Forscher drängen auf schnellstmöglichen Klimaschutz

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  • Klimawandel - 15.11.2018

Umgehende Maßnahmen zum Klimaschutz haben Wissenschaftler bei einer internationalen Fachkonferenz im Vatikan gefordert. Dabei richteten sie eindringliche Appelle an die Politik. In den kommenden drei Jahren müsse der Ausstoß von Kohlendioxid „drastisch reduziert werden“, forderte der deutsche Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber.

Mit einer Politik des „Weiter so“ und einem Temperaturanstieg von fünf bis sechs Grad taumele die Erde in eine Überhitzung, die einen Großteil des Lebens auf der Erde gefährde, sagte er am Donnerstag in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften.

Der Präsident des Nationalen Forschungsrates in Italien, Massimo Inguscio, sagte, schon jetzt fordere der Klimawandel Opfer. Als Beispiele nannte er massenhaften Artenschwund, Verluste in der Landwirtschaft, Wüstenbildung und extreme Wetterphänomene. Die bisherigen politischen Reaktionen seien viel zu ungenügend, so das einhellige Urteil der Referenten bei der Konferenz. Vom bevorstehenden Klimagipfel COP24 Anfang Dezember im polnischen Kattowitz müsse ein deutliches, starkes Signal an die internationale Politik, Wirtschaft und Gesellschaften ausgehen.

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Von 9. September bis 9. Dezember 2018 pilgert eine ökumenische Gruppe von Bonn zum nächsten Weltklimagipfel nach Kattowitz. Dort werden ab dem 3. Dezember die Spielregeln für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens verhandelt.


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Ein drastisches Beispiel für Folgen der Erderwärmung lieferte der zypriotische Physiker und Energieexperte Costas Papanicolas. Im östlichen Mittelmeerraum und Nahost könnte demnach in Ballungsräumen wie Istanbul, Athen, Bagdad und Kairo die Zahl „sehr heißer Tage“ (über 35 Grad) um 40 bis 600 Prozent steigen. Zudem stehe in 30 Jahren nur gut die Hälfte des voraussichtlichen Wasserbedarfs zur Verfügung. Damit werde die Region mit derzeit 400 Millionen Menschen weithin unbewohnbar. Diese müssten sich unweigerlich andernorts neue Lebensräume suchen.

Zu einem notwendigen Erfolg kann nach Ansicht der Experten nur eine Kombination unterschiedlicher Strategien führen. Mögliche Auswege sehen sie in technischer wie sozialer Innovation, im Einsatz von Digitalisierung, Solarenergie sowie regionaler und internationaler Zusammenarbeit. So lieferten EU-geförderte Projekte wichtige Lösungsansätze etwa für den vom Klimawandel stark betroffenen Mittelmeerraum. „Es braucht aber gegenseitiges Vertrauen, ohne das geht es nicht“, mahnte Angelo Riccaboni, Management-Experte von der Universität Siena. Technische Mittel für den Klimaschutz gebe es genügend; es seien soziale Faktoren, die bremsten.

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