Exodus aus Mittelamerika fordert US-Katholiken heraus

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  • USA - 05.11.2018

Sie kommen in Flipflops aus Mittelamerika und wollen zu Fuß in die USA. Der Exodus aus Zentralamerika rückt vor den Zwischenwahlen zum Kongress an diesem Dienstag ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Donald Trump nennt den Zug der Flüchtlinge aus Mittelamerika eine „Karawane“, katholische Sozialethiker wie Arturo J. Banuelas sprechen lieber von einer „Menschenrechtsbewegung“. Der Geistliche aus der Grenzstadt El Paso in Texas sieht den Treck der Verzweifelten aus Mittelamerika, der im Schneckentempo durch Mexiko gen Norden zieht, als „eine Herausforderung für alle, ihre ideologischen Komfortzonen zu verlassen“.

Diese Sicht prallt direkt mit der des Präsidenten zusammen, der das Problem im Wahlkampf zu einem nationalen Notstand stilisiert und bis zu 15.000 Soldaten an die Grenze schicken will. Mehr als in den Kampf gegen den IS-Terrorismus – und das zu einem geschätzten Preis von mindestens 200 Millionen US-Dollar.

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Die katholische Kirche in Mittelamerika dringt auf Unterstützung für Flüchtlinge aus Honduras. Die Rechte jener Menschen, die derzeit mit einer selbstorganisierten Karawane nach Mexiko und anschließend Richtung USA gelangen wollten, müssten respektiert werden.


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Trump warnt vor „Horden“, die eine Invasion planten, darunter wohl auch Kriminelle und Terroristen. Tatsächlich handelt es sich überwiegend um Menschen, die vor Gewalt in ihrer Heimat fliehen. Junge Väter und Mütter, Kinder und wer immer sonst den gemeinsamen Marsch durchzustehen vermag.

„Wir haben Sonnenbrand und Blasen an den Füßen, aber es bis hierher geschafft“, gibt sich Britany Hernandez gegenüber einem Fernsehreporter hoffnungsvoll. Sie treibt dasselbe Sehnsuchtsziel an wie Tausende andere, die sich in Turnschuhen und Flipflops durch Mexiko auf den Weg gen Norden gemacht haben. Sie wollen in die USA – trotz Trump und ungeachtet dessen Drohungen.

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Mit ihrem vielfältigen Engagement im Bereich der Flüchtlings- und Migrantenhilfe steht die Kirche an der Seite aller Schutzbedürftigen und Notleidenden: durch Beratung, Seelsorge, materielle Unterstützung und den stetigen Dialog mit Politik und Gesellschaft.


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Die Worte des Präsidenten bringen seine katholischen Anhänger in Gewissensnot. Predigt ihre Kirche doch nicht das Recht des Stärkeren, sondern tätige Nächstenliebe. „Wenn das Haus meines Nachbarn brennt, kann ich nicht sagen, das sei nicht mein Problem“, betont der Theologe Allan Figuero Deck von der Loyola Marymount University in Los Angeles. „Wir müssen wirklich verstehen, was wir meinen, wenn wir sagen, dass die Kirche 'katholisch' ist.“ Zu einem humanen Umgang mit den Flüchtlingen gebe es keine Alternative.

Der Moraltheologe an der Georgetown University, David Hollenbach, pflichtet ihm bei. „Die Würde des Menschen ist die Grundlage der katholischen Soziallehre.“ Man könne nicht einfach sagen, es seien nur die Amerikaner, die Menschenwürde und Schutz verdienten.

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Walter erzählt von seiner Flucht aus Honduras nach Mexiko.

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So sehen es auch die US-Bischöfe. Vor Krieg und Armut zu fliehen, sei ein Menschenrecht, um Familien am Leben zu erhalten. Auch wenn die katholische Soziallehre das Recht auf Privateigentum verteidige, bedeute dies nicht, dass „der Einzelne das Recht habe, Privateigentum ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl zu nutzen“.

In einem gemeinsamen Hirtenbrief mexikanischer und amerikanischer Bischöfe steht sogar die Verpflichtung wirtschaftlich reicherer Nationen festgeschrieben, Flüchtlinge aufzunehmen. Doch Trump will nicht nur Tür und Tor für Verfolgte zumachen. Er drohte indirekt sogar damit, seine Soldaten notfalls schießen zu lassen, wenn frustrierte Flüchtlinge Steine werfen – auch wenn er diese Aussage später wieder relativierte.

Den Regierungen der Herkunftsländer der Flüchtlinge droht Trump obendrein mit der Kürzung von Entwicklungshilfe. Dabei haben die USA nach Ansicht vieler Experten mit der Rücksendung von Straftätern und Gangmitgliedern in die Herkunftsländer die Gewalt dort massiv verstärkt. Die Mehrzahl der Flüchtlinge – nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 7.000 – fliehen aus dem sogenannten „Elendsdreieck“ El Salvador, Guatemala und vor allem aus Honduras.

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Wegen strenger Kontrollen und zunehmender Gewalt in Mexiko schafft es nur jeder zehnte Migrant in die USA, der Rest sucht Arbeit in Mexiko. Mexikos Kirche versucht, zumindest einige von ihnen aufzufangen.


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Die Theologin am Boston College, Kristin E. Heyer, weist im Jesuitenmagazin „America“ darauf hin, dass die Bevölkerung in diesen Ländern von der „weltweit höchsten Mordrate und Todesfällen im Zusammenhang mit Drogenhandel und endemischer Armut heimgesucht wird“.

Das Recht auf sichere Grenzen kollidiere mit dem Recht auf Migration. Dabei sei es wenig hilfreich, wenn Angst selbst vor der Ankunft kleiner Kinder geschürt wird, die problemlos in die Gesellschaft zu integrieren wären. Während Hetze und Hysterie nach den Zwischenwahlen am Dienstag nachlassen dürften, bleibt das Problem der Massenflucht. Nach Angaben der US-Regierung versuchten allein 2017 mehr als 225.000 Menschen aus Mittelamerika in die USA einzureisen – mehr ein Exodus als eine „Karawane“.

Von Bernd Tenhage (KNA)

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