Kardinal: Nicht die Augen vor Armut in Lateinamerika verschließen

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  • Hunger und Armut - 26.11.2018

Der salvadorianische Kardinal Gregorio Rosa Chavez warnt die USA und die Europäer, der Armutsfrage in Lateinamerika durch Wegschauen oder Abschottung auszuweichen. „Das wird sich bitter rächen“, sagte der 76 Jahre alte Geistliche dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Zugleich sieht er die USA unter Präsident Donald Trump in einer „vorrevolutionären Situation“: Es könne sein, „dass Trump noch eine Weile so weitermacht. Aber er wird selber an die Grenze kommen.“

Die gegenwärtige Flüchtlingskarawane in Mittelamerika sei eine Parabel, ein Gleichnis, so Chavez, der ein enger Mitarbeiter des 1980 ermordeten und im Oktober heiliggesprochenen Erzbischofs Oscar Romero war: „Sie zeigt uns die Welt, wie sie ist, und sie zeigt uns eine Welt, von der die Menschen träumen, alle Menschen, ganz gleich, ob sie diesseits oder jenseits der Mauer zwischen Arm und Reich leben.“

Flucht und Asyl - 20.11.2018

Die ruppigen Töne des Bürgermeisters von Tijuana deuten auf einen Stimmungswandel hin. Als „Kiffer und Faulpelze“ bezeichnet er die Migranten aus Mittelamerika auf der Durchreise durch Mexiko. Dort werden sie nicht mehr nur mit offenen Armen aufgenommen.


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Die Lage seines Landes, von dessen neun Millionen Bürgern mittlerweile ein Drittel im Ausland lebt, bezeichnete Chavez als dramatisch verschärft: „Es ist ein Krieg, ein Krieg ohne Unterhändler, und es ist ein Krieg 'Arm gegen Arm'.“ Das größte Problem sei die Kriminalität der Jugendbanden, der sogenannten „Maras“, denen geschätzt 100.000 junge Salvadorianer angehören. Die Mordrate ist mit 108 auf 100.000 Einwohner eine der höchsten weltweit.

Kriege und Konflikte

Die Aufmerksamkeit von Kardinal Gregorio Rosa Chávez gilt seit über 30 Jahren den benachteiligten Jugendlichen, die sich in El Salvador den gewalttätigen Jugendbanden anschließen. 


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Der EU warf der Kardinal außerdem vor, sich von ihren sozialen Ursprüngen entfernt zu haben: „All euer Denken, Reden und Handeln ist bestimmt vom Kapital. Ihr lebt in einem System aus Geld und Gewinn, und ihr vergesst die Menschen. Das kann nicht gut gehen.“ Es brauche einen grundlegenden Perspektivwechsel, „auch bei Ihnen in Europa, in Deutschland“.

Chavez hält sich derzeit als Gast des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat in Deutschland auf. El Salvador ist ein Schwerpunktland der diesjährigen Adveniats-Weihnachtsaktion, die am kommenden Sonntag, dem ersten Advent, startet.

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