Fall Asia Bibi schlägt weiter hohe Wellen

  • Bedrängte Christen - 05.11.2018

Im Fall der pakistanischen Christin Asia Bibi fordern Nichtregierungsorganisationen, den Druck auf Pakistan zu erhöhen. Missio Aachen erklärte am Sonntag, die Bundesregierung und die Europäische Union sollten sich einschalten „und auf Aufklärung durch die pakistanische Regierung bestehen“.

Die Verantwortlichen in Pakistan müssten für die Sicherheit von Asia Bibi und ihren Unterstützern sorgen sowie die rechtsstaatliche Umsetzung des Freispruchs und die Reisefreiheit Bibis garantieren.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) appellierte an UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet, sich für einen wirksameren Schutz religiöser Minderheiten und ihrer Rechtsvertreter in Pakistan einzusetzen. Als Mitgliedsstaat des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen habe Pakistan eine besondere moralische Verpflichtung, die Rechte religiöser Minderheiten und ihrer Rechtsvertreter zu achten und zu schützen.

Bedrängte Christen - 02.11.2018

Die in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi ist frei. Was bedeutet diese Entscheidung für die Zukunft der Christen und die Religionsfreiheit in Pakistan? Eine Einschätzung von Johannes Seibel.


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Die deutschen katholischen Bischöfe zeigten sich besorgt über die Lage in Pakistan. „Ich hoffe und bete, dass das ganze Land und besonders auch die kleine Gruppe tapferer Christen, die dort leben, diesen Sturm unbeschadet überstehen“, so der für das Thema Weltkirche zuständige Erzbischof Ludwig Schick.

Bibi war 2009 wegen Gotteslästerung angeklagt und 2010 zum Tode verurteilt worden. Blasphemie gilt in dem islamisch geprägten Pakistan als Kapitalverbrechen. In der Praxis werden darunter fast ausnahmslos verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed verstanden.

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In vielen Teilen der Welt werden Kirchen, christliche Gemeinschaften und einzelne Gläubige bedrängt, verfolgt und in ihren Grundrechten verletzt. Das Internetportal Weltkirche stellt für Sie einige wichtige Hintergrundinformationen und Dokumente zusammen.


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In einem aufsehenerregenden Urteil sprach das Oberste Gericht Pakistans die Angeklagte am Mittwoch überraschend frei, erbitterte Proteste waren die Folge. Die Regierung einigte sich daraufhin mit der islamistischen Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) und anderen Gruppen auf einen Kompromiss, wonach eine Berufung gegen das Urteil möglich sein soll und Bibi das Land nicht verlassen darf.

Beobachter schätzen die Lage als unübersichtlich ein. Asia Bibis Ehemann Ashiq Masih bat laut einem Bericht der BBC um Asyl in Großbritannien, den USA oder Kanada. Zuvor hatte er der Deutschen Welle gesagt, er mache sich große Sorgen um das Leben seiner Frau und seiner Familie. Pakistans Informationsminister Fawad Chaudry sagte dagegen dem britischen Sender, man habe die Sicherheitsvorkehrungen für Bibi verstärkt. „Ihr Leben ist nicht in Gefahr.“

Bibis Anwalt Saif ul-Malook setzte sich unterdessen aufgrund von Drohungen durch islamistische Extremisten nach Europa ab. Nach einem kurzen Aufenthalt in Italien flog er weiter nach Amsterdam. Er habe das Mandat für Bibi aus professionellen Gründen angenommen, begründete der Anwalt sein Engagement. „Das ist keine Frage der Religion, sondern ein Fall, in dem es keine Beweise gab.“ Einer erneuten Eröffnung des Verfahrens räumte ul-Malook kaum Chancen ein.

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