterungsversuchen zu kämpfen. Immer wieder würden auch Menschenrechtler ermordet.

Insbesondere litten arme Menschen, Minderheiten und indigene Bevölkerungsgruppen unter Menschenrechtsverletzungen. Spiegel verwies unter anderem auf die Lage in Brasilien, in mittelamerikanischen Ländern wie Honduras, Guatemala oder El Salvador sowie auf den Philippinen.

© KNA/cze