Missionsbenediktiner zum Vatikan-China-Abkommen

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  • Vatikan - 28.11.2018

Der Chef der Missionsbenediktiner aus dem oberbayerischen Sankt Ottilien, Jeremias Schröder, begrüßt das Abkommen zwischen dem Vatikan und China. „Wir haben dieses Abkommen ersehnt“, schreibt der Abtpräses in der neuen Ausgabe des Ordensmagazins „missionsblätter“.

Die Missionsbenediktiner seien seit 1920 in China tätig, seit 1985 auch in der kommunistischen Volksrepublik. Zwar habe es dort bisher bereits „ein sehr ernsthaftes katholisches Leben“ gegeben, „auch in der offiziellen Kirche, die lange als Kirche der Kollaborateure diffamiert wurde“. Aber das Thema Bischofsernennungen habe das kirchliche Leben „tatsächlich bedrückt“.

China/Vatikan - 24.09.2018

Eine historische Einigung soll für einvernehmliche Bischofsernennungen im kommunistischen China sorgen und diplomatische Beziehungen anbahnen. Details des Deals sind unbekannt. Lokale Christen fürchten Schlimmes.


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Schröder erklärt: „Jede Bischofsernennung und -weihe wurde zu einer Belastungsprobe, mit Druck, Zwang, Repressalien. Und weil die Frage der Bischofsnachfolge kaum gelöst werden konnte, gab es in China keine altersbedingten Rücktritte.“ Männer seien bis weit über ihr 90. Lebensjahr hinaus im Amt geblieben, oft jahrelang nicht mehr zur effektiven Bistumsleitung fähig. „Das alles hat dem Leben der Kirche geschadet, und das kann sich nun hoffentlich wenden.“ Man werde jetzt aufmerksam verfolgen müssen, wie sich die neue Verständigung auswirke. Der vorläufige Charakter des Abkommens biete auch der katholischen Seite die Chance zu einer Revision.

Abtpräses Jeremias Schröder, Chef der Missionsbenediktiner aus dem oberbayerischen Sankt Ottilien.

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Kritik äußert Schröder ebenfalls: „Schwer verständlich ist, warum die Einzelheiten dieser Lösung nicht bekannt gemacht werden. Das gibt wieder Anlass zu Spekulationen und wird die Kritiker dieses Brückenschlags ermutigen.“

Dass eine Regierung bei der Ernennung von Bischöfen mitwirke, sei nicht ganz so unerhört, wie manche meinten. „In Venezuela wurden die Bischöfe bis ins 20. Jahrhundert hinein vom Parlament gewählt. Und in Bayern darf die Staatsregierung noch heute Einwände vorbringen – was wohl auch geschieht, nicht immer zum Schaden der Kirche.“ Belastend sei aber, dass die Fertigstellung des jahrelang vorbereiteten Abkommens in eine Zeit falle, in der Chinas Religionspolitik wieder spürbar repressiver sei.

Der Vatikan und China hatten im September ein „vorläufiges Abkommen“ zur Ernennung von Bischöfen geschlossen. Papst Franziskus erkannte acht regierungstreue Bischöfe an, die ohne päpstliche Zustimmung geweiht worden waren. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern sind seit 1951 unterbrochen.

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