Erzbischof von Panama zum Weltjugendtag

  • Weltjugendtag - 26.11.2018

Jose Domingo Ulloa ist Erzbischof von Panama und Gastgeber des Weltjugendtags 2019 (22. bis 27. Januar). Im Interview erklärt er, welche Bedeutung die internationale Großveranstaltung für Zentralamerika hat.

Frage: Herr Erzbischof, warum ist Panama der richtige Ort für den Weltjugendtag 2019?

Jose Domingo Ulloa: Die Wahl war eine sehr persönliche Entscheidung des Papstes, um seine Worte von der „Kirche im Aufbruch“, die an die Ränder gehen soll, in die Tat umzusetzen. Franziskus sieht die Chance, Tausenden benachteiligten Jugendlichen aus Zentralamerika und der Karibik eine Stimme zu geben. Oft handelt es sich um Ausgeschlossene der Gesellschaft, die heimatlos umherziehen. Viele sind von Bandenkriminalität und Menschenhandel betroffen. Deshalb ist es so wichtig, dass diese Veranstaltung in Panama stattfindet. Das Treffen wird den jungen Menschen helfen, an ihre Potenziale zu glauben.

Frage: Wieso im Januar?

Ulloa: Weil es hier in dieser Zeit kaum Regentage gibt. Wir wollten sicherstellen, dass der Weltjugendtag nicht durch schlechtes Wetter beeinträchtigt wird.

Weltjugendtag - 21.09.2018

In Panama bereiten sich selbst die Ärmsten für die Aufnahme von Gästen zum Weltjugendtag vor. Rund eine Viertelmillion Teilnehmer werden im Januar erwartet – und stellen das Land nicht zuletzt vor logistische Probleme.


Artikel lesen

Frage: Was werden die wichtigsten Themen sein?

Ulloa: Wir wollen uns auf vier zentrale Punkte konzentrieren. Der erste ist die Lebenswirklichkeit der Jugend speziell hier in der Region. Ein weiterer ist die Umweltenzyklika „Laudato si'“ von Papst Franziskus. Dazu gehört das Bewusstsein, dass gerade die jungen Menschen auf unsere Erde, „das gemeinsame Haus“, Acht geben müssen. Ein weiteres Thema, das uns umtreibt, ist die Jungfrau Maria als Symbol für die Rolle der Frau in der Kirche. Als letzten zentralen Punkt wollen wir die Entwicklung der Kirche Zentralamerikas beleuchten, die im Oktober mit der Heiligsprechung des salvadorianischen Erzbischofs Oscar Romero einen Höhepunkt erreicht hat.

Frage: Wie laufen die Vorbereitungen für den Weltjugendtag ab?

Ulloa: Wir haben Wert darauf gelegt, möglichst viele Jugendliche an den Planungen zu beteiligen. Im Team dabei sind viele Freiwillige, die der Kirche eher fern sind. Ich halte das für einen großen Gewinn. Zudem war es uns wichtig, die älteren Generationen miteinzubeziehen. Sie sind das Gedächtnis unserer Gesellschaft. Die Kinder sollten ebenso wenig außen vor bleiben. Sie sind die Zukunft, die Jugendlichen sind die Gegenwart. Insgesamt hat die Planungsphase etwa zweieinhalb Jahre in Anspruch genommen. Jetzt sind wir so weit, dass wir die Projekte in die Tat umsetzen können.

Hunger und Armut

In Colón prallen Panamas Gegensätze zwischen Arm und Reich aufeinander. „Auch wenn in der Freihandelszone nebenan jeden Tag zig Millionen umgesetzt werden, bekommen die Wenigsten, die hier wohnen, davon etwas ab“, sagt Adveniat-Partner Yithzak Gonzáles Murgas.


Artikel lesen

Frage: Welche Atmosphäre erwartet die zahlreichen Gäste, die Panama im Januar besuchen?

Ulloa: Was wir anbieten, soll von ganzem Herzen kommen – mit viel Freude und Gastfreundschaft. Wir wollen die jungen Pilger aus aller Welt bei uns aufnehmen wie Familienmitglieder. Sie sind eine Bereicherung für uns, aber auch wir können sie mit unseren Erfahrungen in Sachen Kirche und Glauben bereichern. Ich bin überzeugt: Das Wichtigste beim Weltjugendtag ist der persönliche Austausch. Man kann anderen Jugendlichen von Angesicht zu Angesicht begegnen, die ähnliche Träume, ähnliche Ideale haben. Das macht den Reichtum der Kirche aus. Davon werden auch unsere Nachbarländer profitieren, etwa bei den Tagen der Begegnung in Costa Rica.

Frage: Was entgegnen Sie den Kritikern, die befürchten, Panama könnte sich mit der Organisation einer solchen Großveranstaltung übernehmen?

Ulloa: Ich verstehe diese Sorgen, die es nicht zuletzt unter den Panamaern selbst gibt. Man sollte die Sache positiv sehen und an unsere Jugend glauben. Das ist das Entscheidende. Keinesfalls dürfen wir so kleinlich sein, ihr die Chance auf ein solches Ereignis wegen irgendwelcher Bedenken vorzuenthalten. Es sind die Erwachsenen, die immer und überall Schwierigkeiten sehen, für die Jugendlichen ist das alles kein Problem. Meine Devise ist: Lasst uns jetzt erst einmal den Januar abwarten, danach können wir alles besprechen.

Dossier

Die Adveniat-Weihnachtsaktion 2018 steht unter dem Motto „Chancen geben – Jugend will Verantwortung“.


Zum Dossier