Wie geht es weiter für Christen in Pakistan?

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  • Bedrängte Christen - 02.11.2018

Die in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi ist frei. Der Oberste Gerichtshof hat nach neunjähriger Leidenszeit das Urteil in letzter Instanz aufgehoben. Was bedeutet diese Entscheidung für die Zukunft der Christen und die Religionsfreiheit in Pakistan? Eine Einschätzung von Johannes Seibel.

Wie das weitere Schicksal und das weitere Verfahren für Asia Bibi und ihre Familie sich entwickelt, kann nicht in der Öffentlichkeit – bei allem nachvollziehbaren Interesse – verhandelt werden. Sie und ihre Familie brauchen sicheres Asyl außerhalb Pakistans und im besten Fall eine neue Identität. Es ist zu hoffen, dass hier alle dafür notwendigen Schritte unternommen werden. Es gab in der Vergangenheit das Angebot verschiedener Staaten außerhalb Pakistans, für diese Sicherheit zu sorgen.

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes war für die Justiz und die neue Regierung Pakistans unter Ministerpräsident Imran Khan nicht ungefährlich, aber auch aus politischen Gründen notwendig und klug. Denn hätten die Obersten Richter dem einschüchternden Druck der islamistischen Hardliner nachgegeben, die jetzt versuchen, das Land gewaltsam zu destabilisieren, dann wären die Justiz und die Regierung Pakistans zunehmend und endgültig erpressbar geworden. So bedeutet das Urteil des Obersten Gerichtshofes in diesem weltweit prominenten Fall auch eine Art Selbstverteidigung der staatlichen Institutionen der Islamischen Republik Pakistan.

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In vielen Teilen der Welt werden Kirchen, christliche Gemeinschaften und einzelne Gläubige bedrängt, verfolgt und in ihren Grundrechten verletzt. Das Internetportal Weltkirche stellt für Sie einige wichtige Hintergrundinformationen und Dokumente zusammen.


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Dass Asia Bibi freigekommen ist, ist sicher auch der weltweiten Aufmerksamkeit und Solidarität für den Fall zu verdanken. Unzählige Petitionen weltweit sind unterschrieben worden – allein Missio Aachen sammelte 18.425 Unterschriften. Bis hin zu den Päpsten em. Benedikt XVI. und Franziskus hat sich die Weltkirche und die Politik für Asia Bibi eingesetzt. Auch in Deutschland haben sich hinter und vor den Kulissen Politiker wie Volker Kauder oder der frühere Bundesbeauftragte für humanitäre Hilfe und Menschenrechte, Christoph Strässer, direkt für Asia Bibi engagiert. Was zeigt: Opfer der Verletzungen von Menschenrechten wie die der Religionsfreiheit werden durch öffentlichen Protest geschützt. Gerade bedrängte und verfolgte Christinnen und Christen brauchen diese Solidarität.

Papst Franziskus trifft am Rande seiner Generalaudienz am 15. April 2015 auf dem Petersplatz den Ehemann Ashiq Masih (m.r.) und die Tochter Eisham Ashiq (2.v.r.) der Christin Asia Bibi.

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Asia Bibi ist frei. Für Pakistan sollte das in anderer Hinsicht noch Folgen haben. Es ist kaum darauf zu hoffen, dass das sogenannte Blasphemiegesetz in Pakistan abgeschafft wird. Realistischer ist es, dass endlich der Missbrauch der entsprechenden Paragraphen im Strafgesetzbuch für private, politische oder wirtschaftliche Zwecke unter Strafe gestellt wird. Hier gibt es schon Initiativen, die das auf den Weg bringen wollen.

Dabei arbeiten zum Teil auch christliche und muslimische Organisationen zusammen – denn unter dem Gesetz leiden nicht allein Christen, sondern ebenso Muslime und Angehörige anderer Minderheiten oder muslimischer Konfessionen. Der Freispruch für Asia Bibi kann der Startschuss für eine interreligiöse, zivilgesellschaftliche Bewegung in Pakistan und weltweit sein, den Missbrauch der Blasphemiegesetze einzudämmen.

Johannes Seibel ist Pressesprecher des Internationalen Katholischen Missionswerkes Missio Aachen und Leiter der Missio-Kampagnen für Religionsfreiheit. Er ist selbst schon in Pakistan gewesen. 

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